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Der israelitische Lehrer · 1863-05-14 · 20 (14.5.1863) · p. Seite 78

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
20 (14.5.1863)
Date
1863-05-14
Page
Seite 78 (sequence 2)
Language
German
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78 seinen Schülern, und während „Vieser und jener" auf der Straße sich ihrer, rntschlageu mochte, sah man Haindorf vertraulich im Gespräche mit einem oder mehreren seiner Schüler auf der Straße oder in der Promenade daher wandeln. Es war ihm, wie man sagt, etwas daran gelegen, und auf der Leiter des Glückes hoch gestiegen, behielt er Herz und Sinn für diejenigen, rieda unten geblieben; wohl wissend, daß das, was in dem Menschen ist, und nicht, was der wandelbare Zufall ihm launisch zugeworfen, als Äaßstab der Wcrthschätznng gelten sollte. Vielleicht mochte er sich gern in manchem Seminaristen verjüngt Wiedersehen, und chm im Stillen einen so glücklichen Lebenskampf wünschen. (Fortsetzung folgt ) < ' 91 eceitfto it. Jean Paul's Briefwechsel mit seinem freundeEmqnuelOsmund. 1. Band der Denkwürdigkeiten aus hem Leben von I. P. F. Richter, zur Feier seines lOOfährigen Geburtstags *).HerauSgegebenvonErnst Förster. München 1863. E. A. Fleiscbmann's Buchhandlung (A. Rohsold). Ein.jüdisches Journal dari den angezeigten Briefwechsel nickt übersehen, am wenigsten ein vorzüglich für Lehrer bestimmtes, denen das-Buch selbst vielleicht nicht immer znGebote steht. Selbst wenn in anderen Organen schon genug des allgemein Anziehenden von diesem Buche mitgetbeUt. worein, um zur Lektüre i des Buches selbst an ruregen: so d ürfte dock auch für uns iwch eine > specisisch lüdiscke Ausbeute übrig bleiben. Denn „Emanuel," 1 mit seinem späteren Familien-Ramen „Osmund" genannt, war - ein Jude, mit Jean Paul in Bayreuth zusammenlebend. Das ganze Verbältniß, wie der cigenthümlicke Charakter des Brief- Wechsels rwiscken Jean Paul und Emanu.l ist ein besonderes, wir möchten sagen: „jütisch" herzliches. ' Weim. auch riclleichl eine ebenso grobe Freundschaft, eine ebensogroße Herzlichkeitgibt sich nickt kund in dem im 2. Bande bergegebenen Briefwechsel Jean Pauls mit. seinen Freunden Oettel und Thieriot. Zu dieser Herzlichkeit bat daher wobl sicherlich Emanuel die größere Bcranlassunz geboten. 'Wir erkennen aus dem Inhalt der Briese, daß Emanuel's Petstandes.bildung'durchaus nicht vernachlässigt gewesen. Wir möchten daher für unsxre Zelt daran die Mahnung knüpfen, auch die Bildung des'Herzens nicht zu; sebr gegen die Bildung des Verstandes, zu vernachlässigen. Es betrifft diese Bemerkung zwar-die allgemeine Richtung unserer Zeit, aber wir glauben ein Reckt zu haben; ganz besonders zu betonen, daß für die Herzensbildung beut zu Tage zu wenig, sowohl in den Sckulen, wie in den Häusern-der Juten geschieht. , Eine solche Freundschaft, wie. die von Iran Paul und Emanuel, ist auck in unserer Zeit zwilchen Juden und Christen noch selten und darum für jene Zeit um so bedeutungsvoller. Selbst die Freundschaft zwischen Mendelssohn und L«jsinz,-venn auch in wissenschaftlicher Beziehung von größeren Folgen begleitet, will dock in-socialer Beziehung nicht so.viel bleuten, Jveil M. und L. sich durch Stand und Streben umher standen, Daß ein gewöhnlicher Jude, ein einfacher' Geschäftsmann damaliger Zeit, fähig war, der Freund Jean Paul'S zu werden und eine fortgesetzte Correspondenz mit ihm zu unterhalten, spricht fast noch günstiger für den Juten, als für Jean Paul; obgleich-damit an Jean Paul's Verdienst und Anerkennung'nichts geschmälert werden soll. Gehen wir nun auch auf die Briefe etwas näher ein. Von Emanuel's Kenntniß der Menschen und Zeit, wie freisinnigem Uriheil darüber, lieft man Sefte 6. Er spricht von der Reujahrszratulation: „Auch ich denke mir beim Reuen Jabr nicht mehr, auch nickt? weniger, als Sie. Inzwischen laffen sich, außer der Abmarkung der Zeit, doch noch einige andere Abfich¬ •) Leiber verspätet. (Red.) . . ten bei dem Tage veraussehen. So hat er einen offenbaren stutzen für Landesherren, die ihren Dienern keine Besoldungen, aber dafür die Erlanbnttz geben, die aast ersten Tage des Jahres betteln zn gehen, — ober mit anderen Worten, zum Neuen Jadrr zn gratuliren. Sollen sich nun die Leute des Bettelns schämen, wenn es von hoher Obrfgkeft als Besoldung dekretirt wird? Die Oberen sahen, daß es gut sei; und es ward Abend und Morgen am Neuen Jahre 1745; und -wird wohl noch lange so bleiben. Auch dazu sind Neujahrswünsche gut, daß die Menschen Gelegenheit erhalten, sich gegenseitig einen kleinen Beweis ihrer Falschheit zu geben, woz» sich außerdem eine passende Veranlassung nicht immer finden dürfte. Möglich freilich auch, daß sich die Meisten nicht mebr dabei denken, als beim Vaterunser,, das ste nach Vorschrift oder Gewohnheit hersagen." „Vor ungefähr vier Jahren ging eine Prinzessin hier durch, die an einen Prinzen von Sachsen verheirathet, und mit der viel Kinderei am Hof bei der Uebergabe gemacht wurde. Sie werden mir nicht zutrauen, daß ich mich in das Drängen und Treiben, eine Prinzessin ganz in der Nähe zu sehen, gemischt habe. Die Geburt gibt meiner Meinung nach nur deu einen Vorzug, wenn die damit verbundene größere Freiheit nur zum Guten benutzt wird. An sich hat sie keinen.Werth." Daran knüpft E. die Rechtfertigung des talmudischen Grundsatzes : 5^1 rnupn byiv Dipan b; h., daß der durch Bekämpfung seiner Schwachheiten und Leidenschaften zum Engel gewordene Mensch bei Gott höher stehe als der ursprünglich gerechte, gleichsam als Engel aeborne Mensch. I. P. replicirt dagegen S. 11: „Ich glaube das Gegentbeil. Gott selber ist,i aber wird nicht heilig oder vollkommen. Zweitens besteht die moralische Kraft so wenig in Besiegung der unmoralischen, alS die Gesundheit in der Bekämpfung der Rrankbeitsmaterie; sondern wie die Gesundheit am größten ist ohne Anlaß zum Bekämpfen, so ist Tugend ohne Anlaß zum Siegen, d. h. ohne ^Angriffe des Lasters, ohne anfallende kleine Laster, am größten. Entlich, wenn angeborne Tugendtriebe kein Lob verdienen, so verdienen auch angeborne Lasterttiebe keinen Tadel." j-, Dem jüdisch-cerenfoniellen Leben blieb E. selbst I. P. gegenüber tteu. Er sagt tarüber S. 25: „Ich schäme mich nicht, die kleinste und lächerlichste Cereiüonie in Gegenwart eines jeden christlichen Philosophen zu verrichten; ich mache auch alles, was nickt moralisch schädlich ist, mit und sebe eS gern, wenn ich darüber zur Rede gestellt werde. Bin ich auch als Jud gezwungen, vieles mitzumachen, so ist dock das Denken keine» Zwang unterworfen." S. 18: „Vor allem bedenken Sie, daß der Talmudist eine Gri ßc darin sucht, die äußerste Grenze' eineS jeden Dings nicht nur„ sondern einen jeden Weg aus weitester Entfernung zu dieser Frenze aufzusuchen, und in der Uebertretung eines ganz unbedeutenden Gesetzes schon die Verletzung des wichtigsten vorauszusehen." I. P. vettheidigt S. 15 die talmudischen Ceremonien: „Sobald einmal z. B. der Glaube znläsfig ist, daß ein Todter verunreinige: so muß der Talmudist doch die Greußen dieser Verunreinigung untersuchen' dürfen. Die Wahl des Zeichens ist aleickgiltig, da jede- Körperliche gleich weit vom Geistigen abstehl. Ihre Religion überholt darin unsere, daß sie keine einzige theoretische Unbegreiflichkeit und Kontradiktiou wie unsere fordert. Ein Philosoph kann leichter ein Talmudist als ein Otthodor sein. Gerade Religionen und- Völker mit vielen, scharf abgeschnsttenen Ceremonien verwittern später im Wind und Wetter der Jahrhundette, als andere mit wenigen Ceremonien: so die Sintoscr, Braminen, Katholiken, Juden — je näher aber eine Religion (wie die reformiere) der Philosophie kommt, desto öfter ändett sie, wie die Philosophie selber, Körper und Klett." S. 19 ff. dagegen tadelt I. P. die talmudische i

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