Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 32 (6.8.1863)
- Date
- 1863-08-06
- Page
- Seite 124 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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124 Eigenheiten seiner Umgebung. ' Er sei vorsichtig in seinem Reden und Handeln und berechne überall die Folgen seiner Schritte. In religiöser Beziehung wahre er namentlich die goldene Mittelstraße, die' schon Kohelet empfiehlt, vin bx 7r«i nain yenn bn qsrn .127 oanrr 7xi min pns ~nv «73 man 712- 72D \-ir Sei nicht überfromm und überklug, warum wolltest, du dich aufreiben? Sei auch nicht zu sündhaft und;u thöricht, warrlnr wolltest du sterben vor deiner Zeit? — Dieser Grundsatz steht aber nicht, wie Mancher meinen mö^te, im Widerspruche mit einer aufrichtigen religiösen Ueberzeugung, so daß sich der Lehrer »ach der einen oder anderen Seite als Heuchler geberden müsse. Die religiösen Ansichten sind byn vornherein in positives?) — für die Gesammtheit der Religionsgenossen — und in subjective, für das Jndwiduum, zu unterscheiden. (?) Rücksschtlich der ersieren wirb es^ sich hauptsächlich um die Handhabung des öffentlichen ceremoniellen Lebens handeln, bei welchem selbstverständlich die religiösen Ansichten und Wünsche der Gemeinde zu beachten sind, Und es müßte als ' Vermessenheit betrachtet werden wenn der. Lehrer alsfungirender Beamter nur seine Meinung.zur. Geltung bringen wollte. In welcher Weise aber Jemand seine subjectiven Beziehungen zu Gott und Religion auffaßt, das hängt vom Standpunkte seiner Bildung im Allgemeinen und seiner religiösen im Besonderen ab. Nur hat der Lehrer jeden Zweifel aus der Schule senl zu halten, um durch Angriffe auf solche Anschauungen, die dein Gesämmtbewußtsein als heilig gelten^ insbesondere durch Zweifel au das geoffenbarte Gotteswort nicht anzustoßen, und die Gewissen seiner Gemeindeglieder zu belasten. Was aber auch der Gemeindelehrer. in religiöser Beziehung denke, er gebe Niemandem Anstoß.durch Verletzung des religiösen Ceremonials. E» ist . Diener der Religion und der Menschenbildung.. Das ist ein hoher tznd würdiger Berus, wenn er mit Würde, ausgesüllt wird. So betrachte er seine Stellung für sich und. seine Gemeinde, dann wird er sich nicht eitel überschätzen, aber auch nicht geringschätzen lassen. - -k Der Gemeindelehrer sei ein Kinder- und Menschenfreund; er nehme innigen Antheil an den Leiden und Freuden der 'ihm anvertrauten Kinder und deren Angehörigen. So weit eS ihm möglich ist, stehe er jedem mit Rath und That zur Seite. -Jemehr er bestrebt sein wird, dies zu sein, desto mehr Liebe und Achtungdesto mehr Anerkennung und Freude wird ihm sein Berus verschaffen. Rur vergesse er nicht, überall auch dieLiebe mit der ernsten Würde zu spenden, damit sie an dem rechten Werthe nichts verliere. 1 . - . ä f f g e m e i n c s. Correfporrdeuz. Aus Ungarn, im .Juli. -(Die jüdische Schule und die Jnspectoratsftage derselben.) Die katholische Geistlichkeit übernahm in Ungar» jm Jahre 1853, wenn auch mit Widerstreben, die Oberaufsicht' der jüdischen Schulen, und sind bei uns die Oberinspektoren denn auch fast überall katholische Geistliche. Die Direktoren sind, in jenen Gemeinden, in welchen die Rabbiner wissenschaftlich gebildet sind, gewöhnlich die letzten; und kann somit von einer Ausschließung jüdischer Geistlichen keine Rede sein. Das vor Kurzem herabgelangte Statthalterei - Jntimat will nun auch die Schulbehörde (das Oberinspectorat) in die Hand der Juden legen und die Autonomie wäre somit im Schulfache fix und fertig. Als Freund der Freiheit auf dem Gebiete der Schule und Synagoge begrüßen wir die vor uns liegenden Erlasse mit Freuden, wenn anders wir auch in den allgemeinen Jubel nicht einstimmen können. Wäre bei uns Auto nomie. mit Anarchie nicht gleichbedeutend, stände der jüdische Lehrer bei seinen! Vorsteher mit einer Köchin*) nicht auf gleicher Categorie, wir würden weniger zaghaft sein und hätten währlich keine Ursache für eine jüdische Schulbehörde zu zittern. Wir wisst-» nur zu gut, wohin es bei uns mit der Autonomie kommen wird, kennen die Gelüste nach Knoblauch und Fischen und leben in der festen Ueberzeugung, daß es vor Aller» auf Ueberbürdung der Lehrer und der Jugend in erster Reihe, auf provisorische Anstellung, Wanderleben rc. :c. in zweiter Reihe abgesehen ist. Der Heiligkeit der Sache wegen und der Wichtigkeit der Autonomie halber muß die gegenwärtige Lehrergeneration, wenn auch blutenden Herzens,.. doch der Welt vis ä vis gleichgiltigen Blickes in die Zukunft schauen, und den gereichten ^squ'ern Apfel wie eine goldene Frucht verspeisen. Wenn Nun in konstitutionellen Staaten Schulzwang brffteht und in Oesterreich nur auf diesem Wege das Schulwesen diese Höhe erreichen konnte, so ist es in Ungarn doppelte Psiicht vorsichtig zu Werke zu gehend da durch die Autonomie die isr. Schulen Gefahr laufen, einzugehen. In Anbetracht des Umstandes, daß leider nur Zu. oft, und sei es der geistreichste Laie seine Stellung dem—Lehrer gegenüber mißbraucht; in fernerer Erwägung, daß nicht jeder berufen ist, der Schule als Inspektor vorzustehen, die Zahl der jüdischen Schulen m den meisten Gegenden Ungarns auch nicht so groß ist, dürste es unseres Erachtens nach genügen, wenn im Interesse des Fortbestandes unserer Schulen, und um. nicht 'dem Wanderleben wieder Thür urü> Thor zu öffnen dem christlichen Oberstudien-Direktor je ein israel. Inspektor für das hebräische Fach beigegeben würde, und könnte der Gehalt dieser 5 Beamten aus dem Schulfond bestritten werden. Daß diese isr. Ober-Inspektoren Schulmänner und Rabbiner sein müßten, ist selbstverständlich; und nachdem bei uns kein Mangel an ergrauten praktischen israelitischen Schulmännern und geschulten Rabbinern ist, so dürste unser Vorschlag auch nicht schwer durchführbar sein. Für eine jede einzelne israelitische Schule genügt als Inspektor der Lokaldirektor, der, wie bisher, entweder Rabbiner oder Lehrer sein kann, je nachdem es die Verhältnisse erheischen. Damit die Schule in jenen Gegenden Ungarns, in welchen das Cheder gewaltsam Einlaß begehrt, uns erhalten bleibt und der schöne Wahlfpruch des geistreichen Redakteurs - *) Glücklich mancher Lehrer, wenn es nur so wäre. I