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Der israelitische Lehrer · 1863-10-01 · 40 (1.10.1863) · p. Seite 156

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
40 (1.10.1863)
Date
1863-10-01
Page
Seite 156 (sequence 2)
Language
German
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15« Will man etwa behaupten/ das.Judenthum iclbft leide oaninter, wenn wir diesen Unter-richts - i-ögenstand aus der Schule verbannen, io erwiedere ich, daß der Geist des Judenthums an keine einzelne Sprache gebunden ist. In jeder Zunge kann er seinen Ausdruck finden; er ist entwickelnd und entwickelungsfähig, wie je eine Religion. Als Beleg dient die Geschichte, das LÄiem Nichts ist dem Geiste der Religion verderblicher, als wenn derselbe an den Buchstaben oder an eine einzelne Sprache geknüpft werden soll. - Das Volk wird dadurch in religiöser Beziehung zum Automaten herabgewürdigt, nnd die sdgenanüten „Rebbes" oder „Werner" haben dann em weites Feld, um' voller Gelieiiunißkramerer dem Bolke sich gegenüberstellen, zu können, damit dieses Wunder glaube, wie gelehrt? (?) Ja das Volk glaubt nur zu oft, auch der gröflte Unsinn enthalte Weisheit, wenn er ihm in ebräischer Sprache gedruckt erscheint. Die religiöse Bildung des Lölkes hingegen kann mindestens Nichts verlieren, wenn besagter Unterrichts-Gegenstand ausfällt, da es zugesranden werden muß, daß das religiöse Bewußtsein des Lolk.es, besonders aus deni Lande, trotz Uebersetzens'der Bibeln leider aus einer noch ziemlich geringen Stufe steht, soll ein, oberflächliches Ausübeu der religiösen Fornien und Gebete nicht für Religion selbst genommen werden. ' - Wenn man aber glauben sollte, die ebr. Sprache muffe aus Pietät gegen dieselbe in der Schule gelehrt werden, so dürfte es der Pietät ehhr angemeffen sein, Kinder nicht da. mit unnütz zu quälen und zu langweilen und dadurch diese Sprache nicht zu profanisiren. ' Die ebräische Sprache, kanu jetzt nur noch Gegenstand ernster Forschung für die Gelehrten sein, den Kindern in Piaffe aber ist ne unzugänglich. Auf Gegner meiner Ausführung bin ich gefaßt. . Ich habe miöh aber von der Wahrheit derselben überzeugt und scheue mich nicht, sie auch laut und open auszusprechen. "Mag man die Augen ^noch io fest verschließen; -die Sonne steht dennoch am .Himmel. ' '' fl f f g t hi e. i n e C orresponden; Bom Taunus, 1l. Sept. Vergangenen Sonntag wurde in Homburg v. d. Höhe das fünfte Mainthalsängerfett glänzend abgehalten, (i? würde mir im Traume nicht eima llen, dies hier zu registriren, wenn nicht'ein'besonderer Vorfall von bemerkenswerthem jüdischem Interesse in d. Bl. Erwähnung verdiente. Die Söhne und Töchter der Homburger Ultraorthodoren par exceUenoe haben zwei sehr dogmatisch-christliche Gesänge ein g eü b t und mitgei'ungen. Der als halber Reformer verschrieene Herr Louis /Lehmann, der unlängst auch in dieserü BlÄtern. so wohlthuende Worte für uniern Stand äußerte, hatte als Vorstandsmitglied des israelitischen" Gesangvereins Harmonia; gegen die Einübung protestirt, fand aber keine genügende Unterstützung. Das ist eine jüdische Toleranz - die der Gesinnungslosigkeit auf ein Haar ähnlich sieht... Wie werden sich Diejenigen, welche diese Gesänge vorschlügen, über diese den Juden im Geheimen applicirte und von diesem ‘ „mit Singen" aufgenommene Ohrfeige ins Fäustchen gelacht haben! Wie wir übrigens hörten, hat der obengenannte Herr L. L. —> der überall wacker für das Beffere im Judenthum eintritt, und für .Hebung der Schule und des Gottesdienstes kämpft — sich des Mitsingens dennoch enthalten, und hatte derselbe die Genugthuung, daß der israelitische Gesangverein „Eintracht" aus Offenbach beim Feste ebenfalls nur die andern Lieder mitiang, .bei den genanten dogmatisch - christlichen Gesängen aber ebenfalls aus charakterfester Liebe zum Judenthume schwieg. Ostenbach — die Reformgemeinde :c. :c. Denken wir uns das andere hinzu. Mit Ihren neulichen Mittheilungen über die alliauce israeelite universelle haben Sie mir und gewiß noch vielen Andern, ganz aus der Seele gesprochen. -Man hört in Deutschland, aus gewissen Gründen, sehr wenig davon, sonst würden sicher schon viele sich angefchloffen und dadurch diesen Bund eine immer größere Bedeutung gegeben haben, wenn wir uns auch gerade nicht ins Schlepptau un,erer französischen Glaudensgenoffen nehmen lassen wollen! Wohl, wo Cremieur an der Spitze steht, kann nur etwas Großes und Tüchtiges geschehen! Warum sollten wir uns vor anderen Glaubensgenossenschaften scheuen, einen jolchen Bund zu gründen, da ja auch diese, ohne entfernt ähnlich bedeutungsvolle Begründung dafür zu haben/ eine Masse ähnlicher Vereine, Congrcffe und dgl. besitzen. Nur das arme Judenthum, das sich nirgends einer so großartigen staatlichen Unterstützung erfreut wie die christlichen „Staatsreligionen" ist ohne äußeres Band, ohne äußere Bereinigung. .Sollten wir in Deutschland einer Verbindung nicht angeboren dürfen, der so distinguirte Franzosen wie Cremieur, Astruc, Königsmarter u. A. angehören? Ich glaube, daß wir diesen Männern, in dem, was sich mit unseren Pflichten als Staatsbürger vereinigen läßt, ein oollkräftiges Urtheil zutrauen dürfen. Wird das Judenthum auch Gottlob innerlich zusammengehalten durch seine heilige Lehre, die kräftiger ist als jedes äußere Band, bedarf es auch zur Entwickelung und Kräftigung dieser Lehre durchaus keiner Vereinigung, so könnten doch die äußeren Angelegenheiten der jüdischen Religionsgesellschaft auf solche Weise weit nachhaltiger gefördert werden uud das würde zweifellos auch auf die innere Entwickelung in Lehre und Leben vorcheilhaft einwirken. — Wäre nicht der edle, charaktertreue, von allen ächten Israeliten hochgeschätzte Oe. Leopold Stein in Frankfurt a. M. der rechte Mann, sich mit noch einigen Anderen der gemäßigten Richtung angehörigen Männern an die Spitze einer deutschen Specialvereinigung der alliance zu stellen? i- Aus Baden. Sie haben, H. Redakteur! in Nr. 30 Ihres gern gelesenen Blattes Ihre bad. Correspoudenten um Mittheilung über den Gang und Verlauf unserer bad. Schulreform ersucht und sagen, in Nr. 33 hierauf zurückkommend , daß die betteffs der Anstellung isr. Lehrer an Communalschnlen angeregte Frage ein principielles Interesse auch über die Grenzen Badens hinaus habe. Demzufolge will ich Ihnen heute einen etwas ausführlichen Bericht hierüber mittheilen, obschon die Sache an sich noch lange

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