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Der israelitische Lehrer · 1864-03-03 · 9 (3.3.1864) · p. Seite 35

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
9 (3.3.1864)
Date
1864-03-03
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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35 werden sich mit Abscheu abwenden ron der sehr kleinen Partei, den wenigen Männern, die ein ausgesprochene-SchiSma in Israel herbe«- führen, die Einheit auflösen wollen. Gott bewahre unS vor solche» Zerstörern w»’ "]DQ i’Di’noi l’3ina und lasse unS fest stehen in dem Bestreben nach Verbindung und Einigung. — Die Leopold- Goldschmidt - Stiftung in Mainz hat im vergangenen Jahre 15 jüdischen und 20 christlichen Lehrern RheinhessenS Stipendien im Betrage von 25—45 fl. erlheilt. — Die Verwirklichung unserer Idee — die Gründung des UuterstühungSvereinS — tritt immer näher. Nur Böswilligkeit könnte einen Zweifel aussprechen gegen die Möglichkeit oder Sicherheit deS Gelingens. Umsomehr wollen wir immer wieder anrcgen, anfeuern, berichtigen und ergänzen. Tie Sache verfolgt unS, eS versteht sich kaS von selbst; umsomehr erlauben wir un» heute einigen Eollegen, die wir sogar zu uns ren näheren Freunden rechnen zu dürfen glaubten, einmal hier derb öffentlich den Tert zu lesen. Wik nennen zwar keine Namen; aber: „wen's jukt, der krähe sich." Es ist immer Freundeswoct. Ein Eollege aus einer Provinz, wo der größte Theil oder fast alle Lehrer öffentlich und vom Staate angestellt sind, und daher staatliche Pension und Wittwengcbalt zu beziehen haben, schreibt: „Die Beiträge zu diesen Kaffen bilden in dem Etat eines LehrerS kein.« unbedeutenden Posten. „Wer für sein Haus zu sorgen hat, der kann sich um ein anderes nicht bekümmern." Sollte das der Grund sein dafür, daß aus denjenigen Staaten, in welchen di« Lehrer staatliche Anstellungen haben, bisher noch'keine ober doch nur sehr wenige Anmeldungen eingetroffen sind? Das währe sündhaft, schmählich. Sollte der neidisMe ParticularismuS, der in unserm deutschen Baterlaude so große Wunden schlägt, auch sich auf die isr. Ledrer erstrecken? Sind die staatlichen Pensionen und Wittwcngehalte io stark, daß ein weiterer Zuschuß ganz zu verwerfen wäre? Gibts in diesen Ländern keine hilfsbedürftigen dienstunfähigen Lehrer, keine Lehrer-Wittwen und Waisen, die 'Jiott) leiden? Wir haben als öffentlicher Lehrer in Hessen auch diese Reckte; aber Gott bewahre, wenn eine jüd. Wittwe oder Lehrer-Waise von dem leben sollte, waS ihnen der Staat bietet. Abgesehen davon: ist das,-waS wir fordern, so groß? Gibt es Lehrer, welchen das, was wir verlangen, nickt ganz leicht wäre? Wir sind überzeugt, daß gerade der Ledrer, d»r uns daS schrieb, in seiner sehr großen und reichen Gemeinde leicht eine namhaite Spendesammlung bewerkstelligen könnie. Die Unterbringung von 15—20 Jahrbüchern würde ihm nickt die geringste Mühe wachen. Warum thut er es nicht? Wir wollen dabei mcht aufhören, eins zu constatiren, eine Wahrnehmung, die wohl zu den traurigen gehört, aber koch nickt geleugnet werden kann, zu wiederholen: Die Zahl der jüdischen öffentlichen Schulen wird in der nächsten Zeit aus vielen Giünden eher abals zunehmen. Zur Anstellung jüdischer Lehrer an öffentlichen Eommuiialschulcn ist noch lange keine Aussicht verhanden. Die meisten jüdischen Lehrer werden also wohl die Religionslehrer und Vorbeter bilden und da der Staat für diese nichts thut, so ist „Selbsthülse" nöthig, überall, kein Land bildet hier eine Ausnahme. Darf darum der Beffergestellte zurückweichen? Ein anderer, in Hessen wohnender Religionslehrer schreibt wörtlich: „Ihr Projekt*) zur Gründung des Unterstützungssonds „führte mich zur Berathung mit sehr geachteten Männe:», ob „und wie da cinzugreifen wäre. Allgemein (?) war das Urtheil: „erst sehen waS a s dem Kindlein wird; dann wurde vielfach „auSgesetzt, daß zum provisorischen Eomitee nicht mehr Män- *) Gottlob, eS ist nickt mehr Projekt, eö ist rhatsache, und ' „daS sollen sie lassen stahn." „ner, namentlich mit Berücksichtigung unserer 3 Provinzen *) gekommen wurde. Und auch weiter könnte idi nicht einem „Unternehmen für Kranke und Tode mich so schnell hingeben, „während mein langjähriges Schooßkind für die Lebenden so „nonchalant berührt wurden Erst sorgen für die Lehrer, daß „sie Eristenz erhalwit; dann folgt das Weiteres Wir waren über diese Äusdrül» fast empört. Wie, zuwarten wollen Sie? Und Sie nennen geachtete Männer die, die dies riethen? Wen« alle so sprechen wollten, so gesprochen hätten, was wäre da auS unserem Projekte geworden? Achtungtwerth sind solche Männer welche «ine gute, heilige nutzbringende Anstalt frisch und kräftig anpacken und die Ersten sind, sich in den Riß zu! stellen. Eine zuwartende Stellung in solchen Dingen ist nicht rübmenswerth; «st nicbt Vorsicht — was soll da Vorsicht? .— ist fkigenliebe und entstammt keinenfalls lauteren Motiven. Die Ausdehnung des prov. Haupt-Eomitee's ist unthunlich, weil es Pie Action erschwert hätte. Je weniger Männer in solchen Sjlchen die Erecutive in Händen haben, desto bester. Das leuchtet ein. Uebrigens nehmen wir von jedem Rath und Hülfe an, und sobald wir den Entwurf des Statuts veröffentlicht haben, » erden wir zur Bildung von Provincial - Comckee's schreiten. Möge die Wirksamkeit tüchtiger Männer sich dann der Ausbreitung unserer Idee in ihren Krisen befleißigen, und sie werden der Seche ebenso gedient haben, als wenn sie im Haupt Eomitee säß<n. Und nun das Letzte, was Sic gewiß nicht im Ernste gemeint haben können, Nickt für Kranke und Tode, (?) sondern für dienstunfähige Lehrer, für Lehrer-Wittwen und Waisen wollen wir sorgen. Das sind Lebende. Gesunde, die essen «vollen. Wenn Sie aber meinen, erst die „Eristenzfrage" zu Ende zu führen, so täuschen Sie sich. Was veranlaßt "kie Gemeinden zu meist sich gegen die feste Anstellung ibrer Lehrer zu «vehren? Doch meistens die Besoraniß, die kranken und alten Lehrer oder deren Wittwen unds Waise r ernähren zu müssen. 'Nehmet den Gemeinten diese Besorgniß, und sie «verden sich viel leichter zur definitiven Anstellung bequemen. Die Lehrer, die man aber auch dann nickt definitiv anstelle» will, die sind, offen gestanden, entweder dessen unwürdig, oder — die Gemeinde weiß den Lehrer nickt zu würdigen.**) Beide sind unseres Schweißes nicht werth. Darum sind wir von allen.Lehrern „ohne Unterschied" «venn sie sich des, Namens Lehrer würdig zeigen wollen, einer regen Betbeiligung gewärtig. Es sind nur , wenige, vom Glück besonders Begünstigte, die sicher (?) sind, nie in den Fall zu koinmen, Gebrauch von einer solchen Veranstaltung machen zu müssen. Und sei's drum; für Viele ist eine solche Unterstützungs- *) WaS geht eine allg. deutsche Angelegenheit die 3 heff. Provinze» an? Red. ") Hier «nag ei» eben in unserer Nähe vorgckoinmener Vorfall Heugniß geben, waS manche Gemeinde von dem Glücke, einen Lehrer zu haben, hält. Ein Lehrer N, der lange Jahre in einer Gemeinde O. fungirte, wünschte Gehaltsverbefferung; da er diese nicht erlangen konnte, schließt rr mit einer Gemeinde B , j Stunde davon, einen Vertrag ab, und »rill seine Stelle verlassen. 9htn wird die Gemeinde A. zahin, gibt ihm den geforderten Mehrgchalt uud er erneuert auch hier seinen Vertrag. Jetzt Proceß, beide Gemeinden wollen den Lehrer; «nan läuft zum Kreisrath ES «verden Gerichte gcnracht, und mit Petitionen gestürmt, biö hinauf zun« Ministerium. Die Gemeinde B. erhält das Feld. 'Nun «vünscht der Kreisrath eine Verständigung beider Gemeinden, eine Vereinigung der Schule, Filialisirung v! A rc. rc. Die Vorstände koinmen zusammen, aber die Unterhandlungen scheinen sich zerschlagen zu «vollen. Da bietet der Vorstand A. dem Vorstände V. fünf Gulden in die Geineindekaffe, wenn er ihnen ihre» Lehrer belasse; Glück dazu, sagt der schnell entschloilenc Geschäftsmann »lud —. der Handel ist fertig. N. bleibt. .Paris ist ruhig" die — Wasser verlaufen sich Ein sprechender Beleg von dem Werthe, den die Lehrer für «nanche Gemeinde haben.

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