Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 21 (21.5.1863)
- Date
- 1863-05-21
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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82 ..J. von Religion und Freiheit ihren völligen, uuverkümmerten Ausdruck findet, seinen Weg fortsetzen und vollenden. *) So möge renn eine zu wahrer Freiheit erzogene Jugend ein Geschlecht zeikigen, das jene-in besten Einklang mit einem, äußerlich wie innerlich frommen undgoltersüllten L.ben zu bringen, und so seine menschliche Bestimmung in vollkommenstem Sinne zu erfüllen verstehe! - Dr. M. Stern. Die Methode des Unterrichtes im Pentnteach. von Ä. Frank in Landau. (Fortsetzung ^nS Nr. 16.) Ein besonderes Augenmerk ift in der ersten Zeit darauf zu richten, den Schülerzu befähigen, .die Wurzel eines Wortes aufzusuchen und deren Bedeutung fcstzuhalten. Erst durch eine genaue Bekanntschaft, mit der Bedeutung recht vieler Wurzecwörter wird der Schüler im Stande sein, die Gesetze einer Sprache, ihre Formen und Bildungen zu verstehen Hier gilt das Wort des Dichters: „Nur die Fülle führt zur Klarheit, und im Abgrunds wohnt die Wahrheit.* Weiß der Schüler, daß -2^ bewahren; pflanzen, rtjn j weiden und mp versammeln beißt, so ist ihm leicht begreif-! lich zu machen, daß 1200 Gewahrsam, Pflanzung, njno Weide und mp2 Versammlung bezcechene und ist ihm ' bekannt, daß mp aufstchen und 2np heiligen bedeute, so wird er bald einsehen, O’pn heißt aufrichteü und v'ipn weiheu. ES muß dem Schüler, durch fortgesetzte Uebung fast zur Gewohnheit werden., bei jedem ihm unbekannten Worte die Wurzel auszusuchen und die Bebrütung derselben ' entweder vom Lehrer, oder aus einem Vokabularium zu er-! fahren Das wird auch sicher erreicht werden, wenn das Ucbersetzen in der Weise, wie ich es angegeben, behandelt wird. Dem Schüler wird nur die Bedeutung. eines Wortes! gegeben, das Wurzelwort, die Personen-, Zeit- und Zahlverhältnisse muß er selber auffinden; dann wird er durch geeignete Fragen: wer, wo, wohin, wann, wie, warum, weßhalb, womit, wodurch, wenn angeleiteit, einen Vers oder ernen Abschnitt nach seinem Zusammenhänge zu : übersetzen. Allmälig nehme man auch darauf Rücksicht,; daß der Schüler die Erweiterungen und Fortbildung der j Grundbedeutung eines Wortes verstehen lerne,' daß -er Synonymen aufsuche, figürliche Ausdrucke erkläre u. s. w Daß hier von Etvmologie in der eigentlichen Bedeutung dieses ' Wortes nicht die Rede sein kann, bedarf kaum der Erwähnung; aber, frage ich, wenn der Schüler däS Wort njy bald mit .antworten," bald .mit'„zeugen* und sogar mit „singen* und ,up mit .bereiten, erwerben und kaufen" wieder geben soll, muß ihm da Glicht klar gemacht werden, i wie sich eie verschiedenen Bedeutungen des einen Wortes ' auS der Grundbedeutung desselben herausgrbildet haben, und in welchem Zusammenhänge sie zu einander stehen? Wird nicht der Schüler selbst darauf. herzliche Fragen an den Lehrer richten und von ihm Ausschluß b gehren? Nenne man dieses Verfahren nur immerhin Umerricht in der •) Eine treffliche Behandlung dieses Themas, von der keiner Kenntniß zu nehmen verabsäumen sollte! findet sich in: Etein's Koheleth, Previgt: Ikelizion und Freiheit. . ' Etymologie, weiß es der Lehrer in der rechten Art und in dem rechten Maße anzuwenden, so hat er ein Mlttel in der Hand, daS Interesse d«S Schülers an dem Gegenstände zu wecken und seine ungekheilte Aufmerksamkeit während der ganzen Unterrichtszeit zu fcsieln. Man denke sich, welches j Leben, welche geistige Regsamkeit in eine Unterichtsstunoe! gebracht wird, wenn balv nach dem Wurzclwortc und seiner; Grundbedeutung gefragt, bald die Entwicklung unv Fortbildung j dieses Grundbegriffes erforscht wird; wenn der Eine sinn- | verwandte Wörter angeben, der Andere einen uneigentlichen 1 Ausdruck, ein Dritter eine Worlform rc erklären soll! Da j sind alle Klassen beschäftigt, jeder Schüler wird zum Nachi denken, zum Vergleichen herauszcfordert und seine Liebe zu j dem Lehrobjekte wächst in dstn Maße, als seine Kenntnisse ' in demselben zunehmen. Ueber diese sprachlichen Excursionen vergesse aber der Lehrer den eigentlichen Zweck seine« Unterrichtes nicht — die logische Auffassung ckes Schrifttextes. Das'Sprachliche ift unr Mittel zu diesem Zwecke. Dieses Mittel darf auch nur insoweit angewenoet werden, als es seinen Zweck wirk-, lich befördert. Jedes Wort aber zergliedern und erklären wollen, würde bas Kind mehr verwirren, als belehren: e« würde vor lauter. Bäumen den Wald nicht sehen. Es ist daher gut, wenn beim Uebersetzen eines Kapitels in der ersten Stunde mehr das sprachliche Element berücksichtigt wird; in der der Wiederholung gewidmeten Stunde aber sehe man lediglich aus den Inhalt und daS richtige Verständniß desselben von Leiten des Kindes. (Fortsetzung folgt.) & f ( ge m e 1 n c s. Correspondenz Neustadt a. d. Haardt, «>. Mai. Ich komme eben von einer rührenden Leichenfeier zurück, und so sehr ick ein Feind aller Ostentation, namentlich in israel. Angelegenheiten, bin, so drängt es mich,' theils aus eigenem Antriebe, theils auf den Wunsch anderer Anwesenden, ein Wort über dieselbe in Ihrem in der Pfalz viel gelesenen, wenn auck noch lange nickt genug gehaltenen Blatte nieterzulegen. Wir geleiteten zur ewigen Rübe die sterbliche Hülle einer kaum 2ljährigen Jungsrau, Mathilde Bloch, ach! am Vorabende des Tag>!s ps'y:: j'p), der sie, die liebende und geliebte Braut, mit dem Manne ihrer Wahl , durch das Band der Ehe vereinigen sollte. Ein unabsehbarer Leichenzu« bewegte sich durch die Straßen der Stadt, unter dem feierlichen Geläute der Glocken, die von dem Presbyterium bereitwillig zugestanden waren. Nicht nur die Beamten der Stakt und die besten Bürger, sondern auch die beiden protestantischen und der katholische Geistliche, im Ornate, erwiesen der Israelitin die lebte Ehre. Der israel. Friedhof der Stadt — ein anderes Zeichen der Einigkeit — liegt mit dem christlichen in einer Umfriedigung, nur durch ein paar Latten abgegrenzt. Am Grabe, das von den Jungfrauen der Stadt umgeben war, brächte der städtische Gesang- ' verein der früh Geschiedenen den Zoll seiner Verehrung in erhebenden Tönen dar, und die Leichenrede des Bezirksrabbiners Dr. Grünebaum aus Landau, klassisch gedacht und gefühlvoll vorgetragen, krönte würdig die rührende Feier. So ist in unsrer schönen Pfalz schon manche Sckrankt gefallen zwischen Ehrist und Jude, schon manches Vorurtheil! geschwunden, und wird mit Gottes Hilfe täglich noch mehr be-! festigt werden. Dabei muß aber der Wahrheit die Ehre ge- '. geben und anerkannt werden, daß die sämmtlichen Israeliten