Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 51 (24.12.1863)
- Date
- 1863-12-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Tadel in mehr odcr wenig-i scharfen Ausdrücken, oder eine beschämende Strafe in Eiecuwart anderer Personen wirkt sehr ott verletzend auf da- Ehrgefühl. Und gerade in dieser Hinsicht wird oft gefehlt, zumal, men» der Tadel nicht voll kommen gegrünt et ist. tu must in jedem Falle ein Haupte grundsatz des Erziehers sein, das Ehrgefühl seines Zögling? xu ,chonen, zumal da die Verletzung des Ehrgefühls Folgen von der größten Tragweite nach sich zieht. In meiner eigenen Praxis als Lehrer sind mir schon mancke Vergehen, wie Lügen, Trotz u. dgl. mehr vorgekommen, und habe ich selbst bei anickeinend verdorbenen Kindern das große Vergnügen gehabt, durch einen einzigen ernsten und doch freundlichen Blick und einen Druck der Hand unter vier Augen weit schneller einen Lügner zum Geständnisse gebracht und Trotz beseitigt zu haben als.durch keiveiliche Züchtigung und tünstlich angestellte Versuche. Ist in ri hier der Blick am Platze, so wird er > gewiß in Erz.tbnngsurrstalten bei vielen anderen Veranlassungen seine Anwendung finden, die der Lehrer, will er nicht oft seinen Unterricht unterbrechen, übersehen oder' höchstens mit einen: tadelnden Blick ahnden darf. Jedoch wolle mich hier Niemand mißveistehen, als strebe ich ein Ertrem an und wolle den Tadel mit Worten nie angewendet misten. Nein, das ist durchaus nicht meine Meinung. Sollen Kinder nicht zu empfindlichen Menschen von sa stell >n Begriffen vgn Ehre, erzogen werden, so müssen sie auf das Uriheil vernünftiger Menichen Etwas geben lernen. Durum ist auch der Tadel in einigen eindringlichen Worten am reckten Orte und zur rechten Zeit unbedingt nöthig. Die Hauptsache bei allen begangenen Fehlern ist das, was unsere heiligen und vernünftigen Religionsgesetze vorschrerben, nämlich^ das Kind dahinbringen, daß es seinen Fehler erkenne, und mit David spreche: '2 n'vp jnm jnx wx 'pve ich sehe meine Fehler ein. Und tann das nicht durch einen Blick bezweckt werden, o niuß Weiteres versucht werden. Einer unserer berühmtesten Pädagogen sagt: „Es gibt kein Erziehungsmittel, welches alle übrigen überslüisstg macht, kein pädagogisches Panacee." Und erst von der vorsichtigen Anwendung eines jeden Erziehungsmittels kann' man ein günstiges Resultat erwarten. So steht es auch mit dem Blick als Erziehungsmittel. Wir haben so oft Gelegenheit zu sehen-» wie ein Mittel, zu ost angewendet, das nickt mehr leistet, was «ir uns von ihni versprechen. Wird der Blick zu ost als Erziehungsmittel gebraucht, io jwird die Wirkungskraft desselben, wie bei anderen zu ott wiederholten Erziehungsmitteln, hnrin schwächer. Doch besteht imnierhln ^der eine Vorzug des Blickes vor den andeni Mitteln darin, daß man ihn häufiger, sowie für jedes Alter und viele verschiedene Gemüthsarten anwenden kann. Haben wir nun bisher von dem moralischen Eindruck des Erzicherblickes im Allgemeinen gesprochen, so kommen wir jetzt zu deni Einfluß, den der Blick des Erziehers äls Lehrer auf seine Schüler im Besonderen übt. Auch dieser ist ein weitreichender bei jeden: Unterrichtsgegenstand'e, doch am allermkisttii bei den) wichtigsten uud edelsten, bei dem Unterrichte in Religion und biblischer . Geschichte. Denken mir uns einen Lehrer, der zu diesem Zwecke zu seinen Kindern nut cineni heiteren Blicke kommt. io werden di.str Ton und Blick sich sanft Eingang in die Herzen der Kii.der verschaffen, weil sie aus dem Herzen stammen. Das Gen.nth der Kinder wird auf diese Weise erwärnit und ihr Inneres für die ewig sckörren Wahrheiten unseres heiligsten Erbes— dis Judenthums gewonnen. S o zeigt der freundliche väterlicke Blick 'eine mächtig wirkende Kraft tni einem Unterrichte. der vorzuaswei'e ans's Herz wirken soll.' Die Macht des edlen Blickes ist io groß daß das Wort zum wahren Ausdruck des götilicken Willen? wird, wenn die Seele wirklich aus dem Auge spricht. Wie jedoch beim Religionsunterrichte der Blick zu den Hauptfactoren gehört,'uni em gewünschtes Resultat zu erzielen, so nicht minder bei jeden: andern Unterrichtsgegen stände, nur in etwas anderer Weise. Bei allen Unterrichtsgegenständen ist es vor Allem ein Hauptersorderniß, daß der Lehrer stets einen aufmerksamen Blick auf die Kinder habe. Verweilen wir ein wenig bei