Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 18 (30.4.1863)
- Date
- 1863-04-30
- Page
- Seite 71 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I 71 Aus Holstein, im April. Wundern Sie sich nicht, daß Sie auck von Hier, aus dem fernen Norden, wo eben nur in ÄUlona viele Juden wohnen, eine Nachricht empfangen. Die Kunde, daß Lehrer es unternommen haben, ein jüdisches Organ zu gründen, hat auch unö ergriffen und begeistert. Lehrer, im Bolke wurzelnd, in demselben wirkend, werden am besten wissen, was dem Bolke Notb thut. Lehrer werden den widrigen Parteikämpfen entgehen, die des JuLeythums Schaden waren von Anfang der. Lebrer werden uneigennützig das Wahre fördern, denn der Lebrerberuf läutert, und der Lehrer kann nicht eigennützig fein. Was Sic wollen? Wir begreifen es; möchte es allen Lehrern ' begreiflich werden. Sie wollen ein Volksblatt für Israel grüni den, um dem Volke zu zeigen, wo es fehlt, was ihm Noth thut, , damit das Volk den Lehrerstand, der Lehrerstand das Volk hebe. [ Wir sind überzeugt, daß Sie mit vielen Mühen zu kämpfen haben, und glauben nicht, daß Sie, mindestens jetzt schon — materielle Früchte Ihres segensreichen Schaffens genießen*) Doch n2 ">v"! Der „Israel Lehrer" bat eine große Zukunft. Lassen Sie mich Ihnen beute einige Mittheilungcn machen über die Organisation, die unför Gemeindeleben nach dem neuen Gesetz, das Sie schon erwähnten, empfangen hat. Wir haben bürgerlich dis volle Emancipation empfangen. Die veränderten Berfassungsbestimmungen, die im Anzüge sind **), werden auch politische Gleichstellung bringen. Was mögen dieguten Holsteiner denken von dieser Freiheit? Ich glaube, — meiner Eigenschaft als Deutscher ungeschadet — daß wir von! der Regierung Dänemarks Mehr zu erwarten haben, als von den deutsch-holsteinischen Ständen. Da ist noch manches Vorurtheil zu bckämpsen. Wir haben auck eine Gemeindeorganisation empfangen. — Freie Religionsübung ist gestattet. Jeder JSraelitc muß jedoch einer Rcligionsgememde angehören. Die jüdische Gerichtsbarkeit, die bisher noch hier — insbesondere in Altona üblich war, — ist aufgehoben; jedock behält der Rabbiner in Altona die Würde al» Oberhaupt der jüdischen Geistlichen des LandeS: Jede Gemeinde — oder mehrere zusammen wählen ihre Geistlichen, die regierungsseitlich bestättigt werden. Eben so müssen Gcmeinderegulativc und deren Funktionäre — die Beistände — von der Negierung bestättigt werden. — Für den ReligionSunterrickt wird ein Lehrbuch bestimmt und von der Regierung bestättigt werden, und bat vor der Entlaflunz aus der Schule — bei den Knaben zum 15., bei den Mädchen zum 14. Lebensjahre eine öffentliche Reliqionsprüfung in der Synagoge stattzusinden. Das hierüber auszustellente Zeugniß hat eine gesetzliche Wirkung, und ist vor jedem öffentlichen Akte — Ehe, Eidesleistung. Immatrikulation als Stukeud, Bürgerrecht — nöthig (ähnlich bei den Christen.) ***) Genug für heute. Und so Sie Gefallen daran finden, werden wir auch die anderen Theile dieses Gesetzes Ihnen bald mittheilen. (Wir bitten darum. Red.) ... N . . Umschau. — Es liegen uns zwei Schristchen vor, die von dem rühmlichen Streben aus dem Sckulgebiete in der jüdischen Gemeinde Berlins Zeugniß geben. Die eine, von Herrn Dr. Herrn a n n Bärwald, bespricht säistmtliche Unterrichts- und Erziehungsanstalten der jüdischen Gemeinde zu Berlin nach authentischen *1 Rein, wahrhaftig nicht! wir haben noch immer Opfer zu bringen. Möchte es doch bald erkannt werden I Red. ••) Sind da, werden aber noch manchen Kampf mit Deutschland veranlassen. Red. •**) Das ist ein Punkt, der die Gewissensfreiheit beeinträchtigt. Man scheint im Punkte der Gewissensfreiheit eben doch in Holstein etwas zurück lu sein. UnS ist diese ein höheres Gut, als. selbst öffentlich« Rechte für unsere Glaubensgjmoffen, und — kirchl. Organisation. Red. Ouellen in eingehender und klarer Darstellung. Die bedeutendsten dieser Anstalten sind: die Gemeinde - Knaben - und Mädchenschule, zwei, wenn auch getrennte so doch in gleichem Geiste wirkende Anstalten. Jen«, die Knabenschule, leitet ihren Ursprung aus sder aus Anregung Mendelssobns von David Friedlänter uitb' Daniel Jtzig gl gründeten >üdischen „Freischulr* (Armensckule), ,unö zeigt in ihscr Entwicklung auf bedeutende Männer bin, die in dem Culturleben des Judenthums des letzten Jahrhunderts überhaupt einen guten Klang haben —, auf Lazarus Bendßvid. Dr., Zunz u. A. Seitdem Herr Ä. Horwitz, der dmzeitiqe Direktor dieser Anstalt, die Leitung übernommen bat, ist die Eckulc zu ihrer jetzigen Bollendung gediehen, die sie als „höhere Volksschule* ckaracterisirt. ES wird darin von 17 Lehrern (darunter >! akademisch gebildete. 7 Elementar-, 1 Gesangs-, I Zeichnen- und 2 Durnlebrern) in allen Unterrichtsgegenstänten einer Elementarschule, dazu hebräisch, biblische und lüdiscke Geschichte. deutsche Litejratur. französisch und lateinisch unterrichtet. Die Schule wird jetzt von 566 Knaben besucht; dieselben find in 6 Stufen, von denen drei je einen ParallelcursuS haben, im Ganze» also in elf Klassen vertheilt. Die Gen eindc-Mädchcnsckule, von Herrn Direktor Engelmann tirigirt hat den Charakter einer Mittelschule .für Töchter. Unterricht wird in allen ElcmentarunterrichtSgegenständen, Uber auch in weiblichen Handarbeiteg und im französischen, sowie im hebr Lesen und Gebetüberietzcn ertb'eilt. An dieser Schule wirken > Lehrerinnen und 7 Lehrer, die Zadl der Schülerinnen ist J20. — Der Bericht des Herrn Dr. B. gebt dann über auf di( Religionsichulc der jüdischen Gemeinde, deren diesjäbriges Programm uns, von dem Dirigenten dieser Anstalt, Herrn Dr. Rosin ebenfalls gütigst mitgetheilt wurde. Zweck der Anstalt ist hiernach : „den Unterricht, welchen die beraüwachsende Jugend jüdischen Bekenntnisses in zahlreichen Lehranstalten der Stadt empfängt" I durch „eine'bildende Unterweisung, in der jüdischen Religion und in den Wisssnsgegenständen, weslche den Zusammenhang mit dem engen Kreise wer Glaubensgenossen erbalten und fördern," zu ergänzen. Die Zahl der (männl.) Schüler ist gegenwärtig: 61, welche in vier Klassen gctheilt sind, welche wöchentlich 4 bis 6 Stunden Unterricht clchalten. Die Zahl der Schülerinnen isi: 1 JO, wovon die drei unteren Klassen wkckew lich 4, die obere 5 Stunden Unterricht empfangen. Unterrichtet wird von 6 Lehrern einschließlich des Dirigenten Herrn Dr. Rosin in der Religionsledre, Geschichte Israels und Hebräisch. Der Bericht gibt Zeugniß vgn 'dem anerkennenswertben frommen Eifer und der Energie, wonsit den schlimmen jEinslüffen, die tasj segensreiche Wirken der Anstalt beeinträchtigen könnten, entgegen gearbeitet wird. Außer diesen Anstalten besitzt Berlin noch an jüdischen Lebr- und Erziehungsanstalten: Die Lehrcr-Äildungs-Anstalt, die wir eimtial einer besonder:n Besprechung zu unterziehen gedenken,! die Religionsschulc der jüdischen Reiermgemeinde — lo7 -löglinze, 'i Lehrer (die Prediger der Gemeinde Dr. Ritter und Dr. Oppenbeimer. Stunden wöchentlicher Unterricht, keim Hebräisch)'; die Tolmudunterrichtsanstalt; die Beitel- Heine-Epbraimische Lehranstali, 2 Waisenerzichungsanstaltcn, gegründet durch Baruch Anerbhch und die Moses Mendelsohns- Stistung!, „ein Ehrendenkmal,. welches die Berliner jüdisch« Gemejndt dem Andenken des großen Todtcn, an sciistm bundertjähriacn. Geburtstage, gesetzt hat." ' Wir können nickt ohne Anerkennung von diesen Gerichten scheiden. Erfreute uns schon die lichtvolle Darstellung, so erfreuten uns noch mehr die Thatsackcn selbst. Sic geben Zeugniß, dass man in Berlin das Judentbum der Gegenwart in den leitenden Kreisen begreift, und Anstalten fördert, die als drängende N tthwendigkeit gelten müssen, wofern eine jüdische Gemeinde Glicht die Brücke abbrechcn will, die aus trüber 'Vergangenheit über eine vielfach zerfahrene Gegenwart! in eine