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Der israelitische Lehrer · 1863-06-18 · 24/25 (18.6.1863) · p. Seite 94

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
24/25 (18.6.1863)
Date
1863-06-18
Page
Seite 94 (sequence 2)
Language
German
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94 Menge Facto reu für das StuSiumdrs Hebräischen — außerhalb des Kreises "der -Selchrte» ' von Fach, der GeisWche» und der Lehrer. Ei» Jude aber, der de« Gottesdi»ste nicht mehr dreimal täglich sich weihet, der nicht mehr in hebräischen Redensarten sich ergehet, der keine n'rxE’ macht, der en deutscher Predigt mehr Gefallen findet, als an einem schwcrverständlichen Piut: wie sollte der für eine Sprache schwärmen, welche ihm täglich fremder wird! wie sollte er seine Kinder zu deren Erlernung mit Wärme auhalten! Daß ich Thatsächliches berühre, wird Niemand leugnen, unb thöricht wäre cs, gegen .die hierin liegende Wahrheit die Anzen zu verschließ en.- Wer -fordert, daß das Gebet ihm frisch und unmittelbar aus dem Herzen ströme und zum Herzen dringe, der fordert das Rechte, und wer behauptet, daß nur die Muttersprache dieser Forderung genüge, der spricht wahr. Und. wenn daher selbst warme Anhänger unseres Glaubens behaupten,, die. Religion fei unabhängig von der Sprache, für das Dcrständniß der Bibel genüge eine gute Ucbersctzung, und die Gebete würden in.der Muttersprache an Bedeutung für den'Betenden nur gewinnen: so reicht unsere Ueberzcugung, daß ' die heilige Sprache in höherem Grade befähigt sei, den Eultns, die Andacht und das ganze Judenlhum zu heben, 'nicht ans, unsere Gegner zu widerlegen.. — Ja ich selbst, der ich jene U'bcrzeuzung von der Bedeutsamkeit der hebkäischen Sprache theile und seit vielen Jahren um deren Hebung bemüht bin, stehe nicht an, offen zu erklären: Der Werth des Hebräischen für die Religion als solche würde in keinem Verhältnisse stehen zu den darauf vcr-, wandten Opfern an Zeit « nd Muhe, wenn nicht auch die allgemeine Bildung durch Erlernen der Sprache an sich gefördert, wenn nicht der Inhalt durch das Verständnis der Sprach formen und des in diesen sich kunbthueneen Geistes gehoben würde. Hier stehen wir bei dem Kernpunkte der Frage, welcher meine Ansicht von. der .des Herrn Klingcnsteiu scheidet. —Ich behaupte: die hebräische Sprache muß — wenn auch auf Veranlassung des religiösen Zweckes — doch zu- 1 nächst um ihrer selbst wrllen gelehrt und erlernt werden: d. i. was man den formalen Zw^ck zu nennen pflegt. ' - . Wenn daher Herr Klingenstein einerseits anerkennt, daß die israelitichen Elementarschulen besonders durch den Unterricht im Hebräischen *Jr zugehobenen werden, ande- . rerseits für dieselben „nur den bestimmt ’ ausgesprochenen religiösen Zweck" fordert und vor der eigentl. Grammatik *) Freilich mir dem -eigrntbümlichrn Zusätze: „einer durch ihre Armuth, ihre Einfachheit Md Formeneinfalt ausgezeich- | neten Sprache.' -c warnt: so geräth er in unauflösbare Widersprüche 4); und seine Methodik, so verdienstlich im Einzelnen, so reich an praktischen Winke», ja so anregend vielleicht in der Hand eines tüchtigen Lehrers, wird nach meiner llcberzeugung nicht zu dem Ziele führen, das uns allen doch vorschwebt, »nd das Herr Plaut a. a. O. richtig bezeichnet hat; ich nenne cs kurz: Berständniß der Bibel und d er Gebete bis so weit, daß die naive Xraft'der Ursprache an's Herz dringt. Dies Ziel werden, können unsere Kinder nicht erreichen, so lange sic nicht in der Sprache an sich ein breites Fundament für das Berständniß gewonnen haben; namentlich kommen wir mit dem S. 10 gegebenen Mittel: „Xcnnlniß der einfachsten grammat. Regeln «nb^Fcxionen zur leichtern Bewältigung des Materials und als wöglichc Grundlage (!) eines weiter gehenden Studiums zum Schluffe" — nicht über dir eigentliche Schwierigkeit hinweg. Wohl hat sich Herr Klingenstein mit den treffenden Worten (S. 3): »Nur durch harmonische Gestaltung des ganzen Schulunterrichts, durch weises Abwägcn von Kraft und Zeit, die jedem Unterrichtszweige feinem Einflsißc auf die Gefammtbildung und feiner Nothwcndigkeit nach zukömmt, gcrqinnt die Bildung der Menschen im Allgemeinen," theoretisch aus den richtigen Standpunkt gestellt; aber er, hält diesen Standpunkt in feiner Methodik nicht fest, weil er in Wahrheit nur die praktische Noihwendigkeilt, nicht den Einfluß auf die Gefammtbildung im Auge hat und dadurch foyar jene oft mit preisgibt '■>). Die Praxis fordert vou einemj 8jährigen Knaben schon eine gewisse Kenntniß der Gebete! und mit Recht Theilnahme am Gottesdienste, schließt deshalb auch die Möglichkeit aus, dann erst mit ihm die hehr Buchstaben zu beginnen. Eö ist überdies eine allgemein bekannte Erfahrung, daß die erste Juzend am leichtesten über das Mechanische hinweghilft, eben weil das Kind gn dem rein Mechanischen — ohne geistige Vermittelung — seine Freude und — seinen großen Nutzen für Hand, Auge und Ohr hat, weil ihm die Form an sich noch ein Neues, Jntereffantes ist. Und der Grundsatz: „das Kiuh muß allezeit wissen, was es liest; man soll ihm nur verständliches bieten; es darf also nichts lesen, was nicht sogleich crkärt, beziehungsweise übersetzt wird/ *) Will et doch sogar di« ^Elementarschule zur Grundlage für die Wissenschaft tnachen (S. 5). 1 < d) Pra^ktische Beweise sollen später folgen; hier nur esne Andeutung vorweg, Herr Stl. will mit 8—lljäbrigen Kizaben das Hebräische beginnen und gibt ihnen zuerst, ohne Rücksicht auf die bedeutsamen rein consonaotischen Buchstabenformen des Hebräischen, durcheinander die Laute ck, a, r, i, w, e, b, I, k,, o u. s. w., wäbrend es hier von vorne herein darauf ankömmt, den gleichsam der allgemeinen Bildung angehörenden Vocalhegriff als Halt des eonsonantischen Lautes für jede Sprache in der charakteristischen Eigenthümlichkeit der fremdeif Sprache dem Kinde zur Klarheit zu bringen. 1 l

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