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Der israelitische Lehrer · 1863-08-27 · 35 (27.8.1863) · p. Seite 136

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
35 (27.8.1863)
Date
1863-08-27
Page
Seite 136 (sequence 2)
Language
German
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136 besonders zu berücksichtigen bitte — die Ursachen dieser Gebrechen 2c. nicht ununtersucht lassest. . Wir werden so zu de» Fragen g-langezr: 1) Wie ist und wirkt die Schule der Gegenwart nnd 2) warum kam» sie in ihrer jetzigem Beschaffenheit den schädlichen Einihüsi'en des Hauses und der Umgebung nicht mit Erßolg^begegn.en? Es dürste die Beantwortung dieser. Fragen der verehrlichen Conierenz als Thema zur weiteren Berhandlung überlassen bleibest ich erlaube mir hierbei nur noch die Bemerkung: daß ift Verlaufe der.Debatten die brennenden Zeitfragen: die!Stellung der Schule dem Staate, der Gemeinde und her Familie gegenüber; die Bildung der Hehrer ustd die Besökdnng derselben nicht Umgängen werden können.und dürfen; sodann: daß!Sie speciell die israel. Schule wie sie ist und sein sollte ins Auge fassen; und 'endlich noch! die Fragen Was kann -der israelitische Lehrer als solcher und auch bei seinen anderweitigen Amtsverrichtungen, wie 'z. B. als Redner in der Sy nägoge, auf dem Friedhofe und in rran, »itfgn, um den schädlichen Einflüssen des Hauses -und der sonstigen Umgebung entgegen zu tretend Und zuletzt: Ist es ihm nicht möglich, durch Privateinwirkung auf die Gebildeteren seiner Gemeinde fstr Viesen heiligen Zweck thätig zu sein? — Alles dies-dürfte ist reiflich,; Erwägung z'ü ziehen sein. Möchte unsere Debatte über vorliegende Fragen eine recht ersprießliche sein; - mochten aber auch unsere Wünschezur Verwirklichung gelangen^ damit die Zeit nicht mehr ferne sei, da^hem Lebrersiansie, abgesehen von allen Persönlichkeiten, diejenige Achtung gezollt werde, welche ihm seiner hohen Bedeutung nach gebührt-, und zu feiner erfolgreichen I Wirksamkeit unentbehrlich ist; 'wo dann in Folge dessen die! edelsten und thatkrästigsten 'Jümflinge ans allen Ständen es nicht verschmähi-n werden, diesem edeln und heiligen Wirkungskreise stch zu widmen, undn>o es eine Freude sein wird, sich Lehrer. nenst,m zu dürfen. . - - Mit diesen Wümchcn schließe ich mein Referat. Ä ( ( 0 eni ci n e s.* Korrespondenz;; Rbeinbesien. im August.. Synagogenweihen^ und j nickt». Seltenes in; unserer Zeit. Darüber zu berichten, .erregt kein Interesse» mehr, weil die Erbayung neuer Svnagogen an kleinen wie großen Orten mit und. ohne dringende Rotbwendigkeit allgemein geworden ist Weniger häufig; kommt in unserer Zeit die Einweihung Neuer Thorarollen; vor. Eine zwecklose Häufung den'elben in' den heiligen Schreinen der Synagogen finden' wir zwar auch nicht mehr . an der Zeit. Die Anhäufung der Torarollen erklärte stch ehemals aus den Verhältnissen der Vorzeit, wo^ eine Vervielfältigung der Bücher durch, den Druck; , noch nicht möglich und somit die älneignung' einer Tora durch Schrift Jedem Pstichl war. Aber es'dürfte doch ein Charakteristik»» unserer Zeit sein, daß man in den Synägogenbauten mehr auf eine prunkvolle Repräsentirung des Judenthums nach Außen steht, als auf eine Stärkung desselben im Innerst durch die Tora. Es hat jedoch auch dieser Umstand das Ersteuliche, zu zeigen, wie man sich nicht mehr scheut, öffentlich vor der Welt sein Judenthum 311 bekennen, da man es würdig vor der Welt zeigen darf; während man vordem es zu verbergen und zu verheimlichen 'uchte, weil man zu thun es gezwungen war Diese Gedanken wurden in uns neulich bei der Einweihung einer neuen Torarolle in Gauböckelheim angeregt. Die Feier wurde bereits am Freitagabend durch einen solennen mit Chorgesang verherrlichten Gottesdienst eingeleitct. Die Synagoge war außen und innen geschmückt. Die Betheiligung an der Feier war bereits an dem Abend durch einen starken Zufluß von Fr,nnden sehr groß und die Synagoge überfüllt. Im höheren Grade noch war dies am folgenden Festmorgen der Fall. Besonders intereffant und hervorznheben ist aber, daß selbst die christliche Bevölkerung an diesem Feste der jüdischen -Gemeinde Theil nahm. Der würdige Geistliche der christl. Gemeinde hatte nicht unterlaßen, am Sonntage vor der Feier in der Kirche auf das bevorstehende religiöse Fest der Israeliten aufmerksam zu machen und aufzufordern, Straßen und Häuser zu schmücken, wie die Israeliten es bei Festen und Prozessionen seiner Gemeinde zu thun niö unterließen. Er selbst ging darin mit gutem Beispiele voran. Sein Haus war reich mit Teppichen geziert, die Straßen waren sonntäglich gereinigt und viele Häuser der Christen mit Fahnen und Blumen geschmückt. Im Zuge befanden sich auch der Bürgermeister und Adjunkt des Orts nebst vielen andern Christen. Der Rabbiner des Kreises, Herr Dr. Rothschild aus Alzey, trug unter einem Baldachin die geschmückte Torarolle, zu deren Seite noch zwei andere getragen wurden. Der lange Zug bewegte sich feierlich unter paffender Musikbegleitung uno entsprechenden Chorgesängen. Der eifrige Leiter des Chors ist der Cantor und Lehrer der Gemeinde, Herr Ahron Oppenbeimer. Auch der Morgengottesdienst war wiederum durch Chorgesang verherrlicht. Störend war nur das in Rücksicht auf die votirten Summen bis fast ins Unendliche ausgedehnte Aufrufen zur Tora. In der Festpredigt sprach der Herr Rabbiner von der Göttlichkeit der Tora, die sich unverändert erhalten , während Menschenweisheit unzählige Male gewechielt habe. Er sprach ferner von den Opfern, welche Israel für ihre Erhaltung in der Porzest gebracht, und deren sie auch in Zukunft noch werth sei und endlich von dem Vorzüge unserer Religion, als dem Inhalte der Tora, durch die Einfachheit des Gottesdienstes, welcher weder eines geweihten Priesterstandes noch geweihter Heiligihümer bedürfe. Rur das Buch der Tora sei nöthig dabei. Daraus wird vorgelesen und das Vorgelesene erklärt. Die Vorzüge der Töra und des Judenthums wurden ferner außer Anoerm an dem Inhalte des Zehngebots auseinander gelegt. Selbst das christliche Publikum, wegen Mangels an Raum mit dem jüdischen theilweise außerhalb der Synagoge postirt, lauschte bei geöffneten Fenstern den Worten des Predigers mit gespannter und ungetheister Aufinerksainkeit. Während des ganzen Gottesdienstes fand auch unter de« die Synagoge zahlreich umstehenden Publikum nicht die geringste Störung vor. Mau interessirte sich selbst christlicher Seits für die schönen hebräischen und deutschen Ge-

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