Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 48 (26.11.1863)
- Date
- 1863-11-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I Jährlich S2 Nummern. Preis des Jahrgangs 1 Thlr. — I fl. 45 kr. Bei frankirter Zusendung unter Äreuzbanb 2 fl. 12 kr. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Der keiner. ■ü Nnzeigen za 1 Sgr. die Petitzeile.^ 3>uf< nähme «> tic Lehrer- »aca»jenliste2"rSgr. irmscnrungen entweder direkt an den vcrantwcnlichen Redakt.ur oder qn die Perlagshandlung. Organ für die Schule, die Familie und das Gemeindeleben des Zudcntbums. - HcrauSgcgcben -x -von I. Klingenftein, Ignaz Lehmann und 2l. Treu. i\°. 4«|l' Stainz, den 26. November 186ij. (vriller Jahrgang.) Ueber Lehrerbi (Fortsetzung.) 6) Systematische Religionsl hre. Wir scheuen alles unnütze Gedächtnißmerk. Der Prclparand (Adspirant, Schullchrling oder wie man ihn heißen und durch denkendes Lernen des hebrä scheu Stoffes, den wir angedeutet haben, wird er wohl sich düng. möge) soll denken, des Weiens unserer heiligen Religion bewußt werden. Nichtsdestoweniger ist ein (synthetisch) zusammenfassender, logi ch und systematisch geordneter Unterricht 'in der Religionslehre und deni Religionsgebote nöthig. Ter Lehrer wird gaher ein Religionsbuch mit dem Prüparanden durchnehmen, das Einzelne erklären, Belegstellen aus der heiligen Schrift aufsuchen, und (hebräisch und deutsch) auswendig lernen lassen. (Stein, Thora umizwa.) c) Bibelkunde. Ter ^räparanb muß von der Eintheilung der heiligen Schrift, von der Zeit der Entstehung der einzelnen Bücher, von den historischen Ereignissen innerhalb dieser Periode, von dem Inhalte der bibl. Schriften im Allgemeinen, und von den Lcbensschicksalen der biblischen Personen eine übersichtliche, klare Kunde haben. tl) Relsgionsgeschichtc.'^ Der Präparand muß mit den bedeutsamsten Ereignissen innerhalb des Judcuthums — sochohl in der biblischen als nachbiblischen Zeit — also bis heute, bekannt sein. iDie Namen berühmter Israeliten aller Zeiten dürfen ihm Nicht fremdklingende, bedeutungslose Schälle sein. Er muß erfahren haben von der Wirksamkeit nicht allein Abraham's, Mose's und David's u. s. f. (was zur Bibelkunde gehöirt), sondern auch von der der Makkabäer, Hillels und Schamais, von dem Leben des Ganiliel I., Jochanan den Sakkai, Akiba und Bar Kochba, Jchuda Hanasi, Saadjah, Maimonides, Aben Esra, Raschi Mendelssohn Und Nießer. Er muß dahin geführt werden, daß er das Leben und die Bewegung, das Wollen und Streben, den Fortschritt des Judenthums in seinen verschiedenen Epochen ahnt, dvmit diese Ahnung beim weitergehenden Vortrag der nachbibl. Geschichte im Seminar zur vollen klaren Einsicht, zum belebenden Lebensmomente werde. (Lehrbücher: Die Schriften von Elkan, Hecht, Schlesinger, der 5. Theil von Stern's Lesebuch.) Nächst dem Hebräischen oder vielmehr neben demselben ist dieser Unterrickst in der nachbiblischen Geschichte das Wirksamste zur Belebung und Kräftigung der Tr'cue, der Liebe und Begeisterung für unsere , Religion. Wenn aber, selbstverständlich, auch' die bittern Prüfungen unseres Volkes nicht verschwiegen werden dürfest, so Hute man sich jedoch, die Geschichte des Iudenthums als blose Leidensgeschichte erscheinen zr> lassen, und versuche mehr die Kräftigung des Gcmüths durch die erbebenden MH mente des inneren Gemüthslebcus untrer Ahnen -u steigern, als die Verwundung und Verhärtung des Gemüths durch die Seenen voll Blut und Thränen, welche leider so rnfle Blätter unserer Geschichte in schaudererregender Weise füllen. II. Deutscher Sprachunterricht. Lese», deutsche Sprache, Aufsatz. ' Wie fordern von dem angehenden Präparanden, daß er vor dem Eintritt in's Seminar verstehe, gut und ausdrucksvoll zu lesen. Kenntniß der Lei'eregcln, logisches und ästhetisches Lesen, Gewandheit im Vortrage leichtversiändlicher Gedichte. — Kenntniß einer guten deutschen Grammatik (Kellner,Becker, Treu,*) Krause,.Tiesterweg, Houcamp). — Im Schreiben sowohl der deutschen als lateinischen Formen Gewandheit,' regelmäßige und geläufige Handschrift. Aufsätze sollen über alle Lehrfächer nnd über alle Gebiete des Lcbenskreifess der angehenden Jünglinge gefertigt, ohne' gröbere sprachliche oder orthographische Verstöße niedergeschrieben werden. Hebungen in den verschiedenen Formen der Aufsätze /(Beschreibungen , Erzählungen,' Briefe, Geschäfts - Aufsätze aller Arr.) Denkrichtige und logische Anordnung des Ssoffes, Gewandtheit im Ausdruck. Uebung im freien Vortrag. Hebungen im mündlichen und schriftlichen Gedankenaichdruck sind Hebemittel eines reichen geistigen Lebens. j III. Wcltkustdr. a) Naturlehre, b) Naturgeschichte,. o) Geographie, ä) Geschichte (allgemeine und deutsche.) * a) N aturle h r e. Kenntniß der allgemeinen Erscheinungen und Phänomene der Natur, soweit eine^solche Kenntniß durch Beobachtung und Erfahrung des Schülers und ohne Aufwand von vielen unerreichbaren Apparaten zu erringen ist. — Das Wort Diesterwegs: „Jeder Lehrer ein Naturkenner, jeder Landschullehrer ein Naturforscher" enthält *) Wir benutzen diese Gelegenheit, um auf diese ausgezeichnete Lchrist unseres Neben Freundes und Mitarbeiters— Treu, die deutsche Sprachlehre als Grundlage zur Swliftick (33. Wittnevcn und Sohn, täoesield 1860) — ausmerk,< an -zu machen. l I