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Der israelitische Lehrer · 1863-07-30 · 31 (30.7.1863) · p. Seite 120

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
31 (30.7.1863)
Date
1863-07-30
Page
Seite 120 (sequence 2)
Language
German
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120 gemeinden einzuladen; wenn sie Mas. nicht gethan hätten, so sei das nicht die Schuld ber Veranlasser jener Versammlung. Auch die Rabbiner kennen und würdigen die Lage der Religionslehrerz Unordnungen bei der Wahl der Commission seien ihm nicht bekannt geworden. Uebrigens 'werdedie pr-ojeftirte Synode in so lange ein Projekt bleiben, als die.Regierung noch von ^geduldeten" Religionsgesellschaften spricht, das Iudenthum Hessens nicht eine den änderen Kirchengenossenschaften gleichberechtigte Corporation bildet. Auf das Resume des Präsidenten Marr beschließt die Versammlung, dem Anträge de? Berichterstatters Folge zu geben, und in dem Bureau der Versammlung eine ständige Commission zu erkennen, berufen, bei jeder günstigen Veranlassung für die Verbesserung der Religionslehrerverhältnisse im Namen der Versammlung einzutteheu. Die Versammlung tritt sonach wiMex in ihre Tagesordnung ein, und Herr Lehrer Kriedbierg aus Niederwiesen verlieft sein Correferat über desi-vorjährigen Vortrag des Herrn Lehrer Hirsch aus Guntersblum: „Schule und Haus"' «No. 18 d. isr. Lehrer, 1862)* *); Sodann Hirsch: Als mir im Jahre 1861 von. der. Versammlung der ehrenvolle Auftrag ward, ein Referat über das Verhältniß der Schule zum Haus auszuärbeitcn, habe ich mich dieser Arbeit mit aller Hingebung unterzogen. Ein längeres Augenleiden hinderte mich jedoch Den ursprünglichen Plan durchzuführen, und die Schattenseiten auch der Schule und des Lehrers gebührend zu zeichnen. — Aber, mit Rücksicht am den Vortrag 'unseres Freundes Friedberg erlaube ich mir zu bemerken: Ich dachte mir, der Jüngling, - der sich der Sache der Erziehung widmet, fei auch erfüllt vom Berufe, widme sich demselben mit Der vollen Hingebung, mit dem rechten Ernste und der ganze« Liebe, die unseren Stand allein zu eiiy'm segensreichen und freudvollen macht. Der Brodlehrer wird feine Rechnung nie finden. Wenn dann ein von io guten' Vorsätzen, von so edlen Ideen uird guten Grundsätzen erfüllter Lehrer dennoch seine Schuldigkeit nicht tbut, so kann dies nur eine Folge sein der traurigen Einstüsse des Hames, das .oft die besten'Vorsätze des Lehrers zu nichte macht, seinen,.guten Willen lähmt, ihn selbst wie einen unterwürfigen Knechts mißhandelt, seinen Anordnungen aus reiner Lppvsitionslüsi' widerspricht und zuwiderhandelt, die Ruhe, seines-Lebens stört, seine Seele mit Schmerz füllt und dadurch ihir in seinem Wirken erkalten und erlahmen läßt. ' , Levi aus Fürfeld: Der Vorredner muß ein trübes Bild der Erfahrung haben. Ich. muß. aber der Berechtigung zu einer minder nachhaltigen Wirksamkeit^ - die Derselhelems solchen leidigen Vorkommnissen ziehen' will, -widersprechen. Mch geht das alles nichts an.- »Ich habenur die Heiligkeit des Berufes im Auge. - Es ist eine Blöße des isr. Lehrers, daß er von solchen Einflüssen des Hauses sich in seinem Wirkm beherrschen läßt.. Und -wenn die Gegenwart menrariicb getrend zu machen wi'>en '<•' 351 rs «eiten -einen armen aber .lebilbeten va tlehrer, einem tnrtfc :Keubthum jum Stafctobn'teber gewordenen Jgncranren uud für^Sebule und IudÄittuim Jnkisterenten mindeiiens — gleich. ' ' . . i . - *) Der Lcrrrag Friedberz'o solar in kimsr der näch.iren Nummern. mir keinen Dank zollt, mir roh, ungeschliffen und undankbar begegnet, so denke ich an die Zukunft: wenn nur die Kinder, die ich jetzt erziehe, mir einstens Liebe entgegentragen und mit Dankbarkeit und Hingebung sprechen: das war mein Lehrer! Der Lehrer aber, der sich von den Widerwärtigkeiten des Lebens, die ihm Haus und Gemeinde bereiten, beirren läßt, ist ein schlechter Lehrer! (Ruf: Ah, das ist stark! Aus der Versammlung.) Schloß aus Speyer: Meine Herren! Wir thun doch der Menschennatur Unrecht,- wenn wir glauben, Zerwürf nisse einer Faiüilie mit dem Lehrer üben einen nachtheiligen Einfluß auf die Schule. Das Haus >thut der Schule in dieser Weise keinen großen Schaden. Die Rinder kommen immer gut in die Schule, und geben sich unserm liebevollen Einwirken auch mit Liebe hin. Die Kinderchen sind uns immer gut. Wenn auch die Familie von keinem guten Geiste beseelt ist gegen den Lehrer, so scheut sie sich doch, dies die Rinder fühlen zu lassen, und dadurch ihren Kindern zu schaden. Hirsch ans G. Unser Freund Schloß hat die Stadt im-Auge, und Levy sieht zu roienfarben. Es kommen allerdings solche Fälle vor, wo der Lehrer durch persönliche Mißverhältnisse, durch die Stellung der Familie und der Gemeinde zum Lehrer geistig niedergeschlagen, und in seinem Wirken gelähmt werden kann. In gleicher Richtung sprechen sich Sulzbacher, Herr Di-. Rosenfeld, Bärmann und Lehuiann aus. Klingenstein beantragt, um die Debatte in ein bestimmtes Geleise zu bringen, sich über folgende Thesen auszusprechen: 1) Die Schule kann nicht segensreich wirken, wenn das Haus nickt die Aufgabe der Schule kennt und begreift. - 2) Der Lehrer muß auf die Erziehung der Kinder im j Haufe^ sowohl vor, als w ä h r e n d und selbst.auch nach! der Schulzeit Einfluß gcwinnnen. Und I .'») Die Versammlung wolle sich über die Frage aus sprechen: darf der Lehrer dem Urtheile des Hauses einen Einfluß auf seine Wirksamkeit in der Schule gönnen, der niit seinen pädagogischen. religiösen und moralischen Ueberzeugungen im Widerstreit ist'? Lehmann: Mit dem Dürfen ist's eine eigene Sache!' Wir sagen, der Lehrer darf sich nicht von den Einflüssen von Außen beirren lassen. Sind aber die Menschen Engel?-> i Ist es ihnen immer möglich, den niederdrückenden Stimmun gen zu entgehen, die aus den traurigen Lcbcnsgeftaltungen so manches Lehrers entspringen? Ich möchte den Mann kennen, der fortgesetzter Böswilligkeit von Seiten der Eltern, fortgesetzter Mißachtung uud Kränkung ein stabiles „non possumus" entgegenzusetzen im Stande wäre! Mit den besten Vorsätzen ausgerüstet wird doch auch der beste Lehrer trüben Gemüthsstimmungen nicht entgehen können, welchen zuweilen der kräftigste Mann unterliegt. Um nun solchen schädlichen Einflüssen zu begegnen, reichen obige allgemein gültige Sätze wohl nicht aus, durch deren Annahme wir eigentlich nichts positiv 'Neues gewinnen würden. Ich glaube i afto, wir müßten dieseir^Sätzen etwa noch folgenden hinzufügen: Der Lehrer, der, trotz Einwirkung von außen segens-! reich wirken will, muß durch gründliches Wissen uüd Charakterfestigkeit imponiren. Ich setze hinzu, daß wir doch als jüdische Lehrer die Anerkennung unseren Religionsgenoy en nicht versagen dürfen'— der Jude, die jü- |

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