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Der israelitische Lehrer · 1863-05-14 · 20 (14.5.1863) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
20 (14.5.1863)
Date
1863-05-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jäbrltib 52 Nummern. Preis des Jabrgangs 1 Lhlr. — 1 fl. 45 fr. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband 2 fl. 12 kr. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Der A-imrlltiücke Lnzeizen zu 1 Lgr. die Pcr-ttki:«. Aufnahme in die Leheervacanz«nliste2 l^Sgr. Einsendungen eniweder direkt an den verantwortlichen Redakteur ♦ oder an die Verlagshandlung. Organ für die Schule, die Familie und das Gemeindeleben des Zudrntbums. Herausgegeben ' ' von I. Klingenftein, Ignaz Lehmann und A. ^reu. N°. 20. Mainz, den 14. Mai 1863. j(Dritter Jahrgang.) < Professor vr. Älerander Haindorf und das israelitische Lehrerseminar zu Münster. (Fortsetzung aus Nr. 18.) Nach diesen allgemeinen Erörterungen kehren wir zum Haindorf'schen Institute zurück. Die Seminaristen leben zusammen in einem Gebäude. Bei der Anwesenheit Haindorfs in Münster beaufsichtigte er selbst die Hausordnung; nunmehr machen die zunächst wohnenden Lehrer bisweilen Abendbesuche, um sich zu vergewissern, daß Alles in Ordnung hergehe. Die Frage, ob Seminaristen zusammen wohnen sollen, oder ob cs vorzuziehcn, daß sie in Privathäusern einzeln wohnen dürfen, ist von kompetenter Seite, von der Unterrichts commission im preußischen Abgeordneten-Hause, beantwortet wordm. Auch wir müsien uns entschieden für die Bejahung des letzteren TheileS der Frage erklären. Man bedenke das Alter der Seminaristen mit den rohen Kanten der Brauscjabre, die im Umgänge mit -ordentlichen Familien abgcschliffen werden, in der Absperrung aber noch schärfer hcrvortrctrn Warum traut man ihnen weniger als Gymnasiasten zu? re »Die Aussicht!" wird man entgegnen. Was helfen die wenigen Aufsichts-Augenblicke, wenn es an dem 8elk governement fehlt? Wer wollte denn auch jede über den Zaun der steifen Ordnung hinausschießende Ranke ängstlich - pedantisch abstutzen? Das Institut machte indeß das Zusammenleben in einem Gebäude nothwendig. Erstens: hätte daS Unterbringen der Zöglinge in Familien zu viele Kosten erfordert: zweitens : da die Wahl bei Israeliten nur eine beschränkte, wäre die Freizügigkeit eine unmögliche gewesen. Die Kost hatten die Seminaristen bis vor etwa acht Jahren außer dem Seminargebäute. Prof. Haintorf liebte nicht Verweichlichung, und so trug sich auch etwa« derbere Art in da« Leben des Seminars hinüber. Die Seminaristen schliefen auf einem Strvhsacke, mußten die Zimmer reinigen, die Oefen Heizen, Betten macken re., sie mußten sogar das Holz aus dem Hause des Professors holen, durch die Stadt zum Seminargebäude tragen. Es gewährte einen eigenthümlichen Anblick, so ein Dutzend Jünglinge in der Dämmerung im Gänsemarsch einhrrschrriten zu sehen, jeder mit einem Arm voll Brennholz bewaffnet. Welch ein Hallo, wenn dann auf Kommando des Vordermannes alle Haindorf'schen Sckülrr zum Entsetzen der Dahcrwandelnden die dicken Holzstückc auf das Pflaster warfen?! l i -Halte keine Arbeit für zu gering, sagt Sirach, denn Arbeit schändet nicht; aber in manchcr.Weise anfcrlcgt erniedrigt sie dennoch. Es lag so in der Weise des Professors, damit die Zöglinge sich an Dergleichen gewöhnen. konnten; aber es mußte tief verletzen, wenn etwa ein »Anderer," um seine Herrlichkeit fühlen zu taffen, vor Kindern, die doch von den Seminaristen Unterrichtet wurden, den wochebabendcn »Zögling" derbe abkanzelte oder gar bcohrfcigte, weil c.n Ofen nickt .gut oder zu stark geheizt war, oder hier und dort Dienst thun ließ, daß cs ein Stadtbewohner sehen kennte oder sollte. Solches sindindeß subalterne (8ud Interne) Schwachheiten und, wenn gnch p>.u.lich, doch erklärlich. 1 Dergleichen Ungchörigkeiten kommen indeß seit Jahren nicht mehr vor; unsere Seminaristen sind keine Gibconiten brauchen also weder Holzhauer noch Wasscrschöpfcr zu sein; der Besen ist zuvertäßigern und zwar weiblichen HändeU übergeben, ohne daß Jene darin ein Mißtrauensvotum erblickt hättcu. Das Brennmaterial wird geliefert, und sie brauchen auch in der Wintcrkälte nicht mehr den ersten Heizer zu machen. Die gute Einrichtung der Dienstmannschaft hat auch hier Nachahmung gefunden. Haindorf ließ eö sich sehr angelegen sein, einzelnen (bedürftigen) Zöglingen Privatstunden zuzuweiscn, zuweilen in sehr nobeln Familien, bei hochgestellten Militärs, Regicrungsräthen, Präsidenten re. Dieses warf Verdienst ab, und führte zugleich in gebildete Familien ein. DaS leibliche Wohl der Seminaristen suchte er dadurch zu heben, daß er einen Turnapparat auf dem Schulhofe angebracht hatte, und während der Sommerzeit häufiges Baden befahl. Die | Wasserscheuen wurden von den Andern mit Gewalt in die Ahr- (die eine halbe Stunde von Münster), gezogen. Mehrmal im Sommer machte die Schule einen gemeinschaftlichen Ausflug äuf Kosten des Dirigenten (nunmehr, wegen des Kostenpunktes, gestrichen durch milde, sparsame Hand). Ebenso führte er seine Schüler ein oder zweimal jeden Winter in das Cäcilien-Concert und gab auch wohl Billette »um Theater. Ueberhaupt lebte und verkehrte der Dirigent in innigem Verhältniffe mit I

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