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Der israelitische Lehrer · 1863-12-24 · 51 (24.12.1863) · p. Seite 200

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
51 (24.12.1863)
Date
1863-12-24
Page
Seite 200 (sequence 2)
Language
German
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200 dem Worte „aufmerksam." Der Lateiner übersetzt dieses Wort 'kbr treffend mit aniiiiadvertere, züiammevges. aus aniiuuni und advcrtere, i. e. das Wahrnehmungsvermögen auf irgend einen Gegenstand richten. 'Ganz im Sinne dieses anii»adv>.-i-tel->- wird der Letirer nicht bloß-den Blick des geistigen Auges aus den zu unterrichtenden Gegenstand zu richten haben, wildern auch den deS körperlichen aus d'e zu unterrichtenden Schüler, io daß.diese, sowohl mit dein kör perlichen Auge'den Lehrer anschauen.'als auch mit dem geistigen in das zu Lehrende eindringen. . Um dieses zu erreichen, wähle-, der Lrhcer vor Allem einen passenden Staiidpunkt iu-der Schule, von welchem cyte er am besten sämmtliche Klassen , übersehen und mit seinen! Blicke die Schule beherrschen kann. Dadurch wird sehr on verhütet, daß der-Rluthwiiie des einen .Kindes sich an. dem des andern entninde und vieles Ungehörige Seitens det Kinder unmöglich gemacht. - Das - ist schon ein großer Hebel zur Erzielung eines gewünschten'Resultates. Selbst dann, wenn der "Lehrer .sich mit einer Klasse allein beschäftigen muß, suche er eine-solche Stellung anzunehmen, daß er zuweilm, ohne stch im Unterrichte zu' unterbrechen aus die andein Klassen Hinblicken kann. 'Soll der Zehrer sein Augenmert aus die Schüler haben, so ist ferner' unbedingt nöthig, daß er frei, ohne Buch und ohne Heft unterrichte. Und gerade in diesem Punkte wird oft gefehlt. Gar mancher Lehrer ist in Folge 'eines geringen' Einkommens, veranlaßt, zur -Eischwingung 'eines Unterhaltes seine "freie Zeit mit anderweitigen Beichästigungen auszusüllen, w daß ihm fast keine Zeit zur Vorbereitung auf den täglichen Unterricht übrig bleibt. Wieder andere Lehrer sind zu bequem zur Vorbereitung, während es doch eine' Sache. von großer Wichtigkeit ist, wenn der Lehrer ohne Beihülse eines Buches unterrichten, dabei am die Schüler achten' und sich die Achtung derselben stets erhalten will.- Sollen ferner die Kinder stets mit dein geistigen.Auges miweiend sein, so genügt der Blick des Lehrers auf oieielbui nicht, wenn letzterer es nicht versteht, das, was er lehrt, m einer leichtfaßlichen und die Aufmerksamkeit fesselnden Sprache' vorzutragen. Hat ein Unterricht auch ' alle'. ich einen guten Eigenschaften , die die Pädagogik von ihm fordern kann, der Lehrer versteht es aber nick)l, Leben in die- Schule zu bringen, durch seinen Vortrag Jntere'ie.sür dqn zu lehrenden Gegenstand den Kindern abzugewinnen, hie Lehrfonn geschickt zu wechseln und einen Wetteifer-unter den Schülern zu erregen, io werden wir den Unterricht noch nicht einen guten nennen können. Soll der Blick der Schüler, kein seelenloser sein, so wird der Lehrer sehr wohl daran rhun,. solche Unterrichtsajegenstände, welche eine ganz gespannte Aufmerksamkeit der Schüler verlangen, dann vorzunehmen, .wenn die Geisteskräfte noch recht frisch und munter sind' denn Müdigkeit nd Enchlanung der Körper- und Gersteskräste nach an altender Arbeit hindere-sehr-an rer Aufmerksamkeit Endlich vermeide man w viel wie-möglich Störungen mährend des Unterrichts. Diese, sowie Geräusch, ü. dgl bringen nicbl nur Zeitverlust,, sondern machen die Schüler auch zerstreu: und sind ein großes Hinderniß, sich 'mit einem und bemu-uun Gegenstand anhaltend und ernstlich m beschäftigen. Was wir nun auch immer im. Lauie unserer Auseinandersetzung über die Wichtigkeit des Lehrer wie des Schülerauges für die Zwecke der Erziehung und des Unterrichts gesagt haben, soll das Alles in Wirklichkeit stch zeigen, so ist es eine unerläßliche Bedingung, daß der Erzieher die Achtung und Liebe seiner Zöglinge besitze und stch zu erhalten strebe. Stimmt sein ganzes Thun und Lasten in und außer der Schule mit dem überein, was er. seine» Kmdern Schönes, Edles und Gutes beizubringsn sucht, nimmt er sich fest vor, seinen freundlichen ernsten Bllck so viel wie möglich durch die ganze Schulzeit beizubehalten; dann wird gewiß dieser Blick die sympathetischen Gefühle der Liebe, Dankbarkeit,; der Achtung und des Vertrauens zum Lehrer in den Herzen der Zöglinge wecken und erhalten und den persönlichen Einfluß des Erziehers überhaupt erhöhen. Soll der Blick wirklich das Seinige bei der Erziehung und beim Unterrichte leisten, so muß es ein heiliger Grundsatz des Erziehers sein: „Ich will nie meinen Kindern anders als achtungswerth erscheinen und stets meine Würde unter ihnen behaupten." So lastet uns denn im Hinblicke auf die große Bedeutung des rechten Blickes für Erziehung und Unterricht dieses Erz'.ehungs- und Unterrichtsmittel nie außer Acht losten und wo möglich Alles meiden, was die Aufmerksamkeit auf unsere ilns anvertrauten Schüler stören könnte. Lastet uns aber auch dahin streben, den Blick unserer Kinder immer inehr zu veredeln Und dazu können Eltern und Lehrer Vieles beitragen. Suchen wir dem Begehrungsver mögen unsrer Kinder jeine edle Richtung zu geben, erziehen wir sie zu wahrhaft tjugcndhasten, aufrichtigen und innerlich zufriedenen Menschen von edlen Bestrebungen; dann haben sie den Blick!als Berräther ihres Innern nicht zu fürchten, dann ist er die treue Spiegelfluth ihrer Seele und der schönen herrlichen Tugenden, die sie besitzt. Habe ich nun auch unser Thema noch lange nicht erschöpft, so soll es mich doch ungemein freuen, den einen oder andern College» j dadurch zu ähnlichen Versuchen angeregt zu sehen Durch gegenseitigen Gedankenaustausch werden wir vorzüglich zum Selbstdenken ausgemuntert. Und so schreiteir swir, um mit einem Bibelwort zu schließen, fort von Kraft zu Kruft. Recenfioiren. Chaldäisches Lesebuch aus den Targumim des A. T. :c. von Or. G. B. Winer rc., neu bearbeitet von vr. Julius Fürst. 2. Auflage. Leipzig. Im. Fr. Wüller. 1K64. Preis 20 Ngr. Obiges Buch ist ursprünglich auf den Gebrauch an Universitäten für christliche Theologen berechnet. Dennoch verfehlen wir nicht, daffelbe auch der jüdischen Lehrerwelt zu empfehlen. Die Kenntniß der Bibel, wie sie christlichen Theologt n eigen sein soll, darf sicher den jüdischen Lehrern nicht fehlen. Dazu aber ist die Kenntniß der chaldäische« Sprache unerläßlich. Denn es finden sich in der Bibel nicht nur einzelne chaldäische Sprachsvrmen, sondern ganze Stücke in chaldäischer Sprache. Die traditionelle Erklärung der Bibel macht ja auch die Kenntniß der Targumim nothwendig.

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