Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1863-07-23 · 30 (23.7.1863) · p. Seite 117

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
30 (23.7.1863)
Date
1863-07-23
Page
Seite 117 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4896751-5428748-5431228--0560-4897215
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

i I 117 und immer wieder: die Schule, der Unterricht, der.Erziehung. In diesem Geiste wollen wir auch auf unserer heutigen Versammlung zu schaffen suchen, und eröffne ich hiermit die neunte Versammlung isr. Lehrer in Rheinhessen, indem ich dem Schriftführer das Wort gebe, den Bericht der vorigen Conferen; vorzntragen: Nachdenr dies geschehen, wird zur Tagesordnung über gegangen, wobei jedoch bestimmt wurde, daß man vor dem Geschäftlichen die ivipenschaftlichen Vorträge anhören wolle. Es erhielt sodann das Wort Herr Dr Aub aus Main;: lieber dey Confirinandenunterricht. Herr Dr. Aub schickt dem Bortrage des von ihm gegehenen Consirmandenunterrichts, den er aus dem Buche einer fonfirmandin vorträgt, die Bemerkung voraus, daß der onsirmandenunterricht fürs Leben sein und den Israeliten dem Proselytismus gegenüber mit dem Rüstzeug wassnen müffe, das für solche Vorkommnisse wehrhast mache. Früher habe man sich gefürchtet, die Lehren anderer Religionen zu berühren; heutzutage sei diese Scheu geschwunden, und es wäre, um der näheren Berührung des Juden mit dem Christenthum willen, heilige Pflicht, diese Unterscheidungslehren und die Vorzüge der Lehren des Juden! hums gegenüber denen anderer Religionen zum Bewußtsein zu bringen. Während der säst 12 Stunden dauernden Vorlesung des Consirmandenbuches selbst, herrschte die gespannteste Ausinerksamkeit, hervorgerufen durch einen Reichthum neuer und origineller religionsphilosophischer und theologischer Anschauungen und Ideen, die uns hier geboten wurden. Sehr lebhafte Debatten erhoben sich bei der Lehre über den Begriff von mittelbarer und unmittelbarer Offenbarung, ivo Mehrere unter irnnnttelbarer Offenbarung die gesainnite Thora inbegriffen wi»en wollten, während andere eben nur “■a“ rxy als solche aufzufasscn für geeignet fanden; und dann über die Lehre: Sind die Wunder als Beweise für Glaubenslehren unbedingt nothwendig? Läßt sich überhaupt der Glaube au göttliche Lehren diirch Anwendung äußerlicher llebcrzeugungsniittel, wie die Wunder sind, hervor rufen und kräftigend Man machte hier auf die in dieser Beziehung bekannten Anschauungen und Lehren unseres Maimonides und Mendelsohns ausmerksam, während Herr Lehmann hervorhob, daß die Wunder eben auch in unseren und in allen Zeiten, für alle Geschlechter, sich wiederholen muß ten, wenn sie auch für uns Beweiskraft in solcher Weise haben sollteit, daß sie Glaubenslehren, die sonst unbegreiflich sind, uns bewahrheiten. Obwohl der Berichterstatter constatirte, daß die Debatte nicht sowohl die Glaubwürdigkeit der Wunder an sich und die Verpflichtung des Glaubens an dieselbe bestritt, als vielmehr die Frage zu beantworten strebte: Sind überhaupt Wunder Bewelismittel für Glaubenssätze? wären'die Lehren des Judenthums nicht als eben so wahr, seine Pflichten nicht als eben so verbindlich anzunehmen, wenn diese Wunder nicht geschehen wären? sind sie geschehen, um das israelitische Volk . gleichsam für nicht in der Ucberzeugung begründete Lehren zur Annahme zu überreden? so konnte man doch aus der Debatte die Ueberzeugung gewinnen, daß eine Gleichheit der Ansichten auf diesem Gebiete zurZeit nicht vorhanden, auch nicht bezweckt werden kann; daß solche Debatten wohl anregend, ein durch heitere Untergeistig und gemüthlich zum Nachdenken ermunternd sein, «her nicht zu entscheiden den Resultaten führen können. Nach dieser Vorlesung vereinigte Haltung gewürzter Mittagstisch die angeregte Gesellschaft' 'Nach Becüdigung desselben, und nachdem Herr Dr. Rosenseld aus Worms einen sehr gelun genen Toast aus das freundliche Zusammenwirken der jüdischen Lehrer und Geistlichen ausgfbracht hatte, die mir gemeinsame, keine auseinandergehende oder gar widerstrei tende Intereffen hätten, und die zusammen berufen sind,, dein Unglauben, dem Jndifferentismus pnd dessen Gegensatz, dein Aberglauben entgegen zu arbeiten, erklärte der Präsident, Htwr Lehrer Marr aus Alsheim: ES gereiche ihm zum besonderem und doppelten Vergnügen, der.Versammlung mitzutheilen, daß die iSr. Gemeinde zu Alsheim, am gestrigen Abendzu diesem Zwecke von ihrem Vor stand, Herrn Ferdinand Dävid, berufen, sich das Vergnügen gemacht ha >e , die Versammlung heute als ihre Gäste zu bewirthen. Ein allgemeines Brayo folgte dieser Mittheiluug! Gewiß galt dies nicht den wenigen hierdurch erspartcuK renz 'rn, sondern dem erhebenden Bewußtsein, daß es Männer und Gemeinden «übe, schlichte Männer uild einfache L andgeineinden, die pcsscr 'als viele s. g. Hochgebildete und großartige Stadtgemeinden das segensreiche Wirken des Lehre estande» und die Beden tuiig solcher Lersaininlunge» zu würdigen wissen, j Es war die gegenüber den trüben (Erinnerungen ausivori gern Jahre und der Furcht, nüt nnlcher wir zu bicieij Ver fammlung gingen, doppelte Freude, in einer solchen Gemeinde zu tagen. Die Versammlung beschloß, dem verehrlichen Bor stände durch eine Deputation den an die Gemeinde aussprechen zu diesem Aufträge ihr Bureau. Es war ein würdiger Beginn d Dank der Versammlung lassen, und betiMke mit 'r Mittagsvei'handl ungeii. (Fortsetzung folgt. u ln s cb a u. — Der Entwurf zu dem vom badischen Oberschulratb vor gelegten Poltsschul-Geseve enthält de siiglick der Jsralliteii einen Passus, der uns mit tiriem schmerz scheu Erstaunen erfüllt bat. Er versagt den israelitischen Lebrern die Anstellung an Eomu nalschuien, schon wegen der Sab 'atbscier: und verpflichtet demgcmäß(?) Fsracliten zm Erhaltung der, von-ihnen errichteten Elementar- und Religicusschulen. Wenn >vir uns beute nur mit dem ersten, als tcu ein beiliges unantastbares Bürgerrecht beeinträchtigenden Passus beschäftigen wollen, so können wir nickt umbin, dem so reistunigen Obersckulratb zu bemerken: daß solche Ausreden, von dem Fort'chritte zugethanew Männern ein viel schreienderes Unrecht in sich entkalken. viel schmerzlicher verwunden, als die offene Feindschaft der Kreuzzeitungsmänner, der Heroen d s Fanatismus und des Rückschritts. Sie verleiten, das Volk, den Schein des Rechts für das wahre und wirkliche" volle Reckt zu nebnen, und berauben uns der Mittel, das Prinzip des Unrechts zu bekämpfen. Jene kennt mau als die Feinde, des LichtS, und der Freund des Lichtes weiß, daß thcil davon thun muß, was sie mit dem Prinzip des Rechts r im Allgemeinen das Gegen wünschen. Diese hält er für

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.