Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 42 (22.10.1863)
- Date
- 1863-10-22
- Page
- Seite 164 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— - 164 4* . Z. Sehen wir nun, was *t« neuerer Zeit für die Förderung der Andacht durch Bildung des 'fn geleistet worden ist. Soviel mir bekannt ist, besteht in Deutschland außer dem Institute des Herrn Deutsch zu Breslau keine Anstalt für num und die dort ausgebildeten Vorsänger fungiren in großen Städten, für welche sie'gebildet sind. Es wird also genannte Anstalt, bei.noch so tüchtigen Leistungen, aus den Gottesdienst im Volke keinen wesentlichen Einfluß haben. ^Nur große Gemeinden können besondere Vorsänger anstellen; in der Regel ist der Lehrer zugleich j*n, muß alio als solcher vom Seminare gebildet werden, was aber bis jetzt nicht geschehen ist; selbst bei der Prüfung der Lehrer wird der Cantordienst ignorirt. -Die Lehrerseminare muffen es sich aber, zur Pflicht machen, nicht nur Lehrer, sondern auch 2'nft Zu bilden. Es ist dieses auch möglich. Ein gründlicher' 'müßte in Verbindung mit dem Mustklehrer die Zöglinge zweckentsprechend unterrichten und Musik emsiger getriebenwerden. Die unter 1 und 4 angegebenen Bildungsstoffe erfordern wenig Zeit und Kraft.*) Hierdurch würde nebenbei noch bezweckt: 1) Daß auch bei der Reform'' bie. Einheit ei halten wirs, da in der Regel, das Seminar den Ton qngibt für alle Lehrer des Landes, welche aus ihm hervorgegangen sind, 2) daß die Lehrer das nunn mehr beachten und neben den Schulangelegenheiten zum Gegenstände ihrer Besprechung bei Conferenzen machen würden. (Nicht räthlich; die Schule gibt uns Stoff genug für Conferenzen. Red.) ' 4. zu zweifeln, daß noch viele derartige Schöpfungen entstehen weü>en. Die Lehrer können jekoch von diesen Werken nur wenige benutzen, kennen viele nur dem Namen nach; und so geht eS dem Schreiber dieses auch. Da nun das Seminar auf den Gegenstand keinen Werth legt, so bleibt er dem Lehrer eine terra incogiiito. Die Werke eines Weiutraub, Naumburg rc. rc. sind für Lehrercaffen viel zu theuer. Die billigen Werke sind derart, daß eigentliches nij*n in ihnen nicht anzutreffen ist, oder daß die Gesänge nur in großen Gemeinden anwendbar sind. Auch ist zuweilen zu Gunsten der Melodie gegen die Grammatik gesündigt. So finden wir z. B. in von Mayer und Staab oft das Schiva als langen Vocal (etwa Zere) behandelt. Die Lehrer sollten durch Conferenzbeschlüffe, die den Vorgesetzten Behörden zur Genehmigung vorgelegt würden, über die Art und Weise, wie im gottesdienstl. Vortrage ein Uebergang herzustellen ist, feste Normen geben und den Gesangunterricht in den Schulen zweckentsprechend gestalten, damit die kiinftige Generation für den echten Chorgesang reif werde. - (Schluß folgt.) Dr. Mich lies i]rs$. mit besonderer Berücksichtigung des denselben betreffenden Aufsatzes von Dr. Stern in Diesterwegs Jahrbuch 1862.! (Fortsetzung.) Sidrah nn- Hapthara (Megilla.) i - Durch daS Briefen aus der Thora sollderen Inhalt i m Volke lebendig erhalten' werden und bildet daher nx'ip mvn eineil wichtigen Beftandthetl des Gottesdienstes. Gewöhnlich wird nach dem sogenannten Trapp vorgelesen, ein aus dem Morgenland stammender Gebrauch. Der Morgenländer liest mit singendem Tone und es hat die Art des Tones für ihn eine religiöse Bedeutung. (Jost, Geschichte des Judenth, Band 1l. Seite 243j. Man. sollte aber jetzt diesen „Tropp" zu verdrängen suchen, weil er für uns nicht nur keine religiöse Bedeutung hat,' sondern sogar dem Gefühl widerstrebt und die Thora entwürdigt. Ich halte es für ein schweres Verbrechen, das Buch der Bücher mit einem ganz geistlosen Suigsang vorzulesen und kenne keine geistlosere Beschäftigung als das Einüben dieses Gegenstandes, der manchem jungen Lehrer wöchentlich 6—7 Stunden raubt. Bei dem Leien der Megilla ist das Verhältniß ganz dasselbe. Die Hapthara deutsch vorzulesen dürfte wohl nicht mehr beanstandet werden. 5. . - Es sind in neuerer Zeit viele Synagogengesänge, theils componirt, theils neu bearbeitet worden und ist nicht daran *) 1. ist ia obnedics vorbanden und 4 kann mit der jüdischen Heschnbte verbunden werden. Wenn wir als eine feststehende Ueberzeugung aussprechen , daß das Geistes- und Gemüthsleben der Juden intensiv immer gleich war dem anderer Religionsgcsellschasten, so gewinnen wir hierdurch auch eine Grundlage für die Behauptungen anderer Richtung, in diesem Aufsatze, welche wir in einem Buche, das für die gesammte Lehrerwelt Deutschlands von hoher Bedeutung ist, und auf der Höhe des pädagogischen Lebens steht, sehr bedauern. Seite 26 sagt der Herr Verfasser mit einem gewiß etwas starken Selbstgefühl — das übrigens auch im ganzen Aufsatz sich ausspricht: — „Nicht mit christlichen Schulen gleicher Stufe, sondern mit dem, was vor 50 Jahren eine jüdische Schule und das jüdische Schulwesen war, niuß man diese Anstalt vergleichen ," und weiter „Nicht den Bildungszustand der Juden mit dem der Christen muß man gegen einander ubwägen, obgleich die Juden „Frankfurt»" diesen Vergleich keineswegs zu s ch e u e n b r a u ch e n;" u. s. w. — Wie? Rur die Juden Frankfurts und nicht die Juden von ganz Deutschland, mit vielleicht wenigen Ausnahmen, die es auch in Frankfurt gibt; nicht die Juden oft des kleinsten Dörfchens so viel und fast mehr noch als die der gepriesenen Handelsstadt dürfen sich den Genoffen anderer Glaubensparteien an Bildung ebenbürtig gegenüberstellen? Es ist dies eine Anschauung, wie wir sie bei den Kindern gewisser Großstädte und insbesondere den der Metropole des deutschen Nordens gewöhnt sind: daß nämlich außer den Ringmauern ihrer Städte die Welt