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Der israelitische Lehrer · 1864-01-07 · 1 (7.1.1864) · p. Seite 2

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
1 (7.1.1864)
Date
1864-01-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Di* und die dketigiyuSparteien. mo’^3 mnn mij?n ms Bewahre baS Lcugniß Lege das.Siegel der Lebre Äuf meine-Schüler! Jes- Ach meine > Herren! wir Haben einen mächtigen Mitarbeiter, die Zeit! er ist zwar ein unbesoldeter Collobrator, er arbeitet aber durch alle Klassen, in allenLektionen. Er regt auf, ich wollte sagen: er regt das Kind in der Wiege aus. Lassen Sie uns seine Aufregung zur Frucht und zum Nutzen gebrauchen. Herder in seinen Schulreden. Die Periode der „Steinigungen" und „Verbrennungen" in majoram dei gloriam ist für alle Zeiten vorüber Ob das Judenthum wohl auch Ketzerverbrennugen veranlaßte, und ob jüdische Behörden je feiersiche Autodafes anordneten? Wir wissen nur vpm großen und kleinen Banne, von Cherem, Ziiddui und Jffur, Und der Weg ist wohl doch ein sehr weiter vom Banne bis zum Helligen, oder vielmehr unheiligen Feuer der Inquisition, wenn es auch wahr ist/daß da, wo dem Unglück und dem Verbrechen die Pforte geöffnet die Beschlagnahme des Hauses wohl möglich ist. Der Parteihader, die Anfeindungen der entgegengesetzten Richtungen ist in heutiger Zeit überall, auchim Judenthume, auf's Aeußerste gestiegen. Die Reibung der Gegensätze ist so stark, so wuchtig, vielfach so ausgeartet, so gemein und extrem geworden, daß wir eie Ueberzeugung gewinnen, es fehle in diesen Krerlen eben nur die M acht, nicht der Willen um die Feuer brände religiöser Zwietracht hineinzuwerfen in die friedlichen Gestaltungen und Entwicklungen des Lebens. Zwischen diesen Parteien ist die Schule, der Gegenwart eingekeilt; ste kann sich den Einwirkungen der Zeit nicht entziehen , sie kann denselben nicht fremd bleiben Welcher Richtung hat ste sich anzuschließen? Welcher Partei gehört die Schule? Ist die Schule überhaupt Parteianstalt? Ist sie, die Schule, die „arme Magd"'der Kirche, die sich willig den Anforderungen der Liebevollen" Mutter fügen muß? ist der Geistliche der „gebornc" Herr der Schule? Oder können die Matadore der religiösen Fornchrittsbewegung der Gegenwart auch die (idealen) Gesetzgeber der Schule werden, alio daß jeder neue Gedanke, der auf dem Markte des Lebens als Wahrheit, als einzige und höchste Wahrheit verkauft wird?, alsbald und obne Verzug auch >ingeruhrt werden niuß.in den stetigen -und erüste Enwicklungsgang, in die geweihten, geheiligten Räumen der Schule, um hier „veraltete" Wahrheiten zp ersetzen? Es ist eine ernste Frage, die wir hier mit dem Beginnne des neuen Jahres an uns herantreten laffen, um uns für die Be'prechung pädagogischer Detailfragen, in die wir demnächst eintreten, Ziel und Richtung anzudeuten. Es ist eine ernste Frage, um so ernster für uns Juden, weil uns der so gangbare Begriff „Kirche" ferne liegt. Wir Haben keine Kirche, keine Hierarchie, und darum auch keine „niederen Diener der Kirche,- die, nach dem „gangbaren Lehrbegnff" derselben vereidigt, derselben durch äußeren Zwang unterthan worden, sind. Unsere- Herrin ist eine ideale Macht, ist das Gewissen,. ist die Heiligkeit'übernommener Pflichten, ist das gerechte Urtheil unserer Zeit- und Religionsgenoffen. Aber um so mehr muß hier der Diener der „Religion" (nicht der Kirche!) mit sich selbst zu Rache gehen, muß wiffen, waS unter den zelllichen, so schwierigen Umständen seine Pflicht und sein Recht ist. Wir können unsere religiösen Kämpfe durchaus nicht indentificiren mit detz Kämpfen, wie sie die gegenwärtige christliche Welt bewegen. Nur der Fanatismus der Heuchelei hat den Kanrpf des Judenthums auf Grund - Anschauungen und Dogmenstreit hinüberleiten wollen. Wir haben keine» Symbol- und Glaubenszwang, keine Priesterkaste, kein Eölibat, keine Ohrenbeichte zu bekämpfen, und die ewige» Grundlagen des Judenthums sind die ewigen Grundlagen der sittlichen Weltordnung. Wir hatten, und das müsse» vor allemuns klar machen, nie eine als religiösgeltend« Anordnung, welche einer gesunde» sittlichen und menschheitlichen Entwicklung entgegen gewesen wäre. Niemand ka»n irgend einer Lehre, irgend emem Gesetze des Talmuds oder irgend einer anderen Religionsschrift den Mackel anhesteu, daß sie gemeinschädlich, unsittlich gefährlich für die Menschheit, für wahre Religiosität wäre. Was folgt daraus für unsere Schule, für unser» Religionsunterricht? Machen wir uns die Frage noch deutlicher: Ist es die Pflicht des Lehrers, irgend eine auf dem Boden des Juden thums stehende religiöse Richtung zu bekämpfen, in seiner Schule, in seinem Religionsunterichte diejenigen Ansichten mitzutheilen, die ihn in Conflikt mit den gangbaren Anschauungen der Gemeinde, seiner Religionsbehörde bringen könnten? Wir sagen Rein! >Er kann, er darf sie nicht mittheilen. Mächen wir uns dies deutlicher. Gesetzt der Lehrer glaubt nicht an ein öder das andere Wunder der Schrift, wie es uns dargestellt worden, er glaubt nicht daß Bileams Esel gesprochen, daß die Erde ihren Mund aufgethan hat, um den Korach zu verschlingen; gesetzt, er glaubt nicht, daß all das wörtlich so geschehen — und er kann darum doch ein wahrer und ftommer Lehrer und Jsraelite sein — s» darf er darum nicht in der Schule seine Meinungen äußern, darf seine von dem Wottlaute der Lehre abtrünnigen Ansichten'nicht seinen Kindern einpflanzen wollen. Als öffentlicher Lehrr-r hat er die Pflicht, den Lehrinhalt der Thora psin -120:1 3iPD3 vorzutragen; darüber ist er seiner Religions behörde Rechenschaft schuldig, er hat dies bei seiner Anstellung als Pflicht übernommen, er ist öffentlicher Lehrer. Wa« aber soll er in beregten Fällen thun? Er trägt solche Stellen, wenn der Vottrag nicht ganz umgangen werden kann, vor, wie sie geschrieben stehen, ohne Conimentar, ohne Erklärung und hält sich nur an das, was sittlich veredelnd wirkt, was zur Bildung des Geistes und Herzens fruchtbar gemacht werden kann. Der Lehrer in der Schule hat nicht Alles was seine individuelle Ueberzeugung ist, zu lehren, sondern n«r das Beste und Edelste seiner Ueberzeugungen, wie es dem kindlichen Geiste und Gemüthe angemessen und mit der sittlichen Entwicklung desselben verknüpft ist, mit seinem Lebenskreise harmonirt. Wir wollen hier die Pädagogik noch schweigen laffen; nur das Leben soll uns Leitstern und Maßstab sein. Gesetzt, der Lehrer trägt die Gebete, wie sie in seiner Gemeinde üblich sind, in seiner Schule vor; hat er da die

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