Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1863-10-08 · 41 (8.10.1863) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
41 (8.10.1863)
Date
1863-10-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4896751-5428748-5431290--0619-4897263
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jährlich 52 Nummern. Preis des Jahrgangs 1 Lhlr. — 1 fl. 45 kr. Bei frankirter Zusen- . düng unter Kreuzband 2 fl. 12 kr. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Der AmelrlWiille Anzeigen zu 1 Lgr die Petitzeilc. AufnaHne in die Lehreroacanze»>t<ie2l'r-gr. Einsendungen cniweder direkt an den verantwonlichcn Redakt.ur oder an die Lcrlagshandlung. Organ für die Schule, die Familie und das Gemeindeleben des Zudentlmms. Herausgcgcben von I. Klingenftein, Jqna; Lehmann und A. Treu. V. 41. Mainz, den 8. Lctober 18(>‘i. (Dritter Jahrgang.) Ueber den Vorsängerdienst und dessen . Äkesornr. Im Alterthüme scheint ein bestellter Vonanger nickt existirt zu Halen. Es trat aus einer Anzahl Personen rir.t beliebige heraus vor das Betpult “oyn) und hat man daher auch keinen Namen für den als' Vorsänger fnngirenden. Erst später finden wir, daß bezahlte und bestellte Vorsänger Den freiwilligen, welche umsonst fungirten, vorgezogen werde». Die Anforderungen an diese und: 1) ein unbescholtener Lebenswandel; 2) religiöse Bildung (Ti"»"!) und 3) eine angenehme Stimme. Ferner soll er verheirathet sein und ein würdevolles Aeußere haben. Bei eint'.etcnder Dienstnnfähigkeit hat sein Sohn das erste Anrcdjt auf seine Stelle, wenn er auch obigen Anforderungen nur theilweiw entsprechen kann. Daß aber anck Personen Vorsänger waren, denen religiöse Bildung durchaus abging, ersehen wir ans der Verordnung: „Man soll nicht den znm Vorsänger wählen, der hübsch singt, aber den Tert nicht versteht." Ter Vorsänger las oder sang die Gebet stücke aus dem der Synagoge gebörigen Buche vor und jeder Einzelne betete leise nach; daher rührt bekanntlich das laute j;"tr. Gedruckte Bücher hatte man damals, noch nicht und waren daher nur wenige Privaten im Besitze von Gebctbücherii oder Bibeln: Einige Gebetstücke, wie u. s. m. mögen wohl Alle int Gcdächtnifie gehabt haben. Da nun die Personen, welche den Gottesdienst zu besuchen verhindert waren, Vieles nicht beten konnten, auch wohl das Nach bete n nicht immer möglich war, so galt der Vorsänger als Vertreter der Genieinde (—2^ rr'Z'.) Er entledigte die Einzelnen ihrer Pflicht. (2r2-.n 'w n’üic.) , Diele An sicht machte sich auch z. B. L"7p, ,-:dn2r!. Al scheint der Vorsänger Festtagen, als: srs Durch den Truck, bei anderen Gegenständen geltend s Abgesandten der Gemeinde") erin vielen Piutim an den hohen ’;x ttn .unr der im Mittelalter auf den Inden lastetete, der sie in Ghehtis sperrte und ihnen nicht gestattete, | 1 i . *) Nack unserer Ansicht ist die faktisch wohl einqcbürgertc , hebr. Benennung für .Gemeinde" ^np nur die Bezeichnung für l die eben zum Gottesdienste Bersammelten. Gemeinde heißt: Ni>' (Red.) I würdige und geschmackvolle Gotteshäuser zu erbauen » 'andern ihnen höchstens ein diistercs, armseliges Local für ihre Andacht ließ, waren sie genöthigt, aus das Schone zu verzichten- und uur da* Gute, den .gern icstzuhalten. Tie Formen, welche entstanden,, konnten nicht schön sein und sollten nur dazu dienen, ein Bollwerk um den .siern der- Religion gegenüber den Angriffen von Außen zu bilden. Tie synagogale Poesie dieser Zeit hat einen düsteren Eharakter; sie besteht ans.Schmerzensschreien, Seufzern und Thränen. Ganz natürlich ist es datier auch, wenn man beim Gottesdienste von aller Aefthetik absah. Musik und Geiang waren ganz unnöthig. Wer das Elend selbst gesellen und empfunden hat, braucht nicht erst durch, die '.sinnst in den Zustand der Trauer und Wchmnlh.versetzt zu werden. Hierzu kommt noch, daß die Bildungsstätten der .sinnst deni Juden verschlossen waren. Von dieiem Gelichtspunkte aus betrachtet, darf es uns nicht wundern, wenn die gottesdienstliche Form in Vortrag und Gesang inimer unästhetischer, wurde und die Anforderungen an den Vorsänger derart sind, daß von wissenschaftlicher Befähigung keine Rede mehr ist und Jeder, der hebräisch liest, auch als Vorsänger zugelancn wird. Oft mögen auch gölte sdiknst licke Versammlnitgot an Orten stattgesunden haben, wo des Schicksals Schläge zufällig, ein Minjan ziisamniensührte-, und da dnnte man bei der Wahl des Vorsängers nicht delicat sein. Es haben sich daher die ursprünglichen Synagogenmelodien nur theilwme traditionell erhaltene Das Traditionelle ist der Verunstaltung ausgesetzt, wurzelt aber tief, so tief im -Herzen des Volkes, daß es Gemeingut Aller wird. Daß die echten Snnagogenmelodien, wenn auch durch Schnörkel entstellt, ein solches Gemeingut, daß sie National lieber geworden sind und tief im Herzen des Juden leben, bedarf wohl keines Beweises. Welchen Zauber übt noch heute die Melodie zu b: ans den .Hörer! A>st dem Lande, wo die Eultur noch nicht alles Eigenthümliche vermischt hat, mit welcher Liebe hängt man da an diesen Melodien! Wie gern macht man an den den |in! Tie Zeiten haben sich — Dank der fortschreitenden Bildung — geändert. Auch de r - Jude hat Theil an der Welt und will daher seinen Gottesdienst ästhetisch und nach den Bedürsnisien der Zeit gestalten. Viele neue architek tonisch gebaute Synagogen sind entstanden; in vielen derselben ist der Gottesdienst mehr oder weniger nrngestaltet. k

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.