Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 50 (10.12.1863)
- Date
- 1863-12-10
- Page
- Seite 197 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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197 Wir hätten nun den Unterri lit und das Wissen g> zeichnet, wie es dem znm Schulfach sich riifhitDcjt unbedingt nöthig ist, bevor er in die eigentliche Fach- oder Berufsschule des Lehrers, in das Seminar eintritt. Es bleibt uns noch, für den kommenden Jahrgang dieser Zeitschrift, die schwierige Aufgabe, die Bildung im .Seminar, wie wi' sie uns denken, die eigentliche Berufsbildung des Lehrers zu zeichnen. Ueber den ^insiuß des Blickes auf die Verziehung im 'Allgemeinen und auf die Lehnte im Befonderen. von I. St. in Dömitz. (Fortsetzung.) . . - 'Rehmen wir unsere Erfahrung» aus dem täglichen Leben, so finden wir schon da erstaunliche Wirkungen des Blickes. .Der erbitlerste Feind wird zum Freunde durch einen milden, versöhnenden 53licf; der grausame Räuber wird oft durch einen einzigen flehendlichen Blick zum Mitleid erregt und steht ab von seinem bösen Vorsatze; die eben erwachte Leidenschaft wird plötzlich durch einen Blick gezähmt u. i. w. Aus diesen wenigen Beispielen ersehen wir zur Genüge, wie ein ernsier, freundlicher Blick zu außerordentlich vielem Guten, Schönen und Edlen führen kann. Um so mehr müssen wir den Blick als ein wichtiges Erziehungsmilrel m's Auge fassen. Ein wichtiges Erzwhnngsmittel ist der Blick schon danini, weil er nicht ein künstliches, sondern ein natürliches, von Gott dem Menschen einaepstanzteS ist. Der Erzieher darf den Blick de? Zögling? schon deswegen nicht außer Acht lassen, weil es eine ausgemachte Sache ist, daß jö mehr der Geist angeregt, entwickelt und geschärft und das Herz veredelt wird, desto reiner, anirichtiger, schöner, voller üud kräftiger der Back w'rd, weil eben das Auge der Spiegel der --eele ist und das was im verzen sich kund gibt, aut nimmt und ti uer uns müder gibt, als eine Masse fünft lief) gebildeter Worte. Hockst wichtig ist das Auge schließlich für die Erziehung, weil nichts ve. trefflicher .ist, als ein freundlicher, ernster Blick, der dazu angetlian ist. ein schönes Verhältnis; zwischen Erzieher und Zögling anzubalmen, will der Erzieher anders seinen übrigen Erziehungsmitteln Eingang- ,in die Herzen veichaffcn. So ist der Blick des Erziehers die erste Belohnung für den Zögling, indem er ihm dadurch sein Wohlgefallen an seinem Fleißc oder Benehincn unmittelbar und kurz zu erk'iincn gibt. Und in diesem'Fall wird der Erzieher, oft kommen, "da man, wie bekannt., mit dem eigentlichen Lobe und den Belohnungen sparsam umgehen muß, wenn sie recht -virksam werden sollen. Denn ganz anders verhält cs sich mit dem Lobe als mit dem Tadel. Hat der Lehrer ein Kind imvorsichtiger Weise ^getadelt, ohne daß dasselbe es verdiente, so kann er cs leicht (?) wieder gut machen. Hat er ihm aber ein unverdientes Lob ertheilt, ohne seine Handlung und die Motive dazu genauer kennen gelernt zu haben, io gibt er dem Kinde dadurch leicht Beranlafsnng, sich selbst zn überhcben, und üch über die Beweaarunde seiner Handlungsweise hmivegzuietzen, falsche Grundsätze anzunehmen. Rehmen wir z. B. die Schularbeiten und ist ,zum Fortkommen in der Klasse eine gute Arbeit die Hauptsache, wenn man sie auck nicht selbst ausgearbeitet hat; io heißt das m. a. der Zweck heilig: das Mittel. Hat man es aber auch mit dem Ladet nicht io genau zu nehmen, wie Mt dem Lobe, so ist gewiß auch hier Vorsicht anzuemvsehlen, und wird auch der Tadel oft weit beper, kräftiger und Zchärscr durch einen ernsten Blick ausgedrückt als durch eine! ausführliche Skrairede. Ebenso wie der freundliche Blick! das erste Lob ist, io ist auch der eniste, scharfe Blick die! erste Strafe für unverdorbene Kinder. (Fortsetzung folgt.)! . .. I ' Korrespondenz. Bayer». Mein diesmaliger Bericht soll nicht mit i Klagen über den oft gehörten Mangel an tüchtigen Rabbi- 1 nats und Lehramtskandidateri, über Auslösung der Geniein- , den :c. beginnen. Ich glaube vielmehr, daß dieser Zustand | an einem Wendepunkt zuni Bepeni angelangt ist. Das! Aufhören der Auswanderungnach Amerika, die freie. Be- . wegung im Handel und Wandel, wie wir sie jetzt haben,; wird bald wieder ein Wachsen der Gemeinden bewirken und nickt iiur weniger wohlhabende Jünglinge, die bisher gewöhnlich nach Amerika gingen, werden sich wieder einen eigenen Heerd bei uns gründen können, auch die Reiche» werden ihre Löhne oder doch den einen oder, andern davon in ihrer bisherigen Enverbsart erhalten, und wieder Andere werden mit bescheidenen 'Mitteln ein llnterkonimen auf dem Lande sucht'» und finden. Die bisherige Beschränkung der Äniässigmachuug mit dem unseligen Matrikelwesen neben reicher Gelegenheit der einmal Ansässigen zum Erwerb von Reichtlmm. batte diese Glückskinder, wenn auch nicht in Ghettos, jo doch aus kleine Plätze beschränkt, und als das Thor aufgethan ward,, da rannte auf einmal Alles hinaus; es ward rast zur Manie reicher Laiidleute, in die Stadt zu ziehen. Das wird aber fürder langsam gehen und zwar hie und da eine'ku ine Landgemeinde eiugchen, aber andere werden sich wieder leben und an (Glieder - Zahl wachsen. Dadurch wird auch' mancher Jüngling sich wieder deitt - Lehrfach widnien und die Gemeinden iverdnl ihre Lehrer bester bezahlen, wkil-ne solche haben miissen. Bereits jetzt schon sehen sich Gemeinden dazu genöthigt, weil sie Sonst - keinen Lehrer bekommen. Schreiber dieses bekleidete in seinen > ersten Amtsjahrcn eine Stelle mit 1 f»i > fl., die aber bei «euerlicher Erledigniig auf 4< )0 st. aufgebessert werden miißte, -als sich endlich ein Bewerber dazu fa)id, freilich unter Zugabe der Vorsängerei und Schüchterei. So haben auch mehrere Gemeinden großer Städte ihre Rabbinalsstellen in einer Weise aufgebesiert, daß deren Ausschreibung oft schon der Neid christlicher Geistlicher erregt hat. Die jetzt nachfolgenden Pabbiner und Lehrer bekommen auch eine leichtere Stellung ohne Kampf , den ihre Vorgänger erst durchwachen mußten. Sic legen sich so zu sagen, in ein geinachtes Bette. So hat eine Gemeind? hiesiger Gegend mit chrem 4