Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 31 (30.7.1863)
- Date
- 1863-07-30
- Page
- Seite 121 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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121 dische Familie mtb Gemeinde bringt für die Erziehung der Kinder unbestreitbar große Opfer; der Jude thut viel, sehr viel, für seine Kinder, für deren Erziehung und Unterricht, und er thut es gerne. Warum sollten wir also im Gegensatz zu dieser Erfahrung bösen Willen voraussetzen? Dr. Rosenfeld: Herr Levi hat den Lehrer auf die Zukunft verwiesen. Es ist dies eine messianische Aufgabe, die wir da dem Lehrer stellen — die Gegenwart vergessen, um in der Zukunft die Erndte für sein Thun zu erwarten. Wir dürfen diese echt messianische Auffassung des Lehrerberufs nicht aus den Augen verlieren; ich glaube, daß gerade solche Auffaffung das Leben der Gegenwart nicht allein erträglich macht, sondern auch einen heilsamen Einfluß auf die Gemeinde ausüben wird. Es ist nur zu wahr, daß viele sogen, gebildete, oder nur über- und verbildet zu nennende die rechte Bedeutung der Lchrerwirkso nkeit nicht kennen, nicht begreifen. Diesen gegenüber muß man sich eben mit dem Schilde waffnen, der in jener höher» Berufsauffaffung liegt. Lehmann: Roch etwas dürften Sie nicht vergessen. Ter Lehrer, der erste uneingeschränkte Richter und alleinige Gesetzgeber in. der Schule, der — oft als Despot dort herrscht, — und vermöge seiner geistigen und körperlichen Ueberlegenheit gar keines Widerspruchs in der Schule gewärtig ist, kommt aus der Schule ins Leben, wo ihm dann nicht immer die gebührende Achtung und Aufmerksamkeit gezollt wird; der erste in der Schule ist gerne einer der letzten im Leben. Es bemächtigt sich da seiner oft eine gewisse Empfindlichkeit, eine kleinliche Susceptibilität, die keinenWiderspruch vertragen kann, und in unbedeutenden Vernachlässigungeu Geringschätzung und undankbares, unwürdiges Benehmen gegen seine unantastbare Persönlichkeit wittert. Daher die Klage über Geringschätzung von Seiten der Eltern oft eine unbegründete, daher gegenseitige Reibereien wegen unbedeutender Veranlassungen. Jeder Stand hat gewissermaßen über Etwas zu klagen; die Achtung vor dem Lehrerstande, vor dem gebildeten charakterfesten Manne ist heutzutage doch ziemlich allgemein Es ist daher Pflicht auch des Lehrers, diese kleinliche Empfindlichkeit in sich nieterznkämpfen, und ich stelle daher noch, ohne jedoch überhaupt eine Abstimmung über obige Sätze für nothwendig zu halten, den Schlußsatz auf: Der Lehrer muß mit allen seinen Kräften dahin streben, den Frieden in und mit seiner Gemeinde aufrecht zu erhalten. Die Herren Dr. Aub und Strauß wollen dies insbesondere dahin näher bestimmt wiffen: es sei Pflicht des Lehrers, in religiöser resp. ceremonieller Beziehung seiner Gemeinde keinen Anstoß zu geben. Die 'Versammlung schließt diese Verhandlung indem sie einestheils bestimmt, daß aus dem Referate Friedbergs einzelne Punkte für die nächste Versammlung zur Besprechung dienen sollen, und dann das Schlußwort Sulzbacher's adoptirt: es bleibt bei alledem doch wahr, daß unser Beruf noch nicht allseitig die rechte Anerkennung gefunden hat. Als Thenia der Verhandlung für die nächste Versammlung wird hierauf festgesetzt: 1) die noch rückständigen aus der heutige» Conferenz und 2) was soll Gegenstand des isr. Religionsunterrichtes sein; Referent: Herr Marr. Es wurde hierauf noch der Antrag gestellt; die Versammlung wolle sich, entgegen der Behauptung eines gewissen Blattes, von Lehrern zur Polemik gegen unser Organ dm „iSr. Lehrer" aufgefordert wichen zu fein, dahin erklärm, daß sie dieses ihr Organ im i lllgemeinen als dm Ausdruck ihres Gesammtbewußtseins ar erkenne^ und dessen Wirkm als segensreich betrachte; der Antrag wurde aber von dem Präsidmtm mit Zustimmung der Versammlung zurückgewiesen, da man jenem gegM unser Organ auftretmdm Blatte nicht die Ehre anthun sollte, in dieser Versammlnng gmannt zu werdm. Nachdem nun noch dem Bureau die nähere Bestimmung des Tages der nächsten i Zusammenkunft, wo möglich aus gleich nach rnxi2L> anheiistgegeben, und Worms als Ort der nächsten Versammlung bestimmt ward, trennte sich die von Morgens >0 Uhr -- mit Ausnahme der kurzen Mittagsrast bis Abends ',..7 Uhr fast unausgesetzt thätige Versammlung mit einem nochmaligen Danke und Hochruf auf den Vorstand und die i»r. Religionsgemeinde Alsheim! Auf fröhliches Wiedersehen denn, rrcan rur?, in Worms! Mögedie Stadt der alten jüdischen Erinnerungen und Wunder dm Lehrlern der Neuzeit die Anregungen bietm, die diese Eostsermzen als bleibenden Segen in sich fassen: Neue Kraft, auszicharreu im "edelsten Berufe — als Lehrer und Erzieher. Eist ewiges Licht ist für die zwei Männer angezündet in jenem uralten ehrwürdigen Tempel zu Worms, welche sich für die Geiammtgemeinde gleichsam ui den Riß stellten. Also stellen auch die Lehrer Israels in der Jetztzeit sich in den Riß der Zeiten.'Möge ein „ewiges Licht" als Erfolg unsere Bestrebungen krönen. Das walte Gott! Odern heim, den 17. Juli lNi3. Der Schriftführer: | I Klingenstrin. Allgemeines. Correfpoudenz Aus Ungar»!, im Juli. Von dem Schulfreunde E. L.; Posuer wurden reit Schulen de^ Landes A> Dukaten, mehrere tausend Decken, Bleistiite, Federhalter;c. :c. Beb ins Ver- ■ tbcihuig an arme Schulkinder geschenkt. — Fast überall sprechen sich > die Gemeinden zu Gunsten der Autonomie ans", wenn auch die; Stimmen gegen Gemeindewillkübr nicht isolirt sind. Im Selbst . Verlage von Wilhelm Singer erschien so eben: -! „Hebräisch-deutsche Vorlagen" nach eiizem zweck > mäßigen Stnfcngaüge geordnet. Waihen, I. Heit, Vorlagen: l<) kr. Oe. W. <2 Sgr.). Wir empfehlen diese ebenso eorrect als pädagogisch ausgcsührteu Vorlegcblätter allen denen, denen es um eine gefällige, jüdische Schrift zu thun ist. X. Umschau. Nack der „Allg. Med. Ztg. wurde in der letzten Sitzung des Profesioren-Eollegiums der mediciniscken Fakultät in Wien