Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 18 (30.4.1863)
- Date
- 1863-04-30
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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t- — 72 lichtvolle Zukunft führt. Die jübifchen Gemeinde-Schulen Berlins dürften unseren großen jüdischen Gemeinden Süddeutschlands zum Muster dienen. — Aus Polen wird berichtet, daß die (geheime)- Centralregierung die Israeliten zur. tbätigeren Theilnabme am Aufstand autgefordert hat. — - — Trauerkimde. S« eben, tri« Schluffe nnsere» vlottes, empfangen »kr die Trauerkunde »on dem am 22. d. erfalgte» Hiuschriden de» edelsten Korkümpfers für unsere Emanripati,«: vr. vudrisl Liennor kn Hamburg. Gin ausführlich^ dieses Mannes würdiger Nachruf erfolgt im nächsten Blatte. - Irrwege. Lin Lebensbild von I. K.^ . (Fortsetzung.) * Mit wachsendem Interessehatte die Zuhörerin die Erzählung ihres Gatten vernommen. Eie glaubte Stimmen zu vernehmen aus der Jugend -so vieler ihrer Genoffen. Sie ahnte die schrecklicben Ereignisse,. welche 'die Dulderin wieder an das Grab ihrer Eltern geführt, obwohl sie sie nicht kannte, und mit zartfühlender Sorge umgab, sie von jetzt ab die Kranke, die sie als Fremde in ihr Haus ausgenommen hatte, und deren Schicksal ihr ein so großä Interesse einflößte. Welches waren aber die Wege,- die sie.hierher zurückzeführt hatten? Rach einigen Tagen schon tonnte Reka einzelnes erzählen, und was wir von ihr erfahren haben— hier folge es. Wir müffen an da? bereits Erzähtte anknüpfen. Reka hatte sich in den ersten Tagen' ihres Brautstandes wahrhaft glücklich gefühlt. -Mit der Kraft, 'die weiblichen Gemüthern eigen ist, hatte sie die Leidenschaften sich zu bekämpfen gewähnt, und glaubte in der Zufriedenheit, in der Liebe der ihrigen reichen Ersatz zu finden. Ehrislian aber darbte anderst Schon am ersten Tage bestürmte er sie mit leidenschaftlichen Briefen; er wußte jene schon genannte Verwandte für sich einzunehmen, die die Vermittlerin der Briese und Zusammenkünfte wardj er verleumdete ihren Bräutigam, vorgebend. daß er sie nicht aus Liebe, sondern nur wegen ihres Vermögens beirathete; ,er benützte dir unbedachtsamcn Aeußernngen der Tantx, Um ihr den Glauben beizubringen, daß sie immer kn den Augen der ihrigen als Schuldige gelten würde. Wie leicht ist rin Mädchen, das in seinem eigenen Herzen die Leidenschaft, den ärgsten Feind nährt, irre geführt! Reka entflob. Wenige Tage nachihrer Flzicht kamen sie in eine großen , Hafenstadt, in welcher viele Juden wohnten. Reka glaubte den Kampf in ihrem Innern ansgekäm'pft.. Sie hatte in anscheinender Gleichgültigkeit mit'ihrer, ganzen Vergangenheit abgeschloffen. Was ui ihrem Innern verging bei jedem Schritt vorwärts, bei der Uebertretung? all der religiösen Gebräuche, die sie in ihrem elterlichen Hause zu üben gewohnt war, wer kann's ermeffen? wer erkennt .das menschliche Herz, seinen Jamj -«er und 'ein Jauchzen, wenn die Vergangenheit mit allen Freu- ' den von der Befriedigung längst zurückgehaltener Leidenschaft übertäubt wird? — In der schon genannten Stadt wollte Ehrii stian fick trauen lassen. Reka hatte noch nicht einmal die Tage [ gezählt, die seit ibrer Flucht^rgangen waren. Epen bereitete sie sich vor, um mit Christian sich dem amerikanischen Consul vorzustellcn, der sie anderen Tages trauen sollte. Als sie über die Straßen der volkreichen Stadt ging, — es war bereits spät am Abende — sah sie einige Männer- und Frauengestalten in feierlichem Anzuge vor ihr vorübereilen. Zuerst beachtete sie auch diese nicht; ihr Blick tauchte ziellos in die ihr ungewohnte Menschenmenge einer großen Stadt. Aber jene geputzten Gestalten wurde« zahlreicher, flüchtiger. Alle eilten sie ei«em Ziele zu. Es dämmerte vor ihrem Getächtniffc; sie erinnerte sich, welcher Tag heute sein mußte. — Da stand sie vor einem hellerleuchteten Gottteshause, nach welchem alle jene Gestalten wallfahrteten; schon erhoben sich feierlich klagende Töne von unübertreffbarer Weichheit in den Hallen, die, immer anschwellend, auch hinausdrangen, und das Her; des Hörers mit unnennbarem ahnungsvollem Wonne- und Schmerzgefiihl i bewegten. Rekas Arm zitierte in dem Ehristians. — Laß mich, rief sie, laß mich! Heute wollen wir nickt zum Consul; Morgen uns nicht trauen lassen! — Sich losreißend, stürzte sie hin an die Pforte de- Gotteshauses, aus dem die so feierlichen, ihr bekannten Töne entquollen. Ein Thränenstrom entstürzte ihren Nutzem Es war am Rüsttag zum Versöhnungstag — es war der Kolnidre Gottesdienst, zu dem sich die Besucher drängten. — Reka stand an der Schwelle der Synagoge, der sie entfloben... (Fortsetzung folgt.s % n } t_i_$ t n. Einladung zur Konferenz de» Vereins israel. Elementarlehrer für Westphale« und Rheinprovinz, .(zugleich: Generalversammlung der „Unterstützungskasse" des Vereins) > }n €ifin, am 27. und 28. Mai r. I Vorläufiger Versammlungsort: Württemberger Hof (Maier.i Tagesordnung: A. I) Bericht des Vorstandes über Angelegenheiten der Unterstützungskasse. 2) Beratbung über einige Zusatzrcsp Abänderung!!paragraphen zum Statute. B. * 1) lieber Stellen im Pentateuch, die aus pädagogischen Gründen beim Uebersetzen zu übergeben sind. Ref. Rüben. 2) Das Lesebuch in der jüdischen Schule. Ref. Sp er; Corref. Goldstein. ~ [ . 2») Die jüdische Geschichte in der nackbiblischcn Zeit. Ref. L ö b. Bemerkung. Beitrittserklärungen zur Unterstützungskasse 1 verden unter den statutenmäßigen Bedingungen ~ (88- 3 und 7) an den Abenden vom 26. bis 2S. Mai angenommen. Der Vorstand_ Bei dem Unterzeichneten ist zu haben: Kramers Klavierschule züm Selbstunterricht für 20 Sgr., Wurst'S zwei rste Schuljabre für t Rthlr. 20 Sgr. und Zun; deutsche Bibel für 20 «Sgr. Alle Werke schön gebunden, wie neu. Briefe franco.! Sendenhorst bei Münster in Westphalen. _It. Kronenberg, Lehreis. »sie Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters, welche nebst einem fixen Gehalte von 260 fl. noch bedeutende Gebühren abwirst, ist erledigt. Bewerber wollen ihre Anmel- - düngen richten an den ersten Rabbiner Herrn Dr. A u b in Mainz oder an den Vorstand der israel. Religionsgemeinde in Bretzenheim hei Mainz. Brantwortlicher Redakteur: I. Kltngensteln in. Odernheim in Rhein Hessen; Selbstverlag der Redaktion. Für dm Buchhandel: in Lommiifion bei 2. L. Fritzsche ln Leipzig. — Druck von I. KottSleben in Mainz.