Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 41 (8.10.1863)
- Date
- 1863-10-08
- Page
- Seite 160 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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160 /' Uejt*crJll> sogar im kleinsten Dörfchen hat man empfun- . de», daß eine Reform in Vortrag und Gesang Bedürfniß ist. In großen Gemeinden finden wir schon Orgeln; der j Chorgesang gewinnt inimer mehr- Freunde. Ein;n°>, der \ zwischen den Worten Triller und Schnprkcl anbiingt, oder gar dem heiligen Texte einen weltlichen Rock anziehl, dürste wohl an wenigen Orten noch Anklang finden. ' (Fortsetzungsolzt 1 - Dr. Michaet Hess,! mit besonderer Berücksichtigung' des denselben betreffenden Änffatzes von I)r. Stern in Diesterwegs Jahrbuch 1862. « Fortsetzung aus '.Kr. XV.) Rach einer säst 20jahrigen Epoche des Werdens und Wachsens, des Ringens und KämpfenL mit den mannichfachsten Hemmniffcn ihres Gedeihens entwickelte sich die Schule in ruhigeni und organischem Fortschreiten aus dem - einmal betretenen und geebneten Wege-zu iminer größerem! Ilmsange und immer höherer. Bedeutung; die Zahl der Schüler und Schülerinnen i stieg allmälig aus 6s)««!— in 10 Knaben und 7 Mävchenklassen. Am, 10. Rovember 18-13-bezog das Institut ein eigenes (für, dasselbe! erbautes,! trefflich gelegenes Schulgebäude, -das mit wach Hafter Muni ficenz uno mit großer Umsicht .für den Zweck der Anstalt eingerichtet ein Zeugnis; -des hohen Werthes ist den die Gemeinde aus das feinere Gedeihen der Anstalt legt, -in welche besonders seit dem Jahre 18-18 auch aus, der dirift lichen .Bevölkerung Frankfurts' zahlreiche Zöglinge cingekrrten sind. . . . . - m. Wir haben bisher mit gerechter Befriedigung der anschaulichen Darstellung im genannten-. Ausiatze untere ganze Aufmerk'anikeit zugewendet, und erfüllt 'üus das Leben uird Streben eines in der jüdischen Zeitgeschichte hochberühmten Mannes, das Werden und Wachsen einer so vorzüglichen Anstalt unter >o ausgeraichneter ^Leitung mit Freude und Hochachtung. i Wir können uns jedoch micht versagen, e nige divergirende Ansichten laut iverden zu 'lassen in Beziehung auf so Manches, was der geelrrte'Herr Verfasser in beregtem Zluftatzc ausspricht. - - I Bor Alleni möchten wir, niit einzelnen Aussprüchen über, neuere Culturgeschichte des Judenthums, uirs durchaus nicht einverstanden erklären, wenn dieselben Altsichten auch i bislang bei vielen unserer wir »lochten sagen s,romantischen" jildiichen Geschichtsschreibergewissen Lieblingsanichauungen zur Folie dienen müssen. Herr.t)i-, Stern u. a.A. sprechen mit besonderem Flachdruck von . dein., niedrigen geistigen Standpunkte unserer Glaubcnsgenoffen von vor hundert Fahren, hervorgerufrn durch piehr als tausendjährigem beispiellosem Druck. Wir stünmen ganz mit dentselben überein, wenn von dem gewaltigen Fortschritte des, I Judenthums nach Annen und im Innern im letzten .Jahrhundert die ' Rede ist; wir find erfüllt poü der gleichen Bewunderung, wenn gefvrochcch wird von' der. hinreißendem Kraft, mit welcher fich die Juden Eintritt in alle Gebiets menschlicher 1 Cultur, menschlichen Ringens und Strebens erkämpft haben, von den folgenreichen xlender ungen in der Anschauungs¬ und Erscheinungsweise unserer Glaubensgenossen. Allein, wie wir eines Theils überzeugt sind, daß noch lange die Erfolge nicht so allgemein und durchgreifend sind, wie der Herr Verfasser meint und mir wünschen, so können wir andererseits durchaus nicht zugeben, daß der gesammte Bildungsstand, die Cultur der- Geisteskräfte und insbesondere die Sittlichkeit unserer Glaubensgenossen vom 17. und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts überhaupt niedriger war, als der Bildungsstand der Bürger und Bauern, als überhaupt der parallcllen Gesellschaftsklassen aus'jener Zeit. Insbesondere müssen wir es als eine Selbsttäuschung betrachten, wenn behauptet wird, die jüdischen Lehrer der alten Schule seien eben weniger gebildet gewesen als weiland die alten DorfuichStadtschulmeister — an Volksschulen, und nur -von solchen kastn die Rede sein — die im Sommer die Gänse und Schweins, im Winter die Knaben und Mädchen hüteten. Sollte ftwa in dem wenn, auch geringen jüdischen Wissen, daß > dem gemeinen Mann pflichtgemäß mindestens zu Theil wgrd, nicht ebenso viel für des Geistes und Gemüthes Kräftigüng enthalten gewesen sein, als im lutherischen und Heidelberger Katechismus, dessen unverständliche Sprüche der christlichen Kinder einziger und fast, ausschließlicher Unterricht war;*) diese wurden nicht einmal erklärt, während doch andrerseits das hebräische und besonders das talmudische Wissen ohne Erklärung nicht abging. Man mißverstehe uns nicht. Wir sind ebensowohl durchdrungen von Ehrfurcht vor unseren Reformatoren und — vaß unsere Mendels- «ohn, Friedläiider, Wesseln, Ben David und A. solche waren, wird trotz mehrfaches Wortklauberei anerkannt werden müssen; wir beugen uiiser Haupt ebenso in tiefer Ehrfurcht vor den bewundernden Fortschritten des Judenthums auf allen Gebieten realen Wissens seit hundert Jahr.n, vor dem Fortschreiten in der ganzen Geistes-' und Lebensrichtung nberhaurt — aber wir wollen doch dabei berücksichtigt wissen, daß nicht die! Bildung des Geistes und Gemüthes "u und für sich, sonoern die Art und Form der Geistesbildung unserer Ahneg vor hundert Jahren verschieden war von dem Standpunkte! ihrer Mitzeitgenosscn anderen Glaubens und anderer Abstammung. | / (Fortstzn g folgt) il f C g e in e i u e 8. <Torrefponden; Odernheim. In wenigen Tagen wird oic Pfälzer 4. isr. Lehrversammlung stattfinden. — Zum erstenmalc bin ich zu meinem innigen Bevanern verhindert, derselben anzuwohnen. Ich kajin jedoch nicht nnterlassen, derselben meine freundlichsten Grüße aus der Ferne zuzusenden. Ich werde an jenem Tagg im Geiste bei tneinen Pfälzer Freunden sein. Die Pfälzer Lehrer haben in ihrer Mitte so hervorragende Männer, so bedeutende Lehrer, das; ihre Verhandlungen nur von der größte» Wichtigke t für die Entwicklung und Förderung des isr. Schulleb,ns sein können. Freie Vcrsamnilungen und freie Presse — es sin) das die bedeut- *) Man lese diel§ch»locrord»ungen von damals; zum Beispiel: das betreffende Hojdekseü Kaiser Joseph's.