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Der israelitische Lehrer · 1863-06-25 · 26 (25.6.1863) · p. Seite 101

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
26 (25.6.1863)
Date
1863-06-25
Page
Seite 101 (sequence 3)
Language
German
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101 - I iKconct macht' den Vorschlag, die Lehrer Rheinlands und Westfalens sollen sich dahin vereinigen, daß sie, wenn sie an einer Schule 3 Jahre pfiichtgetreu gewirkt und somit als fähige Lehrer anerkannt easteden, niemals eine andere Stelle annehmen, als nur eine definitive. Haben die Lehrer durch gegenseitigen Handschlag sich dahin vereinigt, so werden die Gemeinden gezwungen sein, zur definitiven Anstellung zu schreiten. Eine Za^l von 40, >d. h. tüchtigen Lehrern, die diese Verpflichtung übernehmen, genüge schon. Alle Vernünftigen werden sich anschließen, die anderen seien Subjectc, die nicht zu fürchten. Wir leben in einer Uebergangsperiove, wo cs der Charakterfestigkeit, der sittlichen Würde und der ganzen Energie bedürfe, um in die neue Zeit überzugehen; nur Männer, welche diese Festigkeit besitzen und sie rechtzeitig bethätigen, werden das Ziel erreichen. Der Vorsitzende spricht dem verehrten Gaste den Dank der Conferenz aus, für die geistvollen Worte und sein Interesse an unseren Angelegenheiten, und empfiehlt den Vorschlag einer reiflichen Ueberlegung. Der zweite Lonferenztag begann mit der statutcn mäßigen ^Neuwahl des Vorstandes und wurde dann der seitherige mit Stimmeneinhelligkeit wiedergewählt; ebenso fand die Bestätigung des Rendanten Statt. Nachdem dies erledigt, fordert Dr. Philippson die Ber? sammlung auf, ibre Ansichten, resp. Erfahrungen in Betreff der Schllt-Infpectivn christlicher Geistlichen mstzutheilen, zu welcher Frage eine Petition aus Birnbaum und darauf bezügliche Verhandlung im Abgeordnctenhaufe (Siche d. Z. No. 19) die Veranlassung bol. Im Allgemeinen gilt hier: zu Schul-Inspektoren eignen sich nur ourchgebildetc, sach- und fachkundige.Männer. Sind es zugleich Geistliche, taut mieux. Aber nicht: Geistliche, wenn sie auch, noch so wenig vom Schulwesen verstehen, und darum noch so wenig Herz für dasselbe haben. Der Schul-Jnspcclor soll ja nickt den Ankläger der Volksschule bilden, sondern ihren natürlichen Beschützer und Vervollkommncr. Die mitgetheilten Erfahrungen stimmen darin überein, daß der Einfluß der christlichen Geistlichen in den jüdischen Schulen unserer Provinzen durchgehends cm guter; ihr Verhältiuß zu Schule und Lehrer überall ein h u ma neS ist, und daß von nachtheiliger Einwirkung auf den Religionsunterricht ooer gar von Bekehrungseifer sich nirgends eene Spur gezeigt; andererseits sei von der Influenz der jüdischen Geistlichen auf unselce Schulen — es gibt Ausnahmen, und unsere ungckhellteste Hochschätzung diesen Ehrenmännern — nrcht eben zu sagen, daß er allgemein stets gut und fördernd gewesen. Als Resultat der langen und vielseitigen Diskussion ergab sich: Es sei kein Grund, dahin zu streben, den christl. Geistlichen die Jnspection unserer Schulen zu entziehen; an den Orten indessen, wo Rabbiner sich vorfinden, haben dieselben so ipso den Religionsunterricht zu inspiciren. Dr. Philippson spricht seine Freude aus „über die Freimüthigkeit und Ausführlichkeit" bei dieser Debatte, sowie darüber, auch nicht eine Klage gehört zu haben, über Uebelstände hinsichtlich der Jnspection christl. Geistlicher, gleich denen, die gedachte Petition hervorgerufen. Die Lesebuchfrage in der jüd. Schule bildete den letzten Gegenstand der Tagesordnung. Die Menge der Lesebücher, welch« Jahr für Jahr erscheinen, ist eine unausbleibliche Folge der zur Anerkennuug gekommenen Ansicht von der Bedeutung des Lesebuches als Mittelpunkt des gcsammten Schulunterrichts. Wenn diese Thatsache einen Fortschritt auf dem Gebiete der Pä-, dagogik begründet, so ist es auch unleugbar, daß die erschirnenen Lesebücher von gar verschiedenem Werthe sind, und’J daß mit vielem Guten auch manches Schlechte zu Tage gefördert wurde. Zwei Richtungen gehen in diefer Literatur auseinander: die eine will Lesebuch, mit einem Lesestoffe, woran der Schüler im eigentlichen Sinne lesen lernen sollj die andere Richtung will auch Realien un Lesebuche, d. h. das Lescb rch soll zugleich die Grundlage des geschichtlichen, geographischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts bilden. Referent spricht sich in einer woyl 'durchdachten, gediegenen Arbeit für die erster« Richtung aus, vermißt indeß ein Lesebuch für jüdische Schulen, das billigen Anforderungen entspräche und wünscht, daß ein solches geschaffen werde au« dem.großen Gebiete nuferes herrlichen Schriftthums, aus seiner „kräftigen Prosa seiner anregenden, gemüthvollen Poesie," mit Schilderungen aus der 'Natur unk dem Menschenleben, der Fassungskraft des .n indes angemessen, für seinen Verstand bildend und für sein Gcmülh erheiternd, — ein Lesebuch, das die Schule überdauert uno auch dem Erwachsenen stets noch eine angenehme Leclurr bietet, ein Lesebuch, das einen positiv jüdischen Charakter trage; kurz: den Anforderungen oer rationellen Pädagogik gemäß echt klassisch unk positiv jüdisch. Korreferent befindet sich nn Wesentlichen mit bieien Ansichten in Ucbereinstimmung, will jedoch den talmudischen Ausspruch vir nny' "x isoa px auf das Lehrbuch nicht bezogen wissen unh. die nothwendigsten Realien ins Lehrbnch ausgenommen haben und zwar für solche Kinder, welche keine höhere Lehranstalten besuchen und um den Eltern die Anschaffung besonderer Bücher zu ersparen, welchem Umstande wohl Rechnung zu tragen sei. Begreiflicherweise konnte diese Frage bei der sich ansckließendcn Diskussion keineswegs zum Austrage kommen. Ein großer Thcrl der Anwesenden sprach sich für Realien im Lesebuche aus, nur sollen diese zugleich den Zwecken deS Lesens dienen. " Für die nächste Conferenz wurde auf die Tagesordnung gesetzt: 1 Die richtige Methode 1>:i den schriftlichen Aufsätzen und eine Auswahl von Themata's mit Rücksicht auf die jüd. Schule. Referenten: Treu und H e tt nt a n n s. 2. Allgemeiner Lehrplan für die jüd. Schäle. Referenten: St ei nw eg (Neuwied) und Wall bäum. Nachdem Blumenau für die nächste Conferenz Bielefeld vorgeschlagen und dieser Vorschlag fast einstimmig angenommen, resumirt derselbe die an beiden Tagen gepflogenen Verhandlungen, dankt den Ehrengästen für ihr'Erscheinen und ihre anregende Theilnahme, erwartet von den anwesenden Lehrern eine wohlthätige Einwirkung auf ihre lässigen College», hofft, daß die nächste Conferenz zahlreich besucht werde, spricht ferner dem Vorstände der Kölner

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