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Der israelitische Lehrer · 1863-10-22 · 42 (22.10.1863) · p. Seite 165

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
42 (22.10.1863)
Date
1863-10-22
Page
Seite 165 (sequence 3)
Language
German
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165 mit Bretter» vernagelt und die i Dummheit erbeigen sei. Ein vor wenigen Jahren verstorbener, hochgelehrter und wahrhaft edler Schulmann, der zufällig auch von Berlin nach Frankfurt übersiedelte, war trotz seines freien Geistes von diesem verkehrten Gedanken so sehr eingenommen, daß er den Schreiber dieses einnial mit den Worten vom Lehrerberufe abwendig wachen wollte: „es sind ja in Deutschland nur fünf iSr. Schulen: Berlin, Caffel, Seesen, Wolfenbiittel und Frankfurt." Die ganze Reiht anderer Schulen kannte er nicht oder sie waren ihm zu unbedeutend, so daß er sie geraden Weges als nicht vorhanden erklärte. Wir aber können dem Herrn Verfasser die Versicherung geben, daß es sogar sehr viele isr. Schulen in Deutschland gibt, theilweise einklasstge — weiß der Herr Verfasser, was dainit gemeint ist? Da sitzen die Kinder aller Altersstufen in einem Saale beisammen, und haben zu gleicher Zeit von einem und dömselben Lehrer Unterricht —, die nicht allein jeder äußerlich gleichgestellten christlichen Schule ebenbürtig sind, ja, die sogar der hochgepriesenen Frankfurter Real- und Bürgerschule Annährendes leisten für die Bildung und Erziehung ihrer isr. Kinder zu tüchtigen Menschen, Bürgern, Israeliten. Will sich der Herr Verfasser überzeugen? Es wird mancher jetzige Frankfurter Bürger, der in keiner Weise dem gebomen Frankfurter nachsteht, au* einer solchen Schule hervorgegangen sein Und da wir doch einnial daran sind, wollen wir den geehrten Herrn Oberlehrer auch den andern Jrrthum nehmen, als habe die Frankfurter isr. Real- und Volksschule mittelbar oder unmittelbar auf die Bildung der j Israeliten von Süd- und Westdeutschland einen absonderlichen Einfluß gehabt. Wohl, Bildung läßt sich nicht absperren; und so mag sich manches Lanykind die Anregung vo» dorten mit nach Hause genommen haben, zur Förderung der eigenen geistigen Arbeit. Aber, inan wolle uns einsnal gütigst die wissenschaftlichen Größen aufzählen, die aüs Frankfurts isr. Real- und Volksschule hervorgegangen, und die als Lichtspender in Israels Gemeinden Bildung verbreiteten für Viele?! Da lobe ich mir die Fürther Talmudschule, die von dein Herrn Verfasier als eine Schule, die „dem schalen Formalismus talmudifchen Wissens huldigtefo öbenweg behandelt wurde. Doch sind aus ihr die größten Männer des gegenwärtige» Judenthums hervorgcgangen, die dort wohl nur jüdisches Wissen ernteten und jetzt einer andern Richtung huldigen mögen, als die in Fürth vertreten war, die aber doch auch jenes Zeug in der Rüstkammer ihres Geijtes keineswegs als Plunder betrachten, vielmehr auch von dorther die Waffen haben zum Kampfe für Licht und Freiheit. Das gesammtc deutsche Judenthum, so weit es hem kräftigen Fortschritte auf religiösen, Gebiete huldigt, aber doch das historischgewordene theilweise regenerirt, theilweise erhalt.-n haben will, nenn, mit Achtung die Namen der aus den bayrischen Jeschiboth heryorgegangenen Rabbinen Stein, Aub, Adler, , Wechsler, Schwabacher, Einhorn U. A. m. — Wir wollen nichts über die religiöse Richtung der Schule in Frankfurt sprechen, weil wir die Ueberzeugung haben, daß die Schule \ als solche sich vom Kampfgebiet des Glaubens soviel als möglich ferne halten muß, keineswegs exclusiven Richtungen huldigen, exclusive Aushängeschilde haben darf, seien solche orthodoxer oder — anderer Natur. Die Schule muß auf! dem Boden der Gegenwart stehen; sie darf aber nicht Anschauungen und Ueberzeuaungesi einer große, Mehrheit als überlebt oder unzeitgemäß, oh-r sündhaft bezeichnen. Per Lehrer darf außer der . Schule als Mann der Wiffenschast irg^ch welcher Richtung angehören; die Schule muß das religkbft Leben, wie es thatsächlich sich äpßert in Gemeinde und Synagoge zum Ausgangspunkt ihrer religiösen Bildüng machen. Ist Frankfurt wirklich das Musterbild israelitischer Religions-Gemeinden? Wir meinen doch, die neueste Geschichte wird ein anderes Urtheil fällen müffen! — Wohl möchte die Behauptung begründet sein, daß keine jüdische Familie in Frankfurt ist, deren Glieder nicht gxößtentheils in der Real- und Bürgerschule gebildet worden t und doch finden wir nirgends weniger! Einheit aus religiösem Gebiete als gerade dort! Nirgends ist der Kampf der verschiedenen und zwar extremsten Richtungen lebhafter, nirgends wird er mit hartnäckigerer Zähigkeit geführt, nirgends hat er sich widerlicher geäußert, jq, nirgends sieht es auf religiösem Gebiete trostloser ays, und wir sagen nicht zu viel, wenn wir behaupten, daß diese Extravaganzen sogar schon auf das sittliche Gefühl ihre nachtheiligen Folgen zu äußern nicht verfehlten. (Fortsetzung folgt.) Setbstanzeige. So eben ist erschienen, und nunmehr durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Erste» Lese und Uedersetzungtbuch im Hebräische«, nach methodischeil Grundsätzen bearbeitet von I. Klingen stein. Oppenheim a Rh. und Darmstadt. Verlag von Emst Kem. Preis gebündelt!> kr. — 2$ Sgr. (In Parthien von 25 wohl noch etwas billiger. - Wir können allerdings hier unser eigenes Werk nicht rühmen, noch wollen wir dem Urtheile über unsere Schrift, zu welchem wir ganz willig die Spalten unseres eigenen Blattes öffnen, vorareifcn. Wir glauben jedoch unsere Eollegen auf diese Arbeit Hinweisen zu dürfen. Anschließend an unser „der Unterricht im Hebräischen, methodische Anleitung u. s. w." haben wir nach streng rational pädagogischen, Gmndsätzen sowohl die Fibel als auch den ersten UeberfetzungSunterricht bearbeiten zu niüffen geglaubt. Selbstverständlich erfordert eine solche Schrift treue pädagogische Arbeit des Lehrers Den von unserm Freunden geriigten Mängeln unserer Methode suchten wir so viel als möglich zu begegnen. Insbesondere haben^wir darnach getrachtet, die Benützung deutscher Worte und Sylben, gegen welche sich mancherlei Anstände erhoben, aufs gelingst - mögliche Maas zu beschränken, und hiergegen einzelne hebräische Worte niit der Uebersetzung gleich bei der zweiten Leseübung angewendet. Wir denken uns zwei Jahre als den Zeitrauni, innerhalb welchem das Büchlein zu bewältigen An demselben reihet sich dann Bibel und Gebetbuch. Mag man uns vielleicht mit Recht einzelne Mängel unserer Schrift entgegenhalten — und wir rechnen dazu außer manchen nickt zu vermeidenden Druckfehlern eine vielleicht noch sehr 311

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