Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 35 (27.8.1863)
- Date
- 1863-08-27
- Page
- Seite 137 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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137 sänge. Es liegt in diesen Ersahrungen ei» starker Beweis für die fortschreitende Civilisation. Die Gemeindeglicder mit ihren zahreicheu jüdischen und christlichen Gästen fanden sich Nachmittags zn einem Eoncerte und Abends zu eineni sehr belebten Balle zusammen. So war das Fest nach jeder Seite hin würdig und erhebend. Aus Westphalen. Der zwischen dem Curatorium und der Griinderin des Waisenhauses zu Paderborn entstandene heftige Streit, in Folge deffön bald von dieser, dann wieder vonjener Seite an die Gemeinden Rheinlairds und Westphalens geschrieben wurde, ist nun so ziemlich beigeleigt. Jedenfalls würde, wenn der Zwist noch länger angedauert, das Walsenhaus den größten Schaden davon gehabt haben. Denn die Welt ist zu leicht geneigt, Nachtheiliges über derartige Stiftungen zu glauben, um auch eine Ausrede für die Lauheil zu haben. Allerdings gibt es manches Gebiet der Wirksamkeit, desien Berechnung, Anordnung und Leitung eher dem männlichen Kopse und der männlichen Hand zumeist auvertraut werden kann, und wo das Weib in seinem eigeiunächtigen Auftreten an Würde und Weiblichkeit verlieren, eben unj weiblich anmaßend und ehrgeizig erscheillen würde. „Des; Mannes Haus ist die Welt, des Weibes Welt ist das Haus." , Daß die schöne Anstalt zu Paderborn ihre Beziehungen > aus das Gesagte hat. ist einleuchtend. Betrachten mir nur! einen Punkt, den erziehlichen. Wenn man von pädagogischer; Seite — von Autoritäten — große Bedenken trägt, die Er- | ziehung der Mädchen gänzlich weiblichen Händen anznver- ' trauen, io erfordert doch das Wesen des Knaben unbe-! dingt tnännliche Kraft und männliche Um- und Uebersicht. 1 Wollte die Griinderin der Anstalt sich diese zutrauen, wir glauben, das würde die Milde ihres Herzens, die inan so genie annimint, in. einem minder günstigen Lichte erscheinen lassen. — Knaben werden unter weiblicher Leitung der Strafen nirhr bedürfen. Und nun denke man sich Maß, - Weile und Mittel der Strafen von einer Dame abgewogen, benimmt und ausgesiihrt. Alles an seiner Stelle und in seinein Bereiche! —- Am 1. Jlsii Icjgtjen in Münster sechs Seminaristen ihre Prüfung in den hebräischen Fächern vor dem Dirigenten Herrn Lob, den Seminarlehrern und dem als Prufungsaisistenten berufenen Herrn Lehrer Blumenseld aus Esten ab. Die Prüfung stellte ein sehr günstiges Resultat, indein sämmtliche Seminaristen gut bestanden. Am Nachinittag fand die Aspiranten-Priisung statt und sind neue Aspiranten ausgenommen. Die betreffenden Seminaristen, Eisenberg aus Ablen, Leiser aus Kerpen, Herz aus Eoesfeld, Goldberg aus Lugde, Neusiedler aus Pr. Oldendorf und Rosenberg aus Lunen haben am 4. und ö. August auch die Prüfung vor der Königlichen Schulbehörde bestanden. — Im nächsten Schuljahre wird , sich die Anzahl der Seminaristen auf 18 belaufen. Die Beschränktheit der Räumlichkeiten des Seminargcbäudes gestattet nicht, die Anzahl zu vergrößern. — Neuerdings willen wieder mehrere isr. Llementarschulen in Westphalen zu öffentlichen erhoben werden. Umschau. — Dr. Leopold Stein aus Frankfurt a, M. hat kürzlich unter Zeiten der «achtungsvollsten Anerkennung aller Parteien ohne Unterschiedeine Svnagoge in Prag eiugeweiht. Die betreffende Rede wisd gedruckt werden. — Der Vorstand der isr. Religionsgemeinde Alsbeim hat aus die Zusendung des Eonserenzberichts uns mit einem wohltduenden Schreiben beehrt. in welchem er lagt: daß er diese Blätter im Gemeind ^-Archive wohl aufbwahren werde, und sollen sie eine stete Erinnerung sein an die Würde und an das Mühevolle des Lchrerberuses. Er bofft, daß die Intentionen des Bereins auch bK All;n mebr und mehr Anerkennung finden, und Alle si ch vereinen, um in Schule, Haus und Gottesdienst zeitgemäße Reformen einz asühren. Ein „Berich! über die ersten drei Schul jabre der israel. Lehrerbildungsanstalt Mittheilungen über in Pestb" enthält geschichtliche und andere iw«., diese Anstalt von großem Znteresse. Wir werden vielleicht einmal Gelegenheit haben, aus die dem Berichte vorgehenden pädagogischen Aussätze zurückkommen. Wir haben gerade diese pädagog scheu Aussätze mit bober Befriedigung wahrgenomm-n. Sie tonten: die Bibel, die Naturkunde und'die. Weltgeschichte als Leitsterne derPädagogik siin ungarischer Sprache); die Metbodik des hebräischen Unterrichts tn der jüdischen Schule, und die Behandlung der isr. consesnonellen Lcsestücke. Sie erfüllten uns mit um so größerer Befriedigung, .weil wir landen, daß selbst in jenen noch, mebr dem Alken zugewandten Gegenden nicht an solcher Stelle oarador-erscbemeude, ein wissenschaftliches Air tragende, sondern päkagogische Tbcmas für den Bericht einer l?rziehungs - und Lebre chilbungsanttalt gewählt wurden. Es sind in dieser — für der ganzen Kaiserstaat einzigen 1— isr. Lehrerbildungsanstalt sitzt etwa .'■*> Ledrer gebildet worden. An Stipendien für arm Zöglinge sehlt es auch dort noch. — Ueber die Perai lassiuig der von uns neulich gemeldeten Judenbctze in Lemberg brir gen die Blätter jetzt 'Näheres. Eine polnische Zeitung brachte nämlich die Rachricht: ein Bäckergeselle sei im Judeiiviertcl tobt g.iunden und es hieß, derselbe sei von Juden toktgeschlagen wordtn. ■' ie Untersuchungen ergaben, daß ein betrunkener Geselle in einer Schenke Händel angefangen hatte und in Folge seinc i RausibeS aur der Straße isicdernel, von einer Milttärpatrouille aber heimgebrawt wurde. T.Fi war die Veranlassung, daß ciuie e Tage nacheinander Banden vvX^lO—l .'ijübrigen Knaben, denen sich eine Anzahl allerbaud anderen Gesindels zugesellte, in rrebreren Straßen die Juten verfolgten, die Fenster einschlugen i. tgl. m. Militärpatrouillen mußten, wie bereits gemeldet, d.m Lärme ein Ende machen. - Uebrigens stebt dieser Fall nicl.t vereinzKt da. Außer der. ebenialls Ende Juli vorgckommener Demonstrakion in Linz, sind solche auch i» Brünn vorgekommer, iiJimoT au# sehr unbebeulenden, Veranla - suiigcn berrührend, <>ber sinen l^i'eu^Geitt andeutend. — In einem ) urd' die „ e.emps " veröitentlichlen Schrei- . den, welches Herr Drouvn de Lbuvs über gewiiie Stipulationen des noch in Unterbandlung schwebenden srauzösiich-schweizeriscken . Haiidels -Vertrag es "an Hru. Zickel-Köchlin von Biiidlhau-; sen gerichtet hat, ist die Versicherung enthalten, daß, wenn die-! ser Vertrag zum Abschlüsse gelaugt, den sranrösisäwn Israeliten; die gleichen Rechte wie den übrigen «ranzbstschen Slaatsangehöriaen in Bezug ai tf Niederlassung und Freiheit des Gcschätts- ' betriebet in der Schweiz zugesickert werden. — Der Ee ' „Hdls. - Eour." in j gegangen, den gegi njtralausschuß der Helvetia bat laut dem einer Petition an den Bundesrath diesen an estwärtjgen Augenblick, wo die Uutcrbaudlungcn