Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1863-12-24 · 51 (24.12.1863) · p. Seite 201

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
51 (24.12.1863)
Date
1863-12-24
Page
Seite 201 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4896751-5428748-5431310--0671-4897305
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nimmt nun gar der Lehrer für nch oder in Ehedrot em rabbinisches oder talmudisches Buch zur Hand, wie will er nur richtig lesen können ohne Kenntniß der chaldäischen Sprache?' Und dennoch ist und bleibt diese Sprache der jüdischen Lehrerwelt in der Regel fremd, eine grammatikalische stenntniß derselben wenigstens fehlt. Wir möchten darum jüdischen Seminarien und Lehrern dieses Büchlein zum Studium zugleich mit des Berfassers Grammatik empfehlen, sowohl wegen der Hinweisungen aus diese Grammatik, deren der Anfänger, namentlich der Autodidakt, wie es die meisten Lehrer werden sein müssen, wohl nicht entbehren kann, wie auch der lerikalischen Äushülse wegen, welche dieses Büchlein gleichzeitig bietet. R. Lehrbuch der praktischen Methodik nebst sonstigen Winken zur Amtsführung und Lehrerbildung für Schulamtszöglinge, Schullehrer und Schulaufseher von Georg Luz. Wiesrnsteig. Diese treffliche Schrift wurde gleich bei ihrem Erscheinen in diesen Blättern angezeigt; nun lügt mit der dktten Lieferung der zweite Band des Werkes uns vor. Das Werk ist von vielen pädagogischen Autoritäten in Schulzeitungen emvsohlen worden und können auch wir nicht umhin es unseren Eollegen, als eine Schrift, von einem Lehrer für Lebrer geschrieben, dringend zu empfehlen. Fern von allem gelehrten Dünkel ist es doch wissenschaftlich; ohne schwülstigen Apparat enthält es praktischen Stoffes genug, uin ein trefflicher Wegweiser in der Hand des Lehrers zu werden Von edler Religiosität durchweht und getragen, ist es doch nicht einseitig konfessionell und kann in allen Schulen gebraucht werden. Darum ist es aber nicht mrb los, sondern durch und durch zieht und glüht Begeisterung für den Lehrerbenlf. Mit der vierten Lieferung schliefst das Werk, deffen Preis von der Perla^shandlung billig gestellt ist. i Alexander Eliäßer. Correspynden;. Pesth, den l. Dez. Mft Bezugnahme am das in Rr. 45 Ihres gesch. Blattes gebrachte Referat aus Pesth, möge es dem Schreiber dieser Zeilen gestattet sein, im Jntereffe der Wahrheit hier aus dasselbe zu rcpliciren. Herr Pollak klagt über den mißlichen, Zustand des jüdischen Schulwesens in unserem Lande, und [gibt zunächst die Lauheit der hiesigen Lehrer einerseits und das Büchermonopvl der hohen Regierung anderseits als oberste Ursache dieses Nebels an, die jüdischen Gemeinden selbst hingegen gleichsam als io viele ianftmüthige Lämmchen hinstellend. Mit Nichten! Weder das eine noch das andere kann und darf als Grund und Ursache zugegeben werden. Der ungarische Jude, als begeisterter Patriot stets die herrschenden politischen Anschauungen seiner christlichen Brüder theilend, hatte", wie diese, bis zuni 48 Jahre wenig oder gar keinen Sinn für deutsche Bildung und Gesittung. Es waren al'o. außer in Pesth, Preßdurg, Arad, Keeskemöt, und i» noch einigen "Ortschaften, in den andern zahlreichen jüd. Gemeinden Ungarns keine regelrecht organisirte Schulen zu finden und war bie'es Land ein Tummelplatz und ergiebiger Boden für polnische, böhmische und mährische Individuen, die theils soi-ckisant Erzieher, theils als Winkellehrer ihr Unwesen trieben, zur grössten Zufriedenheit per jüd. Familien, weil diese überhaupt keine Ahnung von der - Rothwendigkeit eines schul- und zeitgemäßen Uiilerrichtes hatten, und überdies dadurch der Willkür und Herrschsucht der breiteste Spielrauni geboten war. — Als aber unter dem Bach'scheu Regierungsiystem deutsches Element und deutsche Sprache auch in diesem Lande zur Geltung gelangte, und die damalige Regierung die Creirung neuer und Reorganisirung alter Schulen anorrnete, dieie Anordnung mit Consequenz durchsührte, die off. Lehrstellen mit pädagogisch gebildeten Männern besetzen, wie die Jnspicirung und Ueberwachung der Schulen durch, kath. Seelsorger ausüben ließ; da nahm das Schulwesen im Allgemeinen einen bis dahin nie gekannten Aufschwung, die jüd. Gcmeindeschulen blühten» und gediehen! zum Frommen und Heile der Jugend. Wohl konnten es die Gemeinden nicht verschmerzen, daß ihnen jede Einflußnahme ani Schule und Lehrer gewehrt wurde, sie nijlßten sich aber naleiw volens in die absolute Rothwendigkeit fügen, und so zu sagen zum guten Spiele böse Miene machen. J Allen ihren ursprünglich gegen die Regierung gehegten Groll übertrugen sie in ihrer Verblendung auf Schule und Lehrer. Das Damokles Schwert schwebte also über den Häuptern der Lehrer — bis das i>Oer Jahr kam und ihm gestattete, seine Opfer zu holen! U rzähliche Gemeinden nämlich lösten die Schulen aui und ja sten die Lehrer fort, um wieder zum alten Schlendrian de - Winkelschulen zurückzukehren. Dort, wo die Schulen noch fortbestehen, leiden sie sämmtlich mehr oder weniger am Siechthum, da sie keiner behördlichen Aufficht unterstehen. Wohl hat im Lause d. I. die hohe ung. Stattb. die Absi ht kund gegeben, sich des verwaisten jüd. .Schulwesens anzui ehmen, indem sie jüdische Schnlinspcctoren aufftellen lind di, se aus Gemeindebeiträgen honoriren lassen wollte; allein die Gemeinden gingen aus das Project wahrscheinlich aus der Ursc che nicht ein, weil sie durch eine derartige behördliche Jnflueyz , twas von ihrer Autonomie einzubüßen befürchten. Sie sehen also, Herr Red., daß die hierländischen Genieinden selbst sie Hauptschuld an dem Verfalle ihrer Schulen tragen, n cht aber wie Herr Pollak vorgibt, daß Lauheit der hiesiger Lehrer und beh. Büchermonopol Hemmnisse für das gedeihlich Schulwesen seien. Auch in Bezug ans den z.vtiten Theil seiner Behauptung kann ihn jeder Schulmann asurdum zeihen, da die vorgeschriebenen Scbulbücher an gediegenen Musterstücken überreich sind und des Lehrstoffs genug enthalten, -welche der gewandte, pädagogisch gebilde!e Lehrer seinen Zöglingen zugänglich machen kam: - um aus sie veredelnd und bildend einzuwirken; was die Änichnjdiging der Lauheit gegen die l hiesigen Gemei::delehrer anlangt', so ist diese völlig aus der Luft gegriffen, da es hier allgemein bekannt ist, daß diese Herren für Schulwesen überhaupt beseelt sind, insonders ist! Herr Lederer, Direktor der hiesigen Musterhauptschule, ein I wahrhaft edler Menschenfreund und begeisteter Kämpfer für

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.