Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 4 (28.1.1864)
- Date
- 1864-01-28
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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15 sehen. Die Trennung d»er Schule von der Kirche brauchen auch wir nicht zu beklagen; denn was wir von einem großen Theil der Rabbinner zu hoffen hätten, wenn diese ans Schulregiment kämen, davon einige Pröbchen: Nach dem Erscheinen der genannten Thesen fragte ein solcher den Lehrer seines Ortes ganz vermnndert, was denn eigentlich biefe für unsere Schulen Nachtheiliges enthielten?!! In seiner Unwissenheit hatte er aber doch perfect herausgefunden, daß der Rabbiner berufenes Mitglied im OrtSschrckrath werde. — Derselbe Rabbiner verklagte einen Lehrer bei Gr. Oberrathe, weil dieser in einem benachbarten Orte einem unbemittelten Verstorbenen eine unbezahlte Grabrede gehalten (horrible!)' und dadurch einen unbefugten Eingriff in feine Rechte, bezahlte Reden zu halten, gethan hatte. — Ein Anderer berichtet nach einer gehaltenen Religionsprüfung in seinem übergroßen Diensteifer derart gegen den betreffenden fleißigen Lehrer, daß derselbe eine Rüge erhielt. Dieser beruhigte sich dabei nicht und schickte die ganze Geschichte mit einem Fragezeichen an den Oberschulrath, welcher die Sache durchschaute, und die Rüge annullirte. Es wäre übrigens sehr zu beklagen, wenn wir nicht auch sehr achtbare und vorurtheilsfreie Männer dieses Standes in unserm Lande hätten, die für den beruf-treuen Lehrer ohne Scheu in die Schranke treten. Ich könnte Ihnen noch manches Aehnliche berichten; allein es ist des Unerquicklichen zu viel, und um nach jüdischer Sttte nicht mit einer murr -ai zu enden, füge ich zum Schluffe noch eine originelle Anekdote, die sich kürzlich bei uns ereignet, hinzu: Ein Lehrer,'der an eine stark bevölkerte, aber nicht in besonders gntem Zustande gefundene Schule befördert wurde, ward von einem Collegen über dieselbe befragt Jener antwortete lakonisch: Ich habe DJi-wom nun nvsi angetroffen I W? Umschau. Zur Statistik der Juden. Nach den in neuester Zeit von Judenmissionären angestellten Berechnungen beträgt die Zahl der gegenwärtig auf der Erde lebenden Juden ungcfäbr sieben Millionen, wovon die Hälfte in Europa wohnt, und zwar die meisten in Rußland; man zählt daselbst 1,220,000 Israeliten. Die Zahl der in Oesterreich.wohnenden Juden beträgt 85300O, in Preußen 284,500, im übrigen Deutschland 192,000. Während bei der Bevölkerung in Frankfurt a. M. auf Ui Christen 1 Jude gerechnet wird, kommt in Preußen erst auf 73 ,Christen 1 Jude. In Sachsen wohnen im Ganzen nur etwa 1600 Juten, und zwar in dekr beiten Städten Leipzig und Dresden. Am unbedeutendsten ist die Zahl der jüdischen Einwohner in Schweden und Norwegen, man rechnet daselbst auf 6000 Christen nur 1 Juden. In Frankreich wohnen ungefähr 80,000, in der Schweiz 3200, in Großbritanien 42,000 Israeliten. (Didaskalia.) - Ein merkwürdiger Proceß, welcher selbst in politischen Zeitschriften (N. F. Z. u. A.) vielfach besprochen worden, hat in Wien stattgefunden, und. ist eben noch vor den Obergerichtcn schwebend, nachdem von dem Betroffenen, Dr. L. Kompert, Herausgeber von Wertheimer's Jahrbuch, Berufung gegen das erstinstanzliche Urlheil eingelegt -worden. Ein Aufsatz des genannten Jahrbuchs, von Dr. Gräh T. in Breslau, betitelt „Die Verjüngung des jüdischen StamrnftS" gab die Veranlassung zu diesem Proccffe. Dieser Aufsatz enthält Ideen, wie sie in Deutschland hundert und abermals hundertmal, wenn auch in anderer Form, schon ausgesprochen worden sind. Er constatirt, wie eben die Erhaltung, die „Verjüngung" d s jüdischen Stammes nur durch die belebende Idee des jüdischen Volslebens sich erklären läßt, und zeigt insbesondere, wie der babylonische Jesaias das Volk Israel durch sein begeisterte- Wort zur Selbsterlösung cinfeucrtr In diesem die messianische Berufung Israels idiealisirenden Aussätze kommt nun die Stelle vor: „Em Volk, da« durch Leiden und Tod zur Auferstehung durch die Pforten des Grabes zum Leben erweckt worden, das hat Sinn; auf eine Einze^persönlichkeit übertragen, wird eS Earricatur und führt zurromantischenSchwärmerei." - Nachdem das Buch unter Beobachtung aller preßqesehlichen Vorschriften seit fast j Jahr ohne Anstand verkauft worden, ist erst vor Kurzem der Herausgeber auf die Denunciation der „kath. Kirchenzeitung," deren Redakteur der bekannte Judenfeind Sebastian Brunner ist, welcher jede Ostern das schaurige Mährchen vom „Christendlut zur Pesachseier" aufwärmt — wegen der obenangeführten Stelle vor Gericht gestellt worden unter der Anklage: 1) hiermit der Messiaslehre der in Oesterreich geseylich anerkanntcn„orth." jüdischen Kirche und Religionsgenossenjchast entgegengctrelen zu sein, dieselbe geschmäht zu haben, 2) objektiv auch eine Religionsstörung gegen die katholische Lehre des Messias versucht, da in der Bezeichnung deö Messias (irr der kathr uirche als Einzclnperjon göttlich verehrt,» als Earricatur eine Lästerung Gelles erscheint, 3) bei Veröffentlichung jenes Aufsatzes mindestens deS Vergehens der vernachlässigten Objorge sich schuldig gemacht zu haben (als Herausgeber des JahrbuckeS, da der Verfasser des incriminirten Aussatzes als Ausländer nicht belangt werden kann.» Dr. Kompert vertheidigte sich selber, indem er insbesondere hcrvorhebt, daß es wohl weniger fromme und frömmere Juden gäbe, aber, daß von einer „orthodoren" Jüdenlehre keine Rede sein kann. ES gibt nur ein Judenthum, die Bezeichnung „orthodor" ist einer dein Judenthum fremdartigen Anschauung entnommen. „Die Basis, der Lehrbegriff, die volle Grundlage deS Judenthums ijt jedem Juden gemeinschaftlich." Er constatirt dann die verschiedene Auffassungen über die MessiaSlehre, die im Judenthum als vollberechtigt angesehen werden müssen, wenn der Glaube an die Erscheinung eineö MessiaS an und für sich nicht angegriffen worden ist, »vas ja hier durchaus nicht geschehen. Gegen die zweite Anklage vcrtheidlgte er sich, indem er aus sein Vorleben lnnwieö, das eine solche Beschuldigung als „ungeheuerlich" erkennen lassen müsse. Die Zeugen Mannheimer und Horowitz schließen sich im Ganzen der Erklärung deS Angeklagten an. Insbesondere betonte der Erste, wie eine Trennung unter den Juden nicht besteht, daß es wohl hinsichtlich der Erscheinungsformen lärere und strengere Auffassungen gebe; freisinnige und bigotte, denkgläubige und wottgläubige Juden, daß aber all daS nicht so weit gehe, um Gegensätze, wie zwischen Katholiken und Protestanten herauSzubildcu. Der Zeuge erklärt weiter, daß der Aufsatz sich den jüdischen uird christlichen Eregetcn deS 53. Kapitel d. Jcsaia anschließe, und auf ihn einen erbauenden und erhebenden Eindruck gemacht habe.»In solge dieser Aussagen wurde der Angeklagte sreigcsprochcn, „weil nach den Zeugnissen dieser Sachverständigen unter den Juden verschiedene Ansichten über die messianische Idee bestehen, und in diesem Artikel keine Schmähung vorhanden sei" Wegen Bernacklässigur g der pflichtmäßigen Obsorge wurde derselbe jedoch zu 40 sl. Gelds rase verurthcilt. — Wir können hier einen schmerzlichen. Gedankm nicht unterdrücke». — Wenn' einerseits der ganze Aufsatz »ineu erbebenden Eindruck auf den denkenden, von dem erhabenen Berufe unseres Stammes überzeugten Israeliten machen muß, so muß diese ganze, von beit geschworenen Feinde» > des Judenthums dnäezettelte Procedur einen niederdrückenden zurücklassen Was sollen wir aber dazu saften, daß es ein jüdisck cS Organ, und sogar! /in solches, daS die „Judischkcil" auSschließlick für sich in Anspruch nimmt, wagt mit verbissenem Aergcr dieser Freisprechung willen den greisen Ravbincr Horowib zu Wien als c »fen zur Fahne der Abtrünnigen übergctreten zu denuncircn und darüber zu frohlocken, 5oß dieser Kalender unterdrückt worden, weil der betreffende Aufsatz vssn der Geistlichkcit beanstandet wurde?