Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 35 (27.8.1863)
- Date
- 1863-08-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ILbrltkb -2 Nummern Preis des Jabrganz« 1 Lblr. — l fl. 45 fr. Bei fronfirtfr Zusendung unter Kreuzband 2 st. 12 kr. BfstfLungen aebmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Der KmelttMke Organ für die Schule, die Familie und das Heiner. Gcmeindelebcn des Snzeigen ,» 1 Lgr. die Petitzeile. Äut« nqbme >n die LehreroacanzenMe2"r-gr- Einsendungen entweder Dtreft an den verantwortlicken Redakt.ur osur an die Verlgg^iandlunz. Judenthums. Herausgegeben von I. Klingenftein, Ignaz Lehmann und A. Treu. N°. 35. Mainz, den 27. August 1st63. (vritlvr ^«.dr^airx.) Schule und Haus. Correferat von L. Friedberg, Lehrer zu Niederwiesen, über die Conferenzarbeit von I. Hirsch, Lehrer zu Guntersblum. (Siche Nr. 1« d. vor. Jahrg. d. Z. und unseren Monieren,bericht in Nr. 3l d. I.) Meine Herren! Sie haben mich mit dem Aufträge beehrt, über die Conferenzarbeit unseres geschätzten Kollegen, Herrn Hirsch, Schule und Haus betitelt, zu referiren. Indem ich hiermit dieser Ausgabe meine schwachen Kräfte widme, erlaube ich mir, Sie um Ihre freundliche Aufmerksamkeit zu bitten. Nachdem Herr Hirsch Schule und Haus als die beiden Faktoren der Erziehung — dieser feinsten und obersten Kunst, deren Stoff wohl der edelste und höchste ist, welcher einer Menschenhand anvertraut wird; der schwierigste, der in seiner endlos mannigfachofi Gestaltung am meisten dem beobachtenden Auge sich entzieht, am leichtesten durch widrige Einflüffe von Außen ganz Umschlagen und verderben kann — nachdem, sage ich, Herr Hirsch diese beiden Faktoren bezeichnet hat, und nur von ihrer gemeinsamen und harmonischen Wirksanlkeit einen ersprießlichen Erfolg erwartet, führt er uns in die patriarchalischen Zeiten, und läßt uns dann blicken in die Erziehungsgeschichte des isr. Volkes in ihrem Anfänge, in Zeiten, da man noch keine Schule kannte, wo der Beruf der Erziehung ganz naturgemäß allein den Eltern oblag. Unser verehrter College fiihrt dann weiter aus, wie durch die veränderte Gestaltung des socialen Lebens des Volkes Israel der Jugendunterricht einer Stütze von Außen nicht mehr entbehren konnte, wie also Schulen'und resp. Lehrer zur Rothwendigkeit wurden, und er gelangt, nachdem er unseren Glaubensgenossen eine große Opferungsfähigkeit der Schule gegenüber vindicirt, und eine besondere. Anerkennung des Lehrerberuss von Seiten unserer Weisen uachweist, zu dem Satze, daß die Schule zu der ihr bestimmten Wirksamkeit noch nicht gelangen könne, ohne nachhaltige Unterstützung des elterlichen Hauses, und in Folge deffen zu den Fragen: 1) In welchem Berhältniffe steht die Schule zum Hause, 2) was hindert die gedeihliche Wirksamkett des braven Lehrers und, 3) was mich geschehe«? um allen verderblichen Einflüssen, die auf das Krnd, diese zarte und edle Pflanze, eine schädliche Wirkung hervorbringen, mit Erfolg zu begegnend Unser Freund beschränkt sich, wie er selbst sogt, besonders auf die zweite Frage, und gibt ein klares Bild von den Gegenwirkungen des Hauses; er führt uns iw die erste Erziehüngsstätte!des Kindes und entrollt hier kein erquickliches Bild von Rohheit und Gemeinheit und von absichtlicher oder unabsichtlicher lArüeitung zur Jmmoralität. — Meine Herren! Ich erlaube mir bei dieser Gelegenheit die schädlichen Einflüffe und Gegenwirkungen des Hauses in den Grundgedanken zu fassen: Die Erziehungstunst stammt aus dem Gesanimtsein der Menschen, sie ist ein Ausfiuß der Gesammtbildurtg. Wo der Mensch selber von der Stufe der Rohheit sich ndch nicht emporarbeiten konnte, kann er auch, trotz aller Anweisung, sein Kind noch nicht emporziehen. — Ferner bespricht Herr Hirsch die bösen Beispiele der übrigen Umgebung und kommt dann zur Aufgabe der Schule: | Alle für das Leben unentbehrlichen Kenntnisse, Geschicklichkeiten und Fertigkeiten in dem Zöglinge so her'vorzurusen, daß sie für immer zum wahren, freien, frei verwendbaren Eigenthum werden; den jungen Weltbürger aber so zu erziehen, daß der ganze Mensch erfaßt und auf das Höhere gerichtet . rverde rc. j Nachdem hie Abhandlung nochmals von GegenwGlun gen des Hauses spricht, gelangt sie zum Schluffe, ,u dem, wie ein rother Faden durch das Ganze laufenden Gedanken : i daß es hauptsächlich von dieser ersten Erziehuugsstätte abhänge, ob die Wirksamkeit einer „gut bestellten" Schule eine reichlichen Segen für Familie und Staat bringende, oder eine fruchtlose werde. Meine Herren I Sie haben gewiß Alle die Abhandlung unseres wackern Collegen in dem „Israelitischen Lßtrrer" gelesen, und werden mit mir die Ueberzeugung gewonnen haben, daß, wähnend einerseits die Erziehungsfehler des Hauses weitläufig erörtert sind, auf der andern Seite gegen die Schule der Gegenwart kein tadelndes Wort sich findet. Nur vom „braven Lehrer" und einer „gut bestellten Schule" ist die Rede. Das Haus ist geschildert, wie es ist; — die Schule hingegen — idealisirt. Wollen wir aber unpartheiisch und gerecht sein, so müssen wir auch dieBlößen und Gebrechen der heutigen Schule schonungslos auftecken. Dabei dürfen wir aber — was ich