Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 34 (20.8.1863)
- Date
- 1863-08-20
- Page
- Seite 132 (sequence 2)
- Language
- German
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132 für höheres Wissen bestimmten ihn für den Rabbinerstand, und nachdem er sich frühzeitm mit dem Talmpdstudium beschäftigt hatte, begab er-.sichHhiffs seiner weiteren Ausbildung nach Fürth.... ^Sein lebhaft bewegter Geist mochte in dieser unermüdlich fortgesetzten dialektischen Gymnastik, in jenen endlosen Disputationen—über scharfsinnige Fragen der rabbinischen Kasuistik eine. Zeit lang eine gewisie Befriedigung finden. Aber diese Befriedigung konnte immer nur eine formale sein, wie der gerammt? geistige Gewinn ie es Studiums nur ein formaler ist, aus dem für Geist und Gemüth keine fruchtbringende Nahrung erwächst. *) Daher »rußte für eiueu empfäuglicheu Geist wie Heß irgend eine . zufällige Berührung mit eineni positiven Wiffensgebietz genügen. um dem Jünger dieses Studiums die bodenlose Leere (!) seinesffishergen Rjngens und Strebens rrühlhar zu machen_ Und wie ihm nun Alles, was ,er bisher errungen zu haben glaubte, plötzlich nichtig und bedeutungslos erschien, **) so war er auch schnell entschlossen, dem bisherigen'Lebenskreis zu entfliehen.:. Im Jahre 1H>4 kam er nach Frankfnrt, und wurde sehr bald zum Lehrer des jüngsten Sohnes in-dem damals schon hochangesehenen Hause des Herrn Meyer Rothschild, des jetzt noch in Parislebenden Baron James v. Rothschild, berufen. In dieser Stellung. verblieb er zwei Jahre; an seiner Bildung fortgesetzt arbeitend... Ta geschah es, daß ein armer nach Frankfurt gekommener polnischer Judenknabe, der schöne Geistesanlagen verrieth, die Theilnahme einiger Menschenfreunde,-und insbesondere eines trefflichen und gebildeten.jungenMamies, Namens Gei'enheimer, erregte, welcher ebenfalls im Rothschild'- schen Geschäfte als Commis thatig war, und dieser sammelte in der jüdischen Gemeinde Geldbeiträge, um den armen Ansbert zu pflegen und ihm zweckmäßigen Unterricht ertheilen zu lassen. Das war der Anfang zur Gründung des großartige Instituts, in dem gegenwärtig mehr als «00 Knaben und Mädchen aus asten Klaffen der jüdischen Gemeinde und auch der christlichen Bevölkerung Frankfurts nebst zahlreichen Fremden ans allen. Weltgegenden in 17 Klagen eine wohlgeordnete Bildung und.Erziehung erhalten. Der Ertrag der Sammlung, für. welche sich eine lebhafte Theilnahme bei der Gemeinde zeigte. ***) überschritt bei wei- ) Woher kam aber Cie liefe Gemüthlichkei't des israel. Lebens? Wir wigen es wcbl. nicht ansdem Talinudstudiuin. Doch muß die Beschäftigung nur dem reichen Schatz^den hiellalmudische Agada bietet, nicht ohne bedeutenden. Ginfluß auf die sililicke iNinüthsbildüng geblieben fein. — wollen wir nicbt eine Urgewüthlichkeii des jüdischen Stammes annehmen. Tann ist aber die Frage berecdtigt: wie kommt-em so u r gemüthlicher -stamm -r und die Gemüthlichkeit des jüdischens Lebens ist doch unleugbar — auf jo uugemüthliches Studium? lleberhaupt scheint mir dieser Ausspruch, wie noch so manches Andere — worauf wir noch zurückkommen werden — eine vornehm ignonrende Härte gegen das jüdische Wissen zu enthalten, die einer Widerlegung vcittettkrm Manne würdig wäre, der die bezeichnete Büdungssphäre bester als U-. Stern aus eigener Anschauung kennt. Lernstein aus Berlin hatin seinen Novell-n ».Lögele der Maggid" und „-.scendek, Gibbor"- auch der Gemüthlichkeit der allen Zeit, des Bachurimlebens, des Talmuds, des Chazzos, und alles was damit zuiäinmenhängt. Rechnung getragen ") Cb Heß jen-s Listen, wirklich als.bedeutungslos für seine spätere vebengrichtung, für wistenschastliches Leben, gehalten? Hat Jost B. sc gedacht, und der war bock-gewiß-so reich anpositivem, tem das Bedürfniß des ursprünglichen Zweckes. Man faßte eine Erweiterung desieldLy ins- Auge. — Man gewann die Mittel, stn» eine Anzcchl unbemittelter Knaben unterrichten zu läffen, rm^vertisuLeffie der .damals durch den trefflichen Klitscher errichteten Bürgerschule an- Die Sammler constituirten sich zu einem festen Comits und gäben dem von ihnen begründeten Werke den Namen jüdisches Philantropin.... Die Zahl der Theilnebmer wuchs, und es war die Möglichkeit wie Nothwendigkeit gegeben, .das Institut von der Bürgerschule zu trennen und zu einer selbstständigen Lehranstalt umzubilden. ^Mit t6 in zwei Klaffen getheilten Schülern wurde diese neue Bildungsstätte im Jahre 4805 eröffnet, und im Oktober 1806 wurde jpejj (mit einem Gehalt von 400 Gulden) als Hauptlehrer an dieselbe berufen, um bis zum Juli 1855, also 49 Jahre, seine Thätigkcit für diese Anstalt fortzusetzen. (Fortsetzung folgt.) i ü l l st e «n e f n e 8. Correspondenz. Ans dem Großherzogthum Hessen, im August Sie kennen gewiß die Fabel vom Berge, der kreiste, und eine Maus geboren hat. Mich dünkt, in Mainz ift, am 22. März d. I. etwas Äehnliches gedichtet worden. An Fabelkundigen fehlte es bekanntlich in der an jenern Tage dort auwesimden Rabbinen- und Borstandsversammlung nicht. Mindestens scheint für die Lehrer die Hoffnung auf die cominissarischen Verhandlungen aus fetter Bersamntlnng zu einer Fabel werden zu wollen. Mrnn Eingang hatte aber auch noch einen anderen Sinti. Was ift aus all den Worten allgemein menschlichen Dissen und so klaren Geistes, so tiefen GemütdeS, als irgend ein Anderer. „Siede, iO Jahre meines Lebens," in Pascveleo Sippunm! Das erinnert mich an eine hier gangbare Anekoote:. In eurem gegenwärtig in hoher S.ellung lebenden getauften Juden, der früher Advokat war, kam beim HerauSgehen ans dem Geiicktssaal ein anderer jüdischer Advokat, und gab jenem seine Verwunderung über ein verkehrtes Plaibover eines dritten christlichen Advokaten zu erkennen. Du Thor, sagte der Getaufte. hat der auch gelernt? Und wenn Herr 0r. Stern selbst sagt, baß in der nachmendelssohn'schen Zeit auf demGebiete beb Jnbenthuins diejenigen Männer die einflußreichsten Reformatoren geworben, die.als Knaben ein rcickeS. massenhaftes, aber ungeordnetes Wissen von dieser Vergangenheit in sich ausgenommen , wie es sich aus dem Studium des Talmuds mit seinen zahlreichen Eominentaien ergiebt.... Sollte dieses Studium nicht, einen bedeutsamsten Ginfluß auf die gesammte geistige, also pshchologi'ch auch gemüthliche Richtung bcriclbtn gewonu n haben? ***) Unb ist dies nicht ei» Beiveis, daß auch das nur „talmudisch" gebildete Jubenthum den Werth höherer Bildung unb Gesittung zu schätzen wußte? Muß nicht schon in diesem ein Fond höherer Gemüthsbildung. die- Wurzel edler Gesittung lieien? Ich wohne in einem der reichsten und größten Bauerndörfer des gesegneten. tn allgemeiner Bildung sehr fortgeschrittenen Rdeindesiens. Und doch glaube ich behaupten zu dürfen, baß man in der ganzen Gemeinoe mr eineil ähnlichen Zweck — heute, im Jahr 1363 — nicht zwanzig Gulden zusammen bringen würbe. I