Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 1 (7.1.1864)
- Date
- 1864-01-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 symbolischen Bedeutungen deS icipn inr« und pp’bTD .122 mitrutheilen, wie sie der nnd jener für wahr hält, auch wenn er nicht daran glaubt? Gewiß nicht! aber eben so wenig darf er in der Schule (!) solche Anschauungen auskramen wollen, wie sie den in seiner Gemeinde hebenden Religionsbegriffen entgegengesetzt sind, bei einem oder dem Andern Anstoß erregen könnten. Wie er im Leben jedes Aegerniß zu vermeiden, und die religiösen Gebote des JudenthumS, die als allgemein noch üblich, oder doch bei einer großen Mehrzahl noch als heilig gelten, auch in seinem Leben wahren muß, damit auch die ängstlichen Gemächer ihm ihr Vertrauen nicht entziehen, wie er insbesondere in den Speisegesetzen, in der stritten Beobachtung der Sabathgesetze u. d. gl. m. die Bolksstimme hochachten muß, also darf er sich in der Schule keine Willkührlichkeitcn erlauben, und nur das lehren, was er Allen gegenüber zu verantworten im Stande ist. (Schluß folgt.) lieber Namengebung in Israel. Alle Namengebung erfolgte ursprünglich und naturgemäß nach den Eigenschaften und Wirkungen der Gegenstände oder nach den Vorfällen und Begebnisien bei und mit denselben. Es setzt das immer einen Grad von Nachdenken, eine Geistesthätgkeit voraus. Die h. Schrift drückt daher einen großen Gedanken aus, wenn sie sagt, Gott habe dem ersten Menschen alles Wild des Feldes und alles Geflügel des Himmels vorgeführt, um zu ichen, wie er cs nennen wird (t. B. M. 2, 1,11). Gleicher Denkprozeß mußte ursprünglich auch bei der Namengebung der Menschen vor sich gehen, nur daß in der h. Schrift die persönlichen Gefühle und die Zeitereignisse rc. bei der Namengebung der Menschen mehr als die Eigenschaften und Wirkungen maßgebend erscheinen. Die Namen: Adam, Eva, Kain — Abel auffällig nicht — die Erzväter, unter den Erzmüttern nur Sara, die Söhne Jacobs, die Söhne Niosis u. A., jedoch später nicht mehr so häufig, haben in Ereigniffen, Wünschen ihre Begründung rrxion oa "y. Später findet sich dies Verfahren bei der Namengebung fast gar nicht mehr öder doch >ehr selten, bis es in der späteren Geschichte (Alexander.Cosmami u. A.) wieder vereinzelt eintritt. Doch schon in der alten Zeit scheint das Ausländische eine Rolle dabei gespielt zu haben. Mupim, Chupim und andere Namen der Enkel Jakobs tragen den Stempel fremder Sprachen an sich. Bei vielen läßt sich gar keine Bedeutung Nachweisen, während er wieder bei andern, wie Zidkia, Achasja rc. auf hebräische Abstammung zurückführt.- Dieser Brauch hat sich, wenn auch nur in seltenen Fällen, bis auf unsere Zeit erhalten. Schreiber dieses kannte einen sehr orthodoxen Vorsänger, der feinem neugedoruen Söhnchcn, weil er zu dieser Zeit mit seiner Gemeinde in Prozeffe verwickelt war, den Namen Josua gab, denn er sagte: Gott wird mir helfen! und seinem zweiten den Namen Tobiah, d. h. Gott hat's gut gehen lastest, denn er hatte seine Prozesse gewonnen. Nicht Jedem war es aber gegeben, ein solches Verfahren bei der Geburt seiner Kinder einschlagen zu können; auch waren die Verhältnisse nicht immer zu Außerordentlichem angethan. Daher bat sich in späteren Zeiten fast allgemein der durch Pietät eingegebene Gebrauch geltend gemacht, und ist zur fast ausschließlichen Praxis geworden, den Reugebornen' die Namen verstorbener Verwandten, in erster Linie den der Eltern, in beiderseitiger Abwechslung von Vater und Mütter beizulegen*) Diese Praris, wenn schon auch nebenbei der Einfluß des Landes und dessen Sprache, in welchem die Juden lebten, nicht ausgeschlossen blieb, wie namentlich die weiblichen Namen, z. B. Bella, Bunlah, Schönchen, Blümchen rc. bezeugen, war allgemein gang und gäbe i^ld ist es zum Theil noch, bis die Neuzeit und ihre Bildung ihre Rechte auch in diesem Stücke gtttend machte und die „nachgeheißenen" Namen sich in deutsche Namen, je nach den Anfangsbuchstaben, verwandelten. Noch erwähnen wir des sich eingeschlichenen, auf eine abergläubische Ansicht beruhenden Brauchs — man glaubte die Kinder eher davon zu bringen — den biblischen, Namen noch einen Thiernamen anzuhängen, wozu jedoch auffallender Weise nur die Namen von den vier wilden Thieren: Löwe, Wolf, Bär, Hirsch und nicht: auch andere derartige Namen in Gebrauch kamen. So gut es einen MoseS Hirsch, einen Jehuda Löw, einen Abraham Wolf und einen Heymann Bär gab, hätten auch Vornamen wie Moses Elephant, Jehuda Kameel, Abraham Gemse und Heymann HaaS rc. Vorkommen sollen.' Doch Spaß bei Seite. Bringen wir den jetzigen Stand dieser Frage zur Darstellung. — Mit dem Eintritt des Juden in die deutsche Culturstuse unsrer Zeit wollte er sich, auch nicht durch seinen Vornamest unterscheiden. Mancher Väter wollte sein Kind nicht durch seinen kenntlichen Vornamen der Gefahr anssetzen; auf dem Paß- . büreau gehudelt, von der Grenze n anchen Landes deßhylb . zurückgewiesen zu sehen; der Kaufte ann nicht durch seinen Vornamen in seiner Firma die Kiufer abschrecken; man wollte durch den Namens-Ruf des Kindes nicht schon seine Confesfion zu Tage legen Dies Alles und noch Manches ward durch die Beilegung christlicher Vornamen abgewendet; Jst's nun auch unbestritten wahr, daß es bis auf etliche wenige, gar keine specifisch christlich! n Namen gibt, daß sie vielmehr theils jüdische, resp. biblisc,e, theils der Geschichte entnommen sind, aus welche wir auch gleiche Ansprüche haben, es bleibt doch wahr, daß die jetzt üblich gewordene Namengebung eine Neuerung, etwas von! Außen Angenommenes ist. Die Orthodoxie hat sich auch > lange kräftig dagegen gesetzt**) und da» gar nicht mit Unrecht angewandte Wort gebraucht, wie es eines der Mittel der Nichtvermischung des Jacob'schen Stammes mit den Egyptern, also eines der drei Dinge war, welcher sie der/Erlösung würdig machte ocp nx ur tOc daß sie ihre Namen nicht verändetten. Jndeß hat die Hyperorthoxie auch diese Steuerung, wie so manche andere, acceptirt, wer n sie's auch nicht Zkamen *) Es ist mdjF Scherz als (Svnji, daß die Orthodorie / diesen Brauch auf die Stelle 1. 33. M. 36, 5 ,zurückführt und jagt, Zehuda's Sobn habe darum nicht den »amen eines Verwandten erhalten. weil der Vater bei der Gcbur abwesend war. / "1 Schreiber dieses, erinnert sich lebhaft aus seiner Kindheit, wie der Rabbiner jeines Geburtsorte;, cm Koryphäe nn/.Sagen" die damalige außerordentliche Änsc ssigkeitseiichwerung / aus der f Stelle im Talmud C’CM r~OD at leitete. Denn, sagte er zur großen Belustigung seiner Zuhörer, im Himmel ist wähl bei der Geburt ausgcrufc» worden: Der Ji chak soll die Loli heirathen, aber wenn einer ruft, hören die nich drauf, denn der stizchak heißt jetzt Isidor und die Lolz Lhercje! Sie wissen gar nicht, daß sie gemeint sind.