Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 27 (2.7.1863)
- Date
- 1863-07-02
- Page
- Seite 104 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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104 dem Felde und in den Weinbergen stehen bleiben,,die Enden der Kornfelder, die einzelnen abgefallenen Lehren, die ver- > geffenen Garben sowie die einzelnen Reste, der Weinstöcke : und Oel- und Feigenbäume. Lußerdem müßte ihnen spätesttms nach drei Zähren der Ärinen-Zehnd. vertheilt werden-». „Aushelfen sollst du deinem Bruder, der.seine Hand neben dir sinken läßt, sei er Fremdling oder Beisasse, daß er neben dir lebe!" „Leihen »allst du. ihn» zur Genüge für seinen Mangel! Geben, geben sollst du ' chm und es dich nicht verdrießen lagen, io oft du chm gibst; denn um deßuiRen wird der Ewige, dein Gott, dich segnen» in allem Geschäft deiner Hand!" '■) Das ist der heilige Rüi der Thora, mit dem sie Zsrael immer und immer von bleuem ermahnt,. Gottssvecehruug und Menschenliebe innig zu vereinen. — Und diesen Ruf hat Zsrael in allen seinen Drangsalen, auch m der Zer streuung, nicht überhört.. Zede Gemeinde, sei sie auch unbedeutend, wie die meisten Häuser —"auch die gering Bemit telter geben noch fort und -fort der leidenden Menschheit Zeugniß davon. -Es findet sich kaum eiste Gemeinde umres Glaubensstammes, die nicht mitihren cultuellen Zwecken, die Wohltbätigkeit noch ipeciell. pflegte, entweder aus der allgenreinen Gemeindecasse oder:durch besondere Vereine. Und fast jedes Haus — auch dä, wo nicht mehr der alte, religiöse Sinn heimisch ist — entrichtet noch den herkömmlichen Ärmenzehnden von dem Segen des Erwerbs, oder . nimmt sich doch — hiervon abgesehen —. in humaner Weise der Rothleidenden an. — Die »Werke der »Menschenliebe wurden seil Zahrtausenden als eine, io wesentliche Ausgabe des Zudenthums betrachtet, daß siel in dem (Gebetbuch der Synagckge mit den Pflichten oben ast gestellt worden, „sür die es kein bestimmtes Maß gibt, und von dbaen nran hier die Früchte genießt, im künftigen Leben aber den wahren Lohn." Das sind die Lehren, die Moscheh uns geboten; sie bleiben ein Erbe der Gemeinde Zacobs. (Fortsetzung folgt. > Ikeeeusiouen. Bar Kochba. Trauerspiel in fünf Auszügen" von Paul Möbius. Leipzig 1866. . . Obgleich das anzezeigle. und unserer Kritik unterzogene Buch ein Theaterstück enthält. Bar Kbchba gehört dem Judenlbume an, und was über ihn geschrieben wird, kann der Jude nicht unberücksichtigt lasien. Wir verfehlen um so wenhzer dieses Buchs auch in unsern Blättern Erwähnung zu tb'un, als es dem Anfänge und Anscheine nach eine dem Jutenthum günstige Position l nimmt und manckerseits auch durchweg io beunkeilt worden ist. Aber mit Unrecht. Wir glauben sogar verpflichtet zu sein, dies bier auszusprechen, da der Lehrer in manchen jüdischen Kreisen der einzige Regulator der öffentliche»' Meinung und des allgemeinen Urtheils ist. Wir zweifeln gar nicht, daß'der' Verfasser ein Zudenfreund ist, wir halten ihn am allerwenigsten für einen Judenfeind. Aber daß er einen Gegenstand Und eine Person der jüdischen Geschichte aufgreift und jüdische Traktion und Agada benützt, -') verii. 2ö, 3ä. , » ' ') Soutficn IN, s. gibt noch Nicht den Beweis ab, daß sein Stück , eine jüdische Tendenz hat. Im Gegentheil! wir halte» sie sür entschieden christlich. Das Buch nährt noch ganz die alte schiefe Beur? thcilung des Judenthnms, daß sein Gott ein Gott der Rache und der Jude zu der vom Ehristenthuiu gelehrten Liede gar nicht einmal fähig sei und vor dem Gedanken an Feindesliede „zusammenschauere" (S. 110). Und koch ist das Eyristenthum auS dem Zudenthum hervorgegange», und doch waren die erste» Ehristen zunächst Juden, Dies scheint der Berfaffer in seinem Elser für das Ehristentyum. um nicht zu sagen: gegen das Zu- Sentbum. vergessen zu haben. Bon Hag- und Rachegedauken ist das »Buch erfüllt von Anfang bis;u End:, in Baruch >vie .Ravel. Selbst im Tode gibt Letztere die Rachepläne noch nicht auf und erdolcht sich aus Verdruß darüber, daß sie dieselvei-. nicht mehr zu vollführen vermag. Der Verfasser sucht sein Ebristentvum zu Heven auf Kosten des Judeuthums. Selbst die Geldgier ist nicht versäu»rt worden, dem Zudenthum auszubürde». Wir sagen ausdrücklich: „dem Judentbum," und nicht bloß: de» Juden. Denn der Dichter wählt als Repräsentanten dieser Geldgier einen »Rabbi der alten Zeit. Wir haben es schon immer dem jüdischest Dichter zMojenthal) der Deborah verargt, daß er die Juden als rachedurstig, und geldgierig erscheine» läßt, und zwar im Gegensatz zu den günstiger gezeichne en christlichen Ebarakteren seines Stücks, ähnlich wie Shakespeare di« Fabel des Stücks im Shylol auf Kosten der »Wahrheit zu Gum sten des allgemeinen Vhrurtheils umkehrle. Aber unser Dichter bürdet diese Laster nicht dlos fälschlich den Juden auf, sondern glaubt sie im Judenthstm begründet. Ob Ausdrücke wie „braunes Judenwcib," „ihren bärtgen Juden" S. 101 und 108, als Nachwirkungen des modernen „Rifckus" aufzufassen? — Im »Munde eines alten Römers sind sie wenigstens nicht historisch, denn die Juden ivaren unter den Römern nicht in dem Sinne ver ack'let, und ihre Religion, nicht das Ehristentbum, war vo» Slaatsw'egen erlaubt i^lixla lioita., Der Kampf Bar Kochba's ivird mißverstanden oder mißdeutet. »Man erkennt darin nicht jene patriotisch-religiöse Be geisterung, welche ih» heroorgeruseii, sondern nur Haß un: Rache gegen die Römer. Bar Kochba ist darum nicht wie ein Held, sondern wie ein »Rarr gezeichnet, um so mehr, da er sich, vom christlichen Standpunkte geredet, anmaßt, den »Messias zu spielen,- während der „wahre »Messias dock schon längst vor ihm erschienen sei." Auch die ehrwürdige Gestalt des »Akiba muß darunter leiden, da «r in seiner »Verblendung »Bar Kochba in seinem »Wahne unterstützen konnte. B. K. konnte daruin auch nur fallen und der ganze Kamps mißglückte, weil cr Ehristen haßte und Ehristen verfolgte. Das unmenschlich,, llrtheil B. K.'s gegen sein »Weib, seinen Schwiegervater?c„ Fluch und Schosartöne sollen nur das Judenthum brandmarken, die Unfähigkeit, Wunder zu verrichte», sollen B. K. als falsche» Messias kennzeichnen, während das Zudenthum in Wundern nie ■ das bervorhebende Zeichen göttliche. Sendung gesucht hat. Auch das Verdälkniß zu de» Samaritanern ist nicht den damalige» jüdischen »Verhältnissen gemäß dargestellt, sondern darin wie in so vielem Andern nur eine »Verkleinerung des JudenthumS und Erhebung des Ehristenthumr zu suchen. Selbst der Schluß, obgleich etwas dunkel gehalten, ist im Sinne des Ganzen wohl nur christlich zu denken Befremdet hat uns im »Munde des christlichen Dichters, daß in „Glaube, Liebe, Hoffnung", die Liebe, wenn nicht sinnlich, doch erotisch aufgefaßt wird. Jedoch fehlt es auch nicht an schönen Stellen nnd wahren Gedaneken, selbst zu Gunsten des Judenthums. Man vergl. S. 167 was und wie Akiba über die aus dem Sturme gerettete Tora spricht. Die Sprache ist schwungvoll und oft voll schöner Bilder, fett » nur anikößig. Wir loben, was zu loben; aber tadeln auch, was zu tadeln ist. K. r