Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 26 (25.6.1863)
- Date
- 1863-06-25
- Page
- Seite 100 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I I 100 *uf Caldenhof, welche beide ihre Thrilnabme an der Versammlung bekundeten, aber bedauerlicher Weife am Erschei- ' nen verhindert waren und jtefite dann unter Zustimmung der Versammlung eine , durch, dir Umstände gebotene Abänderung der Tagesordnung auf. Als erster Gegenstand derselben erfolgte ein „Referat über die nachbiblstche Geschichte in der jüd. Elementarschule ' Ref spricht einleitend über die Wichtigkeit dieses UnterrichtsgegenstandeS, wre er dazu dienen soll, das Selbflbewußtscin unserer Glaubeusgenoff.n zu stärken und auf die Charakterbildung zu wirken, verlangt für die Behandlung nicht eben wissenschaftlich geordnete Reihenfolge der Begebenheiten, vielmehr biographische Bilder uno Charakterschilderungen, geeignet, Lust und Freude gn der Sache bei der Jugend zu erwecken, beginnt mit der Schilderung der Wirksamkeit der Männer der grogen Snnode, führt in kurzen Andeutungen die hervorragendsten Männer unseres Volkes dlS auf die Ietzzeit vo,r, knüpft an dieselben die wichtigsten Erscheinung aus dem Gebiete der Cultur und fordert, beider Reuzeil angekommen, von dem Lehrer strenge Unpartbeilichkeit gegenüber dem "noch nicht zum Abschlüsse gekommenen Kampfe der - verschiedenen Richtungen und Parteien im Judenthume. - An^diesen Vortrag knüpfte sich eine längere Debatte, als deren Ergebniß wir kurz bezeichnen: Das biographische Element sei wichtig bei diesem Unterrichte, die chiono'ogische Ordnung aber dennoch unerläßlich, um oen Gang der Entwicklung - der Verbältniste und Ereignisse in der Geschichte zu übersehen, worin sich die zbrtkickc Vorsehung immer und immer abspiegelc; auf diesem Grunde trete erst die Biographie Einzelner hervor; ein höherer Zweck bei diesem Unterrichtsgegenstande wie überhaupt, bei dem Geschichtsunterrichte sei, daß das jetzige Geschlecht htrt Fortschritt der Menschheit erkenne. Einer sorgfältigen Behandlung wurden auch empfohlen eie Darstellung der Entstehung des Ehristenthums und des Islams als Töckter-Religionen, sowie des Märlvrerlhums unseres Volkes. Den zweiten Gegenstand der Tagesordnung bildete ein Referat: „Bezeichnung der Stellen im Pentateuch, die beim 'Schulunterrichte zu überschlagen sind." - Dir Frage, o.b Stellen zu übergehen, war in oer j vorigen Eonfercn; -bereits als aus ethisclien Gründen geboten, bejahet worden. Es handelte sich also um das, > was zu überschlagen sei. Eine Schwierigkeit - stellt sich | dabei heraus, daß einzelne oer betreffenden Stellen in wich- | tige Kapitel gleichsam eingekeilt sich vorfinden uno andererseits dem Kinde nothwcndigmitzutheilende Stellen sich in . minder wichtigen Kaptteln studeti- - Res. hatte mit vielem Fleiße von ansangenv, in jeder die fraglichen stellen, bezeichnet unk trug diese Arbeit mit erläuternden Bemerkungen unter lebhaftester Theilnahme der Persammlung vor. Schließlich macht 0>- Philipps»« »en Borschlag, das etwas umfangreiche Referat drucken zu lasten. Eine Begrüßung dev- Eonferenz von seiten des Dr. Schwarz schloß die Vormittagssitzung. — Nachmittags thrilt der - Dorsitzende zunächst Geschäftliches in Betrest der^Ullterstutzungskaffe mit, die Zahl der beigetrucnen Mitglieder, den Bestand der Kasse, wie die . > Kapitalien angelegt, spricht sich mit großer Anerkennung' über die Wirksamkeit des Rendanten aus, bezeichnet die Betheiligung von s«itea der Lehrer als eine »erhältmßmäßig geringe, hofft, daß von Letzteren keiner Zurückbleiben möge und beantragt demnach einige Abänderungen am Statvt. Rach eingehender Debatte wurden folgende Abänderungen, resp. Zusätze beschlossen: ad §. 3. a. Zusatz: Diejenigen Lehrer, welche seit dem Beginne der Berathunz der Statuten (1856) ihren Beitritt zur UnlcrstützuiizSkasse erklärt, aber brs zur Erlangung der Bestätigung dieser Statuten (15. April 1862) das 45 Lebensjahr überschritten, sollen ebenfalls aufnahmefähig sein, ad §. 7. wurde der Termin für die Einzahlung bis zum 1. März verlängert. ad tz. 12. Zusatz: Witlwen und Waisen derjenigen Lehrer, die vor dem Beginne der Auszahlung gestorben sind, erhalten die ihnen zukommende Unterstützung, sobald die Kaste überhaupt Zahlungen leistet, ad §. 14 werden die Wort.: „und soll nicht unrer dreißig Thaler (30Thlr.) betragen", gestochen, und statt „postnumerando" wird „praenumerando“ gesetzt, ad §. 29 Bleibt die Wahl der Zeitungen dem Vorstände überlasten. Hierauf nimmt I)r. Philippson das Wort. Anknüpfend an seinen Vortrag aus der vorigj. Eonferenz, spricht derselbe in längerer Reoe über die Frage: Was ist zu thstn, wenn die Pelition der Lehrer an das Abgeordnetenhaus erfolglos bleibt? Wenn weder von Oben noch von Unten Hülse komme, so müsse man sich selbst zu helfen suchen. ‘ Die Hauptaufgabe sei, die lebenslängliche Anstellung zu erzielen. Ohne diese sei keine berusssreuvige Lehrerlhaugkeit zu denken, da die beruhigende Aussicht aus das jpäcere Leben fehle; denn welche befähigten Kopse bestimmen sich zum aussichtslosen Lehre rstanoe? Daher der Mangel an tüchtigen Lehrern, der von Jahr zu Jahr fühlbarer werde. Die Zeit sei vorüber, wo jeder verkommene Handelsmann, jeder hergelaufene Pole Zehrer werden tüiille. Der Lehrer müsse sich jetzt tüchtige Kenntnisse auf vielen Gebieten oes Wistrns sammeln. Zu oen gesteigerten Anforderungen uno Pflichten müssen aoer auch die Aussichten und Rechte im Berhällniste stehen. Bei dem häufigen Wechsel können die Erfolge nur sehr mangelhaft vleiben. Der abhängige Lehrer getraue sich nicht, in seiner schule tüchtig dnrchzugrcifen, und die Ansicht auf mögliche Enllgstpng übe einen lähmenden Einfluß auf-i^ine Wilkjamkeil, wogegen der fest angeftellte Leyrer sich mit seiner Schule identificire. Der Grund gegen feste Austellug wegen künftiger event. Belastung der Gemeinde mit Wittwen und Waisen sei durch die nunmehr bestehende Unterstützungskaste gefallen und bilde nur einen, die Gemeinde wenig ehrenoen Borwand, um die Herrschgier gewisser Vorstände zu bemänteln. Wohl möge die Gemeinde Autonomie-in Sachen der Schule und des Lehrers üben, aber keine unwürdige Autokratie. Der Staat stellti hunderttausend Beamte uno viele lausend Lehrer an, aber nur definitiv; auch die größeren Gemeinden, an deren Spitze einsichtsvolle lltäaner stehen, lasten sich auf provisorische Anstellung nicht em. — i 1