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Der israelitische Lehrer · 1863-05-14 · 20 (14.5.1863) · p. Seite 80

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
20 (14.5.1863)
Date
1863-05-14
Page
Seite 80 (sequence 4)
Language
German
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80 Irrwege. (Sin Lebensbild von I.. K. (Fortsetzung.). Oit liegt die Ahnung eineS großen.Unglücks wie Gewitterschwüle aus unserem Gemüthe; wir wissenkeinen Au-druck dafür, wir wissen nickt, weder cs kommen kann; wenn es nun hereinbrickt mit Mackt, urplötzlich, dann -ist es, als fiele ein Schleier von unserm innern Auga; wir haben längst gefühlt, daß und woher cs kcmmen mußte. . Reka und Christen hatten all« Hindernisse , die sich ihrer Verbindung entgegensetzten, überwunden. Die Leidenschaft, das Glück, das aus der Befriedigung derselben aus;nströmen sckien, hatte alle anderen Gefühlsströmungen gedämmt, 'und doch fühlten sie, wie ein Schatten das ganze Gebäude dieses schwindelnden Glücksbaues um dämmertet, er lag so nahe, und doch konnten sie ihn nicht hascken. ..... Jetzt, als Christian den überwältigenden Einfluß des jüdischen Gottesdienstes auf das Gemütb seiner Reka.erkannte, ward es ibm klar, daß der Wabn: „die. Mackt der Liebe habe die Mackt der Religion überwältigt^ eine Täuschung war, daß diese mäcktige Stimme nur betäubt, nickt erstickt werden konnte. Lange stand Reka unter der Thüre des Gotteshauses, und der unausspreckliche Jammer ihres Herzens erpreßte ibr eine Fluty von Tbränen. — So hatte sie die fromme Mutter, das elterliche Haus vergessen können, daß selbst-an diesem heiligsten Abende keine Erinnerung sie in die feierlich erleuchteten theueren Räume geführt haben würde, wenn nicht der Zufall oder der Finger Gottes sie geleitet hätte! Eben eilt ihre fromme Mutter, eilen ibre Brüter zum Gotteshaus«, niedergedrückt von Schmerz um die verlorne Tockter und Sckweftcr, niedergedrückt von der Schande und vielleicht auch dem Hohne so mancher Feinde! Alle, alle kehren sie heute ein im Hause des himmlischen Vaters; nur ihr ist die Rückkehr verscklossen, sie kann nicht mehr heimkehren, nickt ' in das irdische, nickt in das himmlische Vaterhaus, bis dieses so scknellscklagende Herz zur Rübe gegangen... .Mancher Vorübereilende erblickte wohl.die in sich gekehrte Gestalt in der dunklen EingaNgsnffibe, aber Keiner war unter ihnen, der bier rastete;' Alle, .alle-eilten beflügelten Schrittes' dem erleuckteten Hause zu^dessen Pferten sich heute soweit geöffnet hatten, um Einlaß zu bieten allen seinen Kinder«;; nur hier, in ihrer Nähe, war Dunkel und Einsamkeit, wie cs dunkel war in idr — kein Sternlein mehr, das flammte. Tort an der Thüre des gegenüberstebenden Hauses ffiand 'wohl der Mann, .um deistnwillen sie dies alles verlassen' und hingewonen hatte; ob er das Dpier ahnte und würtigte; ob.er ihre Gesüble schonen -»oder auck die letzte Erinnerung hr entreißen möckte?! Dieser Mann ist das einige, was sie gerettet aus dem Sckiffbrucke ihrer Jugend; alles, alles bin-; selbst die Erinnerung?! Wird er es begreifen, ersetzen!? ' -- . Cbristian ließ sie ihren Eckmerz nustoben;. wenn er auck die Größe desselben nicht begrisen konnte, wenn er auch den Vorsatz hatte, diese „närriscken Ideen,', diese Liebe zum Judenthume mit Gewalt zu unterdrücken, weil er sein einstiges Haus nickt zu einem „Judenhaus' nachen wollte,, so hielt ihn doch eine gewisie Sckeu ab. den frifhen Schmerz, der so urplöhlick, so. gewaltsam Ausbruch gesundem hatte., zu schmähen. Litt sie ja Alles um. seinetwillen! hatt sie ihm sa sonst Alles geopfert; warum sollte er ibr nickt dies einemal noch die Erinnerung ichnnen? Wird es'ibm doch leckt werden, ihr auch, die „Judenachen" aus dem Kopte zu trebrn. Lange wandelte Cbristian vor der Thüre der Gotteshauses aus und ab, ohne sie zu stören. — Als der Vorbeter mit den Wotten begann: -|fcO "p** rfrSH $ÜW „Erhörer des Gebets, zu Dir kommt alles Flcisck,' da ermannte sich Reka, und zu Christian zurückkehrcnd, bat sie denselben, mit ihr in lihre Wohnung zurückzugehen. Schweigend und in fick gekehrt, ging sie an seiner Seite. Auch deS andern Tags sprach sie wenig, aß gar nickts.— Es dauerte noch einige Wochen, bis sie sich einschifften. Reka war anfänglich wie eine Träumende, aber nach und nach erholte sie sich äußerlich, da Christian sie mit Liebe und Sorgfalt umgab.. Vor ihrer Einschiffung wurden sie nach amerikanischen, Gesetzen von einem Consul getraut! Alsie getraut war, sprach Christian: nun ist's gut! nun liegt alles Alte hinter uns, und Niemand soll es wagen, uns fernerhin an Vergangenes zu mabnen. — Auck das war eine Täuschung. Gerade, als sie im Begriffe waren, sich einzuschiffcn, empfingen sic einen Brief von einem Freunde zu Haus, der sie bei ibrer Abreise begleitet hatte, und der ibnen nun uisier andern Mittheilungen auch die Nachricht vom Tode der Frau Wohl brachle.- Reka's Her; blutete von Neuem; sie war trostlos, denn sie fühlte sich Sckiuld an diesem Tode ihrer Mutter. Aber sie hatte schon gelernr, ihre Schmerzen vor ihrem Manne zu bergen, der sie nickt begriff. — So soll denn alles diesseits des Meeres begraben sein, daß kein Gedanke mehr hcrüberfliegt! — (Fortsetzung folgt.) Ä n zeig e n. Annonce. Tie hiesige israelitische Lehrer- und Vorsänger-Stelle mit dem firen Gehalt von 3< W fl. nebst freier Wohnung, außerdem Nebcneinkünsten, ist zu besetzen, und kann sofort bezogen werden. Reflcctaiiten haben sich mit Zeugnissen bei dem Unterzeichneten Vorstände zu melden. Auf francirte Anfrage werden wir die gelvünsckte nähere Mittheilung abgeben. Mainzlar bei Gießen, JG. April 1863. Der israelitische Vorstand: _Kann_ Unter der Presse befindet sich und wird nächstens bei Ernst Kern in Oppenheim ei scheinen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen sein Erlies Lese- und Hleberschungsöuch im Hebräischen fstr israelitische Kinder von J. Kliiig-enstein. Preis, geb. 9 kr. — 2«/» Egr. Diese (Tibet und) Lese- und Uebersctzungsübung verbindende, im Geiste von des Herausgebers „Unterricht im Hebräischen, methodische Anleitung für israel. Lehrer und die es werden wollen' gearbeitele Schrift wird nicht verfehlen, i« der Schulwelt Anerkennung zu finden, und ist, wie Sachverständige behaupten, einer baldigen Linfübrung in die Schulen aller denkenden und metbodisch unterrichtenden Lebrer sicher._ Zur A acdrich 1. Da auf fast allen deutschen Eisenbahnen die Fahrpreis« für die Besucher der allgemeinen deutschen Lehrerversammlung in Mannbcim bedeutend ermäßigt worden, so werden alle diejenigen, welche von dieser Ermäßigung Gebrauch machen wollen, ausgefrrdert, sich die dazu nötbigen LegitimutionSkarteu bei dem „Lokalromitä für die 14. allgemeine deutsche Lebrerversammlung' in Mannheim zu erbitten. iberan iw örtlicher Revakreur: I. Klragenftein in Odern heim in Rheinhessen; Selbstverlag der Redaktion. Für de» Buchhandel: in Lomnisfion bei H. L. Fritzsch« in Leipzigs — Druck von I. G-ttsleben in Mainz. i

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