Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 48 (26.11.1863)
- Date
- 1863-11-26
- Page
- Seite 188 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4896751-5428748-5431304--0655-4897292- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
188! eine tiefe unumstößliche Wahrheit. Danken wir es Gott i und dem freien Geiste unfreiheiligen Religion, daß es noch j keinem fanatischen Eiferer der Verdummung im Judenthum - eingefallen ist, irgend eine Kenntniß, welche sich auf die Erfahrungen und Lehren der Wissenschaft gründet, als religions- , schädlich zu verketzern. Richtige Erkenntniß von den Kräften, ~ Erscheinungen und Gesetzen der Natur fördert, das sittliche und religiöse Leben; die höhere-naturwiffevschastliche Erkenntniß adelt und vergeistigt das grobsinnliche und materielle Streben, in dessen Diensten-die Naturwissenschaft der Gegenj wart fast allein zu stehenscheint. Die Natur führt immer wieder zu ihrem Urheber, zu Gott. Jede allgemein sichtj bare Erscheinung in der Natur muß dem gebildeten Men-; schen, — und der Präperandenunterricht soll natürlich zur! höheren Bildung leiten.— ein Quelle des Nachdenkens sein. > (Crüger, Schule der Physik, die nöthigslen dort angeführten j Apparate müssen dem Präparandenlehrer zur Verfügung > stehen. Populäre Himmelskunde von Diestcrweg. Neuere; Schriften ohne Zahl, das Betreffende 'auch in den Lesei büchern von Stern und- Hecht) - > l>) Naturgeschichte, Psianzenkun.de,dannMineralien- J künde und' zuletzt Thierkunde/'immer inj mögliche n Anschluß an das Leben, au. die Erfahrung; botanische und geognostifche Ercumonen, Schriften von Lüben, Berthelt. Anthropolog ie. - o) Geographie; sie sührt von her Bekanntschaft mit unserer Umgebung zurVerdeutlichung - des Gesammtbildes unterer Erde und ihrer Therle shrt. (Borntann Völker. Schacht, Berthelt). Tie vollständige'Bekanntschaft mit einem solchen Lehrbuche, und das Verstündniß der Karten reicht hin. - . . 6) Geschichte. Tie Bedeutung der Geschichtskenntniß wird allgemein anerkannt, und.doch sind gerade in diesem Punkte die Ansichten über Methode und Umfang des für den Lehrer im Allgemeinen nöthigen Wissens am weitesten auscinandergehend. Die bedeutsamsten Ereigttisse und Begebenheiten der allgemeinen Weltgeschichte und,insbesondere die des deutschen Vaterlandes dürfen dem Jünglinge, der sich zum Eintritte ins Lehrerseminar rüstet, durchaus nicht fremd bleiben. (Kohlrausch, Ditttnar,- Duller für deutsche Geschichte, Haupt, Beck, Volqer u. A. für. die allgemeine Geschichte.) Der j ü d i säh e. Lehrer - wird nicht vergessen dürfen, daß alle diese Gxschichtsschriften vom Geiste des Ehristenthums durchtränkt, und demselben entflossen sind. (Fortsetzung folgt.). Covresponden^ in. Ciiiu recte vivAs, ne eures verha maioruni. 'Arljitfii jiöit est nostri, quid quisque loquatur. * "* ' ' Cat., dist 3. 3. Pesth, Ende Oktober. 1H63. Wenn wir behaupteten, daß die vielen orthodoxen Rabbi's die rsr. Schule in Un- > I garn terrorisiren, so unterstützt uns der Aufruf Dr. Hildesheimers an seine Parteigenossen, den er ln Nr. 10 der „jüdischen Volksschule" aus Arad und in Nr. 42 des Mainzer „Israeliten" ergehen ließ, in unserer Behauptung, wo er ausfordert, daß fünf Rabbiner und fünf Nichtrabbiner, worunter ein Lehrer, als Vertrauensmänner gewählt werden sollen. Wer die Zustände hier zu Lande kennt, weiß, daß die orthodoxen Rabbiner hier am wenigsten berufen sind, eine Lehrerkonferenz zu leiten, weil sie vom Schulwesen durchaus kein Verstündniß haben. Von wo sollen es denn die Leute auch hernehmen? Die Preßburger Jeschiba bietet den Jüngern keme .Gelegenheit dazu,. indem dort das Wort „Schule" schon verpönt wird; verachtet ja Herr Rabbi A. S. Schreiber in Preßburg jedes klassische und weltliche Wissen! ‘ya jf? ’tn In den übrigen Jeschibath eignen sich höchstens die rabbinischen Jünger ein bischen Romantik an, und unter diesen nimmt Essenstadt den höchsten Rang ein. Herr Dr. H. glaubt sich noch immer als Vertreter der ung. Juden geberden zu können; er wollte sogar schon einst ein orthodoxes Rabbiner-Seminar in Eisenstadt gründen, natürlich sollte die h. Regierung seinen Plan dadurch unterstützen, daß Sie den isr. Landesfond dazu verwende; der Herr Dr. wollte einen Kopf gebildet haben, ohne Körper, denn der eigentliche Körper ist die Volks-Schule; er wollte ein Gebäude aufgeführt wissen, welches aus Dach bestünde; die. isr. Volksschulen aber beachtete dieser gelehrte Herr Dr. nicht! — Die Geschichte dieses Schulfondes ist überhaupt eine seltene. Dieses Geld, an welchem der Fluch klebt, wurde uns als Strafe für unseren im Jahre >848 gezeigten Patriotismus vom Landeskommandant Haynau zur Zahlung aufgegeben, und durch die Gnade des Kaisers zu einem „Schulsoiidc" für die Juden Ungarns bestimmt. Hochbegeiftcrt waren wir zu jener Zeit für den väterlichen Willen unseres geliebten Kaisers und Königs; viele fröhliche Erwartungen knüpften wir an diesen Erlaß, aber alle unsere Wünsche blieben Träume. Zwar eröffnete die h. Regierung vier Musterhauptschulen und die Pesther bekam sogar eine Präparandie! Es werden in dieser Präparandie Lehrer ausgebildet, aber nicht für uns. Mag es sein, daß in einem anveni Kronlande diese Lehrer-Canbidaten gebildet genug erscheinen mögen, aber bei uns in Ungarn will es uns nicht einleuchten, daß so die gebildetem Lehrer aussehen sollen. Den Grundsatz doeendo discimus können wir bei der Volksschule nicht zugeben Besonders ist das Wissen der hebräischen Sprache bei der Jugend seit zwei Decennien sehr gesunken, und die Lehrer, die seit vier Jahren die Präparandie verlassen hatten, sind, baar jedes Wissens, nicht gewöhnt an rationellem Denken. Dieses sind also diejenigen die die Gottesidee dem Volke beibringen sollen? Wie so kömmt es aber, daß das Uebel bei uns so um sich greift? -Immer, weil uns die Autonomie der Gemeinde fehlt. Dieh. Regierung stellt die Lehrer an; die katholische Geistlichkeit überwacht bis jetzt stets unsere isr. Schulen; kann aus dieser Wirthschaft etwas Gutes entstehen? Das Schalten und Walten des H. Lehrer ist ein eigenmächtiges, denn — er ist ein k. k. Beamte, und von seiner hohen Stellung würdigt er uns, d. h. das Volk, kaum eines Blickes, denn wir sind ja Volk — und dieses versteht es nicht besser;