Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 23 (11.6.1863)
- Date
- 1863-06-11
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
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91 Kaiserslautern) wollen mehr ein vermittelndes Princip ausgestellt wissen; der erste meint, es sei daraus abgesehen, Gott und Religion aus der Schule zu verbannen; diesem tritt Lüben in seinem Schlußworte gegenüber: die Naturwissenschaften sollen weder dvminiren, noch sollen ihnen andere gleich wichtige Facher Raum machen. — Gerade sie führen zu Gott. (MicroScopie!) Die Versammlung erklärte sich schließlich im Ganzen mit den Grundsätzen und Anstchten Lübens einverstanden. Dr. Wich. Lange auS Hamburg spricht nun über dir innere Organisation einer mehrklassizen Schule. — Eine Schule soll keine blose Lehranstalt, sondern eine Bolks- BildungSschule sein. Darum verlangt er, daß, wo mehrere Lehrer an einer Schule wirken, Einheit und Einigkeit der Lehrer herrsche, daß sie immer von der Idee geleitet werden. Der Direttor muß der Diener des Geistes in der Schule sein. Der gute Direktor bildet die Lehrer. Die Versammlung erkennt die ausgesprochenen, und von dem Redner nach dem Bilde seiner Schule erläuterten Grundsätze als richtig an. In der Nachmittagssitzungsprach Herr vr. PaldamuS aus Frankfurt a. R. über »Staats- oder Sommunalschulen/ und erklärte sich für Communalschulen. Die Verhandlungen hierüber ergaben, daß die Ansichten sehr getheilt sind, daß viele für eine ideale schulgemeinschaft, andere für blose Staatsschulen, andere hingegen wieder für Lommunalschulen sind, und daß schließlich die eigentlich einzig prakttsch und ideell richtige Ansicht die meisten Anhänger zählen mag. Die Schule ist eine freie, sich selbst nach naturgemäßen ureigenen Gesetzen entwickelnde Gestaltung veS Lebens, welche von deu anderen Faktoren des Lebens — Staat, Familie,Gemeinde,Religionsgemeinschaft — gemeinsam beeinflußt, auch diesen je nach den eigenthümlichen Zielen, die sic verfolgt, Rechenschaft über ihr Streben und Wirken schuldig ist. Organisches und geistiges Leben, wie es sich in allen Vereinigungen cnllioirtcr und sich veredelnder fort schreitender Menschen ausipricht, strebt überall nach einem Ziele, eben darum, weil jeoer Organismus und jeder Geist eigentlich eine in sich abgeschlossene Einheit bildet. Darum eben muß die Schule selbstständig sein, aut erzenen Füßen stehen, und müssen Staat, Familie, Gemeinde rc. :c. für deren freie, seldstnänsige Eriftenz gemeinsam Sorge tragen, weil aller geistigen Lebensericheinungen Ziel eigentlich zusammenfällt: organische Gliederung und naturgemäße Entwicklung der Menschheit zur H n m a n r l ä t, zur Se l b st t h ä tr z keit,;ur Gerechtrgkert uns Liebe, zum Dienste de? Wahren. Guten und Schönen. — Es!gibl hier keine wirklichen Gegensätze. Wenn wir hier eine kleine Abweichung von her eigentlichen Berichterstattung uns erlaubten, so fahren w.r nun wieder m unfern Thema fort. — Am dritten Tage sprach Herr l)r. Schröder: über den Mangel an aller wehrhaften Erziehung der deutschen^Zugenv. Er spricht die lleberzeugung aus, daß für die physische Entwicklung oer. Schuljugend mehr geschehen müsse, und daß die Nation von der Schule aus, wie solches in der Schweiz der Fall ist, wehrhaft gemacht werden müsse. Nur durch eine recht tüchtige gymnastische Erziehung kann die Wehrhaftigkeit der Nation erhöht werden, und wäre durch eine solche Erziehung das Mittel geboten mit dan '5ten ober lOten Theil der Ausgaben für die stehenden Heere eine weit höhere Tüchtigkeit und Wehrhaftigkeit herbeizuführen. In unseren 'Schulen werden die Knaben krumm und kurzsichttg. — Herr Professor Zschetsche aus der Schweiz beschreib: nun in äußerst anziehender Rede die schweizerischen Cal ettencorpS, die mit den! Schulen verbunden sind. — Die Versammlung adopttrt schließlich den^ von Herrn Dr. Schröder ausgesprochenen i Grundsatz: es ist die Aufgabe der iffentlichen Schule, dem 1 Vaterlande eine wehrhafte Jugend vorzubilden. Nachdem nun noch einige formelle Angelegen!»eiten der Versammlung f besprochen waren, erhebt sich der Präsident Herr vr Hossmann zum Schlußworte. Diese Rede, ein Meisterwerk in > Ausdruck uno Form, die Gemüther tief anregend, kann ebm nur im Ganzen und Vollen wiedwgegeben werden. Sie. ist der Ausdruck der Gedanken und Gefühle einer zum Höheren strebenden deutschen Lehrer >ersammlung, und indem sie die letzten Verhandlungen resuinirt, ist sie zugleich ein Programm für alle folgenden. 3 Sit müssen deshalb aus die stenographischen Berichte m der allgemeinen deutschen Lehrerzcilung verweisen. Jnrem wir so unsere Berichterstattung schließen, können wir nicht ohne Begeisterung auf dtt verlebten Tage zurückjchauen. Es ist wahrlich ejn würdiger, für Hohes ' empfänglicher stand, der mindestens 5 Pct. seiner gesummten Glieder im deutschen Vaterlande; u einer allgcm. deutschen Versammlung hinscnoete. Die Osfer, die dieser im Ganzen doch Nick: glänzend siluirte Slam zu bringen vermag, sind wahrhaft ein Ehrenzeichen. .Dow vielen Seiten gingen der'' Versammlung Grüße zu; wir wählen auS allen ein Wort, aus dem telegraphischen Gruße des Ersten der Pädagogen der Ieyzeit — Diesterwegs; und mit diesem wollen wir das Motto der deutschen Lehrer für alle Zeiten ausgesprochen wissen: cS lebe der deutsche Sehrerverein und die Forts chrittSpädazogik. Eine Svazierfahrt nach Heidelberg gab dem Feste den würdigen' Abschluß. — Wenn piich nun meine jüdischen Eollegeu fragen, was aus dem P ogramme, das wir für die Nedenverfammlung isr. Lehrer m diesem unserm Organe angeregt bab.n, zur Ausführung gekommen ist, so müssen wir zu ui'erm Bedauern gefiel >en: Gar nichts! Wir - waren nicht im Stande, die isr. Lehrer in größerer Anzahl zu vereinigen, une müssen daher unser Vorhaben auf eine günstigere Gelegenheit verschieben. ‘ K. Nordcck, 30. Mai 1863. Die verheirakheten Lehrer der Provinz Nieoeryessen haben Gehaltszulage auS dcrPro» vinzialschulcasse*) erhalten. Möchten auch die Vocfteherämter der anderen Provinzen an die Besserstellung der Lehrer denken, von denen viele mit den bittersten Nahrungssorgen zu kämpfen haben. So lange uns nicht die Rechte werden, welche die christlichen Collezens genießen, ist dieses heilige Pflicht. ' Wie mm hier zu La ide eie jjüdischen schttea ansieht, erhellt anS einem Besch.usse chur Provinz Oberhessen vom 9. Im. bis auf Widerruf gestattet i)\, Schulen an Sonn- und christl! F *) Ist dies eine jüdische Kaffes ürstlich:r Regierung der Nr. 210 R. Pr., wonach , daß in den jüdischst itagen Unterricht ecthei lt (Red.)