Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 22 (4.6.1863)
- Date
- 1863-06-04
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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87 1) Die Schule muß in dem Lehrer ras Ideal der Vaterlandsliebe besitzen. 7 2) Sic muß die Großthat-n der deutsckcn 'Station festhalten und historische Denktagc feiern (16.'Oktober, > 10. Nov. rc. rc.)! 3) Im Turnplatz die Vorschule deutscker Wahrhaftig-! kcit und Freiheit erkennen. * 4) Den Gesang nationaler Lieder pflegen. > > 5) Durch Geschichte, Geographie, Sprache und Litej Tarnt in der Zugend dav Bewußtsein wecken, einem schönen > Lande und edlen Volke anzugehören. .Auf dle Lehrer kommtS an, ivie weit die Sckule in j der Erweckung der deutschen Vaterlandsliebe gelangt." Herr NitttnghauS aus Lüdorf spricht hiernach in gleichem Sinne über deutsche Sckule, deutsche Lehrer, deutsches Leben, und hierauf, Herr I)r. Riccke, Stadtpfarrer aus Neuffen in Würtembcrg, die herrlichen und von rauschendem Applaus j begrüßten Worte: .Der Herr Referent hat einige Tage ' erwähnt, die wir als geschichtlich-merkwürdige Tage feiern; sollen; ich füge diesen Tagen noch zwei bei, deren Datum mir ■ aber augenblicklich noch unbekannt sind; der Erste ist der Tag, an welchem alle Deutschen ohne Unter-! schied des Glaubens frei sind, weil sie gleich' sind; und der Zweite derjenige, an welchem der Eine den Andern nickt mehr fraßt, was glaubst du. sondern, was thust du. Diese zwei Tage möckie ich vor allen gefeiert wissen, und ich bitte die Herren, mir die Dalums derselben mitzutheilen, sobald sie sie erfahren haben. (Langanhaltender rauschender Beifall.) Herr 1)r. Stern aus Frankfurt spricht davon, daß die Erweckung der Liebe zum Vatcrlanbc von der Erweckung der Liebe zur Heimath auSgeh.n muß. Nachdem noch mehrere Redner einzelne Züge gezeicknct zu bCm großen Bilde und insbesondere Herr Professor Zschctzsche aus Zürich auf die Fortbildungsschule als der wahren Pflanzstätte der Vaterlandsliebe hingcwiesen. resumirt derReferent und mahnt schließlich nochmals an die großen Männer der 'Ration Fichte, Lessing rc. Schluß der VormiltagSsitzung. Zum Beginn der Nachmittagssitzung — um 2 Uhr — sprach Herr Dr. Riccke über die Volksschule als Dcnksckule". — Wer nicht denkt, sührt nur ein thicrischcs Leben. Der Gedanke ist das Auge des Wollen« und FühlenS; die Schule muß dahin wirken, daß der Mensch wähl und klar denken und fühlen kann. Das Ziel aller Menschen ist — Selbstbestimmung. Möge, man sich nicht beirren lassen von dem Stichworte: reiner Formalismus; — es gibt kein rein formales Denken. — Ein gedankenloses Volk ist ein Sklavcnvolk. — Das .Denken" ist auch eine brennende Frage. (Fortsetzung folgt.) AuS Rhein Hessen, 18. Mae. Wäre es nicht ein principieller Grundsatz veS Fudenthum«, daß das Geistige und Heilige über Verunreinigung und Entweihung durch unreine Menschenhände erhaben ist, man hätte sich ärgern sollen über die Verunglimpfung deS zu den himmlischen Geistern Heimgegangenen „Riesser" in Nr. 19 des „Israelit". ES wird dort gesagt, das R. dem Judenthum nicht mehr angchört babc, weil er der „Koscherkost" entsagt. Riester, — der für das Judenthum eifrig glühte, so Vieles opferte und „Jude" und .Zudenthum", besten schon ivoanchcr in Israel angefangen hatte, sich zu kchämen,!bei Israel und den Völkern wieder zu Ehren brachte! Man sieht, was diesem Gelichter das Zudenthum ist und gilt. Wie ehemals, so heute nichts als ein sckalcr FormaliSm der, wir immer, mit pharisäischer Heuchelei und zelotisch Fanatismus sich paart. Es wird doch nachgerade Ztit, dieser falschen Orthodoxie cntgegenzutrcten. Den Freunden deS wahren Judenthumö sollten doch endlich über das Gebahren sdieser Partei die Augen aufgehen, daß sie nicht unthätig demselben zufchauen oder gar, sei es direkt odtzr indirekt, bewußt oder unbewußt, ihr Streben unterstützen Vom Hein, im Mai. Wir wissen, daß die ultD orthodoxe Partei insondcrS oder gar ausschließlich das so male Zudenthum pflegt. Nun sollte man glauben, daß di! Meister auch sich selbst die Erschwerungen deS Gesetzes auf erlegen, wies die Rabbiner der Vorzeit eS tharen. Jedoch der Gewinns oder Verkleinerungssucht scheinen auch diese nicht zu widerlichen. DaS heilige Gesetz muß weichen, — wo es denselben entgegentritt. Das RcligionSgcsctz verbietet, an Orten und in Kreisxn eineandern Rabbiners rituelle Entscheidungen zu treffen und Funktionen zu üben, — ohne Wissen desselben oder gar seinem Willen entgegen und zu Trotz! Uns ist bekannt geworden, daß Dr. L. iix M. sich dennoch derartiges erlaubt hat, aber von hoher Behörde entschieden in seine Grenzen zurückverwicsen und selbst in fitncm! Wohnorte auf die Angehörigen Kittet Religionsgesellschast! beschränkt worden ih. Aus'" KurUessen, im Mai. , . Be'oldung der i3taelitif*cil l’cbrer st utbeii>• u Auw in unserem Lande entsteb: Lehrermangel, was bis jetzt nicht der »rau war. Fast jedes amtliche. Wochenblatt bringt Vacanzen und an! Lehrkräften zu deren Besetzung fehlt es. Woher mag das kommen!? Die Beantwortung dieser Frage ist nickt sckwer. Wenig junge Leute widmen sick dem Sckuliacke und viele der ickon im Amte tbätigen Lebrer geben mS Ausland, besonders nach Hannover, wo sie besser bezahlt werden und wü auch, wie es sckemt. das Borurtheil gegen unseren Stand nickt so stark wüthet, als vier zu Lande, wo es noch barte Wunden schlägt. Auf welche Weise ist nun dem im Entstehen begriffenen Lehrermangel abmhelsen?!Dicsc Frage muß gewiß Jeden beschästigen, dem das Wobt und! Gedeihen des Jugenkunterrichtes am Herzen liegt unk besonders ldiejenigen, welche durch ihre Stellung vorzugsweise berufen sind, denselben zu fordern. Die erwähnte Ersckeinung hat ihren Grund darin, daß die Lehrer zu schlecht besoldet werden. 100 Thlr. ist das gewöhnliche Firum und über lü>> Thlr. geht cs selten hinaus.! Ta ist cs kein Wunder, wenn uns die besten Kräfte entzogen uverdcn. Es ist jetock nicht meine Absicht, den Gemeinden den Vorwurf zu macken, daß ne dem Unterrichte! der Jugend keine Opnr ru bringen das Herz daben: nein — j die Gemeinden —wenige Statte ausgenommen bringen für die Schule! sehr große Spier, Opfer, die ihre Kräfte fast übeirsteigcn. Sie können unmöglich i mehr leisten, als sie bis jetzt geleistet haben,. Obgleich keine Gnneinde gezwungen -werden kann, eine Schule zu errichten, so sind doch nur sehr wenige kleine und anpe Landgemeinden obnc eine solche: dagegen bat llaffel, die Metropole, keine öffentlickoSckule, außer einer.mit dem Seminare 1 verbundenen Freisckule. Während also die meisten Landgemeinden für ihre Institutionen j>roße Opfer bringen, berrsckt in der . Hauptstadt unseres engeren Vaterlandes eine große Lauheit. Wenn r