Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 20 (14.5.1863)
- Date
- 1863-05-14
- Page
- Seite 79 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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79 Mikrologie und führt das Ceremonienmachen auf seine wahre Bedeutung zurück. Aber I. P. spricht zu allen Zeiten über das jüdische Ceremoizienwesen mit philosophischer Würde. So auch S. 195 in Betreff der jüdischen Trauergebräuche (E. trauerte nämlich über den Tod seiner Mutter): „Mein U. bat mir Ihre Nachtqualen erzählt, mit welchen wahrscheinlich Ihr Religionsvolk die tieferen Qualen übertäuben will." S. 23 gibt E. die Bedeutung der Zahl 13 im Judenthum an, wahrscheinlich um — vielleicht aus Veranlassung einer speciellen Anfrage — die ominöse Bedeutung dieser Zahl im Christenthum zu widerlegen. Er führt an t „der Zahlenwerth des Worts IN»« (Einheit Gottes bedeutend) ist gleich 13; die Haupteigenschaften Gottes nno i*’ sind 13 (2. B. Mos. 34, (> und 7); 13 Hauptregeln zur Erlernung (Auslegung) .es Gesetzes; 13 Jahre macheii den Juden (als Juden) majorene (msa *o); 13 Glaubensartikel nach Maimonides." Der jüdische Aberglaube christelt in unseren Tagen noch häufig in ominöser Furcht vor dieser Zahl. S. 40 erörtert E. den jüdtsck-theologischcn Glaubenssatz nitfj/03 ob und wo die Absicht zur Ausführung einer Handlung der Ausführung selbst gleich zu achten iei, oder nicht. E. provocirt I. P's. Ansicht hierüber, die sich aber nickt vornndet. S. 57 ff. finden sich agadische An- und Aussührunge». S. t>1 eine selbstständige Erklärung und geschickte Anwendung der arabischen Erzählung, - daß König Davids GeburtS- und Todestag gleichzeitig an einem und denselben Sabbat gewesen. „Daraus solgen wir," sagt E., daß große Menschen am lebten Geburtstag ihren ersten Ruhetag.feiern." li. Umschau. Hamburg, 27. April. Gestern Nachmittag fand das Leichenbegängniß des Qbergerichtsraths Dr. Gabriel Riesser unter so allgemeiner und lebhafter Theilnabme statt, daß dieselbe den ehrendsten Beweis von der großen Liebe und Achtung lieferte, worin der Dabingeschietene bei seinen Mitbürgern ohne Unterschied des Standes unk des Glaubenstand. Die Beerdigung erfolgte unter Beobachtung der jüdischen Ceremonien. Das Gefolge bestand aus etwa 130 Wagen. Der Senat war durch Herrn Bürgenneister Dr. Haller und mehrere jüngere Mitglieder verteilen. Ebenso erwiesen die Räthc des Ober- . gerichts, mehrere Mitglieder des Rietergerichts und Handelsgerichtes, eine große Zahl von Juristen, einige höhere Offiziere des Linienmilitärs rc. dem Verewigten die letzte Ehre. Außerdem hatten sich auch viele Theilnehmende zu Fuß um die Grabstätte versammelt. In Frankfurt, in den Räumen der Gesellschaft zur „ausgehenden Morgenröthe," deren Mitglied Riesser war, wird eine große Todkenfeier veranstaltet werdenund ist, wie uns mitgethcilt wird, vor einigen Tagen in einer zahlreichen Versammlung der geacdtetsten Israeliten daselbst beschlossen worden^ zu seinem Andenken und zur Verewigung seilles 'Namens eine Riessrrstistung, zu humanen Zwecken, im Geiste und Sinne deS Verewigten zu errichten, die demnächst, ins Leben treten wird *). — In Hamburg wurde am vergangenen Sams- *) Bei dieser Gelegenheit können wir ein« Bemerkung nickt zurückhalten, di«, wenn-«uch nicht in diesem speeicklen Falle, dock in einem andern ähnlichen vielleicht einmal Berücksichtigung finden möchte. Volksbildung ist di« Quelle alles Heils, und Humanität wird nur mit Biidung Hand in Hand geben. Diejenigen Anstalten ade«, in welcken gegenwärtig die Lehrer des Volkes unterrichtet, und für ihren erh ebenen Beruf vorg-bildet werden, find fast all« nicht dazu angethan/ für Humanität und Gewissensfreiheit begeisterte und ihre» Beruf« gewachsene Jünger des Lehramt» zu erzielen. Diese Anstalten sind zumeist in den Händen des Pfaffenthums, der jüdischen und chrlülichen Ultraorthodorie. Sollte nicht eine Anstalt zur Bildung von Volks-Lehrern in progressivem freiheitlichen Sinne ein« Stiftung sein, eines großen Mannes würdig? (Red.) tag (den 2. Mai) eine Eri nnerungsfeier im neuen Tempel gehalten; in Mainz hat, wi« wir hören, in einer sehr würdigen Denkrede Herr Dr. Aub denselben gefeiert, und wird dies wohl in den meisten Synagogen Deutschlands der Fall gewesen sein. So sagt auch die „Didaskal a:" daß nur durch die augenblickliche Vacänz des Rabbinats in Frankfurt der Vorstand der dortigen isracl. Gemeinde verhinder' war, eine ähnliche in der großen Svnagoge zu errichten. — So geht die Erkenntniß dessen, was uns Riesser war, durch all« Herzen. — Die jüdischen Soldaten in der österreichischen Armee. Im österreichischen Heere dienen im Ganzen etwa 42,1X10 Juden. Von diesen sind mehr als tiOO Offiziere oder Aerztc, die gleichfalls Offizicrsrang haben, und Militär-Rechnungsbeamte. Von den jüdischen Offizieren sind 2 Majore, 4 Rittmeister, 4 Hauptleut^, 15 Oberlieutenante und 34 UnterlieutenantS. Unter dem ärztlichen Personal: 20. Regimentsärzle, eine Charge, die den Juden erst seit 1848 zugänglich ist, und 51 Oberärzte; a»id> findet man jetzt schon in den Militär- Erziehungsinstituten jüdische Cadetten, die sich zu Offizieren heranbilden, und es auch werden, sobald sie ibre Befähigung hierzu berechtigt. Bekannt ist. daß der Kaiser vor zebn Jahren einen jüdischen Feldwel vor der Fronte des Regiments zum Oberlieutenant beförderte. Die österreichischen Blätter berichten, daß das zu erwartende Landesstatut für das Lombardisck-venetiauische Königreich die volle Religionsfreibe t aussprccken wird „Ben-Chananjah" welche» dargetban ist, in .'ringt eine Reihe von Artikeln, in wie arge Zerwürinisse die bis vor, ganz kurzer Zeit so anscheinend in sriedli.tster Weise fortschreitende Gemeinde P e st h — die beiläufig gesagt, circa 12,<x x> jüdische Seelen zählen mag, gekommen ist. Der nach einem vor einigen Jahren entworfenen Statut ^gewählte Vorstand und Ausschuß ist zurückgctrctsn, da seine Wam vom Stadthaltereiratb dcßbalb als nicht leeal beanstandet wurde, weil jenes Statut nicht von dieser hohen 'Behörde anerkannt ist. Hinter diesen Vorgängen verbergen sich, wie behauptet ufird, allerhand mysteriöse Angebereien und Hetzereien gegen den in t Energie und edler Begeisterung wirkenden Vorstand und insbesondere dessen edlen - Vorsitzenden Dr. Hirschlcr. I — Der „Publicist" berichtet aus Berlin: Ein junger Kaufmann, Sohn eines Beamten, hat seinen Angehörigen den Entschluß kundgegeb n, aus Liebe zu einer sehr reichen jungen Jüdin zum Jukentbum überyitretc». Alle Abmahnungen sind bis jetzt erfolglos'geblieben. Dem Orientalisten Hrn. Professor Weil in Heidelberg wurde in Anerkennung seinr Verdienste um die muselmännische Geschickte von dem König«! xon Italien das Ritterkreuz des St. Moriz- und Lazarusordens verlieh:n. Zugleich ist dem berühmten Orientalisten' einT'thrstuhl in lleapel anzeboten worden.! (Bad. L.) — Stach neueren Mittyeilingen >at die Frau, welche in Ferrara mit ihren beiden Söhnai im 5 loster war, diesen Aufenthaltsort am 17. März wied:r -reiw llig ausgesucht. Es ist also hier nickt Gewalt,, srnd'rn höchstens wohl Verführung wirksam gewesen und der Gegeistand bot keine begründete Ver-s anlassung zu obrigkeitlichem ^Eiischreit«». — In Jerusalem erscheint jetzt eine hebräiscke Zeitschrift „Halebanon," dexen zweite Nunmer ,-reitS vorliegt. Dieselbe enthält viele Mittheilungen übei das Leben unserer Brüder im heil. Lande; dieselben sind jedoch «n keinem belangreichen Jnterösse für unsere Leser, da sie voiz ciirm C llturauslchwunge derselbe» kein Zengniß ablegen. Der Chabam Bascki von Jerusalem hat unter sehr pompösen Ehreirbezeuzungtn vom Pascha den Ferman des Sultans empfanget de: il)n| zum Cbackam Baschi des ganzen heiligen Landes ernannte. l