Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 22 (4.6.1863)
- Date
- 1863-06-04
- Page
- Seite 86 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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86 verlöschten), trenn-er in der Promenade zu Münster einen schlickten, altersschwachen Maundaber gehen sähe, zu besten Seite plötzlich ein reich befbrirtet Aieiter auf. stolzem Roste anhält, um seinem srüderen' Lehrer einen freundlich dankenden Gruß zuzurufen. Auch in anderer Beziehunz bätte Haindorf keine bestere Wahl treffen können. Stand der Professor nicht im ceremoniellen Judentdume,was indcß auf.die Anstalt nach - feinem Willen ohne allen Einfluss bleiben. sollte, — so mußte die Auschauungs-, Lebens- und Lebr-Weife des Herrn Cohendie Anstalt auch bei den strengsten Orthodoxen beglaubigen. Zudem besitzt er eine allfeitlge und gründliche Kcr-vtniß des Hebräischen. Auf diesem Gebiete unterrichtet er Grammatik, Commentare, MenvrathHamaor, abwechselnd mit Olaloth Ephraksm'und SchulchanAruch. Seit 1857 mußte er wegen, vorgerückten Alters den Unterricht au der Elementarschule niederlegen (den Schreiber diese» mit übernommen). — Daß ein so berufstreuer Lehrer weder von dem akademischen Viertel Gebrauch macht, noch Störungen der Seminaristen, provocirt, um die Stunde verlassen zu können,- roch endlich jede Gelegenheit vom Zaune bricht, um auszusetzen — den.Schüler oder die Lehrstunde — das ist selbflredend. Und so muß es auch fein. Bor Allem müssen die Lehrer an einer solchen Anstalt, — sei ihnen ihr bescheiden Theil gewährt, oder aus großer Rückücht gegen Andere verwehrt-von der Liebe zur Sache' getrieben werden;' und nur di.e - Berufsfreudigkeit ist es, welche, wenn letzteres der Fall, .ten höheien Sporn verleihen muß, und selbst gegen Znlriguen und Fußangeln die schützende Kraft gibt. ES gibt der Räthsel noch mehr, die wunderbar im Gemüthc des.schlichten Menschen, besonders des geduldigen Lehrers, aufgelöst sind, an denen aber der lose-Schalk oder Weltsavorit sich bis-zum Blödsinn verrathet. Es gehört eine wabtt Lehrernatur dazu, sprechen zu können: Habe ich meine Kraft, die Gott und Menschen erfreut, verloren? Was soll ich mich Um das Gehölz kümmern?! Herr Cohen ist aber eine solche Lehrernatur, die aus Liebe und Eiier zum Lehren keine Zeit fand, um auf diese Fragen z: kommcin (Fortsetzung folgt.) K s l g x m e i n e s. Correfpondenz. Mannheim, 26. März 18W. Allgemeine deutsche Lehrerversammlung. Tie 14. allgemeine deutsche Lehrerversammlung hat begonnen. Zn den Räumen der größten Kirche Mannheims — der' TrrnitatiSkirche — feiern sicher 2000 deutsche Lehrer ein Fest, wie ein ähnliches wohl von Lehrern noch nicht gefeiert worden. Der große Raum ist überfüllt; auf fast allen Gesichtern thront Erhebung und Begetsterung. — Die Stadt Mannheim feiert dieses Fest mit den Lehrern. Sie hat ein festliches Gewand angezogen; fast alle.Häuser sind mit Fahnen geziert. Schon ver Empfang am Bahnhof, die großartige Fürsorge für die Unterbringung der vielen Gäste hat Manchen bis zu Thränen gerührt. Zn der Vorversammlung — gestern Abends um 8 Uhr — herrschte bereits ein rege.s Leben; eS wurde üb« die Wahl eines Präsidenten und der ersten Themate lebhaft debaltiit. Heute Morgen besuchten wir die Ausstellung von LehtMitteln. Eine prachtvolle Zusammenstellung. Die Verhandlungen sind ausführlich in dem Organ d« deutschen Lehrerversammlung — der allgem. deutschen Lehrerzeitung — zu lesen Wir geben nur ein kurzes Referat, die unmittelbarsten Eindrücke. Eben läutet die Glocke deS Präsidenten., Der Raum ist überfüllt. Der Oberbürgermeister ber Stadt bewillkommnet die Versammlung mit herzlichen und herrlichen Worten, die sich stützen auf die Freude, daß Alle kommen dürfen; die politische Einigung kann nur begründet und gefestigt werden durch die Einigung auf den Gebieten des WistenS und dn Bildung. Me geistige Einheit ist der Grundstein der politischen Hieraus sprach der Vorsitzende des Lokalcomite's ein Willkomm im Namen derselben; er hob den Sinn für Volksbildung in der früheren Churpfalz und in Baden — in Mannheim hervor. Stürme haben Mannheim manchmal niedergeworfen, doch die Volksbildung hat es wied« erhoben. Lehrer sind Pioniere der Volksbildung. des VolkSwohlS; denn diese wird nicht gegründet durch „Eisen und Blut." Dr. M. Schulze — der Vorsitzende des Ausschusses der allg. deutschen Lehrerversammlung — spricht seine Freude ans, so viele Männer versammelt zu sehen, und schlägt auf Beschluß der Vorversammlung Herrn Theodor Hoffmann zum Präsidenten, die Herren Direkär Schröder von Mannheim, I. Berthelt aus Dresden (den Redakteur der allgemeinen deutschen Lehrerzeitung) zu Viceprästdenten vor. Theodor Hoffmann übernimmt nun unter rauschendem Beifallruf der Versammlung den Vorsitz, und ertheilt zuerst Herrn Seminardirektor Scholz aus Breslau vas Wort, j zur Begrüßung der Versammlung im Namen der Breslauer Lehrer unv Lehrervereine. Hierai f tritt man in die Tagesordnung ein und ergreift zuerst daS Wort, Herr vr. Karl Schmidt, Schulrath und Seminar irektor aus Gotha, über das Thema: „waS hat die Schule zur Erweckung und zur Pflege der Vaterlandsliebe zu thun?" Er begründet seinen herrlichen Vortrag, (an dem nur eine gewiffe einseitig protestantische Färbung, die, beiläufig erwähnt, auch in dem ausgezeichneten nationalpädagogstchen Werk des vorzüglichen Redners: Die Geschichte der Pädagogik, nicht zu verkennen ist) mit den Worten: „Ans Vaterland, ans theure schließ dich an, das halte fest rc 2C.," spricht dann vom Charakter ber deutschen Nationalität, der individuelle Freiheit, Selbstbestimmung, zur Grundlage hat, und indem er als besten besondere Merkmale den deutschen Fleiß, die Treue, Wahrhaftigkeit, Gewissenhaftigkeit, religiösen Sinn bezeichnet, stellt er die Thesen auf: