Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 24/25 (18.6.1863)
- Date
- 1863-06-18
- Page
- Seite 96 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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96 Hebung der Juden und deS JudrnchumS gegründet haben. Ein solches Organ ist in der Thest ein Ding der Nothwendigkcit, wenn cS seine Aufgabe richtig auffaßt und zu lösen versteht. Selbst heut' zu Tage noch, in unserm für aufgeklärt gelten wollenden Jahrhundert, findet man nicht bloß bei Ihnen, im Süden, sondern auch bei uns hier im Norden noch viele Gemeinden, in welchen die jüdische Religionsfchulc als so rin Ncbcnding von der Serie angesehen wird, und wo man weder die Aufgabe.der jüdischen Schule kennt, noch den heiligen Bei uf eines „schlichten Schulmeisters," am allerwenigsten den eines ReligionslehrerS zu begreifen, geschweige denn zu würdigen versieht. Ist eS da nicht von der größten Wichtigkeit für die Hebung der jüdischen Schule, wie "des jüdischen Lehrers', . daß solche» Leuten durch rin freies Wort in einem öffentlichen Blatte der Standpunkt klar gemarkt und ihnen die.jüdische S chule als das hingcstrllt werde, was sie ist, als die Stätte der Veredlung des Herzenesind Geistes der uns-anvertraNten Kinder, als eine Anstalt, in welcher ber schlichte Schulmeister nicht bloß Rechnen, Schreiben und Lesen lehrt, sondern ganz besonders durch diese und andere Gegenstände, wie vorzüglich durch eine richtige Behandlung des Rcligivns- und bibl. Geschichtsunterrichtes und einem, den Forderungen.der fortgeschrittenen Pädagogik entsprechenden Unterricht im Hebräischen Geist und Gemüth des Kindes, weckt,' anrcgt und entwickelt, damit das Kin>? dereinst fähig sei, sich jeder edlen Berufsart mit der Aussicht auf Erfolg hinzugcbcn und in diesem seinem Berufe sich und seinen Glaubensgenossen Ehre zu machen. Ganz in dieser Weife ist der „JSr. Lehrer" während seines zweijährigen Bestehens eifrig thatig gewesen: die jüdische Schule und somit auch die jüdischen Lehrer in den Augen der Jüdin und NichtjudcN zu heben, also auch zur Hebung der Juden und deS JckdenthumS nach Außen sein gutes Scherflein brizutragen. Aber nicht bloß ein Ding, der Nothwrndigkcit ist Ihr Organ für die iSr. Lctzrcrwclt, eS ist für viele isr. Lehrer ein wahres Labsal für den Geist und'das Gemüth. Ich denke nur hier insbesondere diejenigen Lehrer, die abzeschloffcn von dem Verkehr mit ihren' icr. (jfoUeg.cn sind, und dadurch ein schmerzlich vermißtes Fortbrldungsmiitcl entbehren. Tics ist häufig im M ecklend urgisäcn, Hannövrischen und Braunschweigischen der Fall, wo so viele.Juden nicht wohnen, wie im Süden. Um so angenehmer muß es einem solchen isolirtcn Lehrer sein, wenn ihm ein Blatt, wie das Ihrige, in die Hand gegeben wird, .danrit er dadurch wenigstens geistig und gcmüthlich sich den Bestrebungen der edlen StandeSgenossen in der Ferne anschlwßen und gleichsam an ihren Eonfcrcnzdebatten Theil nehmen könne. Drum nochmals mciucn aufrichtigen Dank für Ihre Gründung des „iSr. Lehrer," der mir schon jo manches gcmüthliche Stündchen bereitet und manche üble Laune in heitere Stimmung verwand.Ü hat. ' Und nun ad rem. Vorerst muß ich etwas ganz Neues aus unserm Größherzogihum berichten. Vor kurzer Zeit tst auch in unserm Lande dix Basis zur Gründung einer schönen Anstalt gegeben worden. In studwigsluft veruarb vor mehreren Wochen ein hochsinniger Freund und Gönner der Schule überhaupt wie der jüdischen Lchrer insbesondere*). Dieser allgemein hochgeachtete Mann Letzte in seinem Testamente eine Summe von zehntausend Thglern p. Cour, für Errichtung eines jüdischen SchullehrersemiinarS in Schwerin aus. pns -dt i Was nun die isr. Schul- und Lehrervrrhältniffe in unserer djhd Dppo 'ist (wir haben in unserem Lande gerade 48 jüd. Gemeinden) anlangt, so will ich Ihnen so gup als möglich einen Begriff davon geben. I > Es ist Alles in Bezug aus Schul- und Synagogalver- . hältniffe bis ins kleinste Detail durch großhcrzogl. Verfügungen sehr hübsch geordnet. Die Stellung der jüdischen Lehrer aber ist eine derartige, daß sie ebenso wenig! eine Aussicht auf dereinstige sichere Versorgung eröffnet, wir di: meisten großherzgl. heff. isr Lehrer stellen. Zwar sollest sich bald, wie mir von einer tochgcstclltcn Person bedeutet -t wurde, «ruck diese üblen Zustände ändern und auch wir, wie unsere Nachbarn, die hannövrischen College», nach Umständen von Oben, Dcfinitrvunr erlangen können; allein es hat jedenfalls noch gute Weile. Obgleich nun also hicsür noch Nichts geschehen ist, so ist dennoch der isr. Lehrerstand hier und im Hanyövrischen im Allgemeinen weit geachteterals 'an manchen Plätzen des GroßhcrzogthumS Hessen, und ist! ein solcher Fall, wie er vor 2 Jahren dem strebsamen und wackenr Lehret O. in Düdelsheim bei Gelegenheit der Synagogcneinwechung begegnete, hier nicht leicht denkbar. Der isr. Lehrdr wird, wenn er, wie O., seine Schuldigkeit thut, und den Kindern in religröstr und moralischer Beziehung als ein edles Beispiel voran geht, sehr wohl geliebt und geachtet, was sich in und außer der Synagoge zeigt. Natürlich gibt's keine Regel ohne Ausnahme. (Fortsetzung folgt.) Umschau. — Tie ich:. Lehrer zu Ladenburg in Baden haben, ohwohl nur die isr. Religionsgemeinte zu ihrer Erkältung vcrpsticbtet ist, von der Eivilgemeinde die gleichen Gehaltszulagen^ wie die christlichen Lehrer erkalten. In Londost starb Gerson Kursbecdt, der sein Leben den Interessen des Zutcntbums widmete, indem er besonders ist der Ausführung des bekannten Testaments von Judah Touro Ithäig war. Zu diesem Zwecke war er zweimal in Jerusalem, und mit Montefiore eng verbunden; er stGb noch jung. (A. I.)! Der Minister des Unterrichts und des Kultus in Frankreich bat zu Lasten des Kultusfonts des Staates tj< K H i Frcs. zur Erbauung eines Tempels in Epinal bewilligt. — Im italienischen Parlamente ist die Angelegenheit der Frau Dal Vechio — Wegnabme von Kindern durch Geistliche — in sehr energischen Ausdrücken-.besprochen worden. Der Abgeordnete Ehiaves betonte das natürliche und heilige Recht der Familie und dije in der Bcrfaffung ausgesprochene Gleichheit der Rechte aller Culten. Der Minister war in seiner Antwort weniger klar; doch erklärte er, daß die Gewissenssreibeit auch von der Regierung und. jeder Autorität als das heiligste stiecht anerkannt werden müßte. — Sir Mose Montefiore reist nach Eonstantinopel, um beim Sultan die Erneuerung des Fermans, welcher den Juden Grundbesitz, besonders auch im heiligen Lande gestattet, za erwirken. Dieser Ferman war nur für eine kurze Zeit gültig. •) Wie hieß dieser Edle? (Red.)