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Der israelitische Lehrer · 1863-04-09 · 15 (9.4.1863) · p. Seite 58

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
15 (9.4.1863)
Date
1863-04-09
Page
Seite 58 (sequence 2)
Language
German
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58d f f g e m e i n e s. Correspn-udenj. GernSbrim, 27. Mär;. Wenn ich auch hoffen darf, daß eine geübtere Feder als dir Meinige eine Brfprrchung der in voriger 'Nummer erwähnten Versammlung von Rabbinen und Vorständen aus Hessen, welche aot 22. Mär; in Mainz stattfand, für diese Blätter liefern wird, so dürfte mir doch, als dem einzigen anwesenden Religionslebrerbesondere Veranlaffung geboten sein, einen Bericht zu liefern. Des Zusammenhanges wegen muß ich aber — wohl oder übel —7 auch die anderen Punkte der Verhandlung der Reihe nach aufführen: Diese betrafen: I) Die äußere Stellung der Synagoge dem Staate gegenüber. Il) Die innere Stellung tm Verhältnisse zu sich und ihren Bekenner». HI) Tie Schule und der Religionsunterricht, und IV) eventuelle Subvention sür Schule und Synagoge von Seiten des Staates. Man sieht, daß Schule und Religionsunterricht wohl auch von den Herrn Rabbinen und Vorständen nicht ganz vergessen wurden. Dennoch ist in der betreffenden Eipladung *) nur von Vorständen, Rabbinen und sonstizenRotablen **), nicht aber von einem Lebrer die Rede ***). ' Vertreten waren bei der;uv bestimmten Zeit (11 Uhr) beginnenden Beratbung folgente Stgdte: Main; durch den Vorstand und den beiden Rabbinen (Hrn.-Dr. Aub und Kahn); Alzey durch den Vorstand und Herrn.Dr. Rothschild; Bingen durch einen Vorstand; Worms: Vorstand und Herrn Dr. Rosenthal; Offenbach: Vorstand und Hrn. Dr.. Formsiecher; Darmstadt: Vorstand undHrn.Dr. i'andsberg yGießen: Vorstand undHrn. Dr. jur. Rosenfelk. Das Land war vertreten durch den Vorstand aus Michelstadt, Trebur und Gernsdeim und durch meine Wenigkeit. Nachtem das Formelle der Berathung,' die Empfangs- Anrede von Seiten des Präses nt Mainz, u. sw. beendet, und Herr Dr. jur Rosenfeld aus Gießen mm leitenden Präfidrnten der Versammlung erwählt -war, begann die eigentliche Berathung über die Art der Abstimmung. Es machten sich über diesen Punkt zwei verschiedene Ansichten geltend. Die Herren Rabbinen wollten die Abstimmung nach Rabbinaten, .wahrend von verschiedenen anderen Seiten eingewendet wurde, und zwar ganz besonders durch Herrn M. aus Al;ev. daß die Angelegenheiten, die unö hier versammelt habe, nicht Sache eines Rabbinats oder einer Gemeinde, sondern der gesammten Judenheit unseres Großherzogtbums sei. weßhalb aych nur eine Abstimmung nach *) Boa wem ging diese aus?' (Red.) **) Las verstehen die Herren unter Rotabeln? Wenn dies Wort hier «inen Sinn baben soll, so kann man darunter nur angesehene Männer versiebe». Unter Gebildeten gilt der Gebildete als solcher. Ss dürften daber Lebrer ng Rande sein, die auf diese Bezeichung ein eben so großes Anrecht haben, als irgend einer der dort Snwesenden. (Red.) '**•) Anmerkung des Einsenders. Ich muß hier gestehen, daß ich mir etwas verzagtem Herzen zu dieser Versammlung ging, (obwohl ich von meinem Vorstand« darum ersucht war) denn ich fürchtete, man möchte mir auf die Angabe meines Namens und Stitndes einfach sagen: „Es ist kein Lebrer eingeladen, und ist demnach auch hier kein Platz für Sie." Und beinah' batte sich diese sturckt' begründen können. Man höre! Der hochzeborne — Vorstand resp. die Abgeordneten des Städtchens B. traf« vor Beginn der Berathung. mit-einem in derselben Angelegenheit dabingefchickten hies. Borstandsmitgliedr zusammen. Auf die Frag« an denselben: Wer noch außer ihm ats Vertreter seiner Gemeinde zugegen sey? erwiderte derselbe: „Unser Lebrer." ’ „Wie, Gurt Lehrer?" war die erstaunt» Gegenrede, „wir kommt her dazu? Sagen Sie Ihrem Lehrer, er soll »ach Hause geben; er hat. bei dieser Versamnstung Nichts zu thu» Nachdem diise Herren nun noch unser Vorständsmittlied dahin zu gewinnen gesucht hatten,' „keinem Beschlüße bei«stimmen, der den Rabbi n en (!) oder Lehrern irgend ein Recht »inräume' glaubten sie wahrscheinlich den wichtigsten Theil ihrer-Mission erfüllt'zu baben, da ich bei den späteren Debatten keinen Redner «a* B. anmeldrn Härte. Köpfen am Platze sei. Diese Ansicht erhielt auch bei der daraus folgende« Abstimmung über die Abstimmuna den Sieg, lieber I. „Die äuße» Stellung der Synagoge dem Staate gegenüber,' wurde lange und viel debattirt. Es wurde dabei besonders der wm hoher Staatsregierung den Ständen vorgelegte Entwurf „zur Regelung der kirchlichen Verhältnisse! tm Staate," in welchem von geduldeten oder zugelassenen Religihnsgenoffenschaften dfe Rede ist, z» welchen auch wir uns zu zählen die Eyre hätten, besprochen. Man wollte nämlich von verl schiedenen Setten einwenden, daß die Juden zu einer Petition! in diesem Betreffe («4. 1.) gar keine Ursache hätten, da sie 1 dem Buchstaben nach ja völlig gleichgestellt seien, und erst, wenn man eine absichtliche Umgehung des Gesetzes Nachweisen könne, fei — man zur Beschwerde berechtigt. ES wurden itun verschiedene Fälle dieser Art hervorgehoben; und besonders waren es die obenerwähnten Ausdrücke „geduldet und zuzelassen," welche bei der nun erfolgten Abstimmung für eine Petition entschieden. Die Frage: ob dieselbe an Hohes Ministerium oder an die Ständekammer zu richten sei, rief ebenfalls wieder eine lebhafte Debatte hervor.! Die Herren Rabbinm wäre« znm größten Theilr für eine! Petition an das Ministerium. | Nachdem noch ein Vorschlag gemacht war, wonach man sich! an beide Stellen zugleich wenden sollte, entschied die Ahstimufung für eine Petition an die Stande. Es war bis dah:« Mittags '2 Uhr geworden, und ein Vorschlag des Herrn Dr. Aub vereinigte nun alle Anwesende zu! ein:m gemeinschaftlichen Mittagessen im „Raffauer Hof," welches! durch Gemüthlichkeit und angemessene Toaste gewürzt wurde.! Ungefähr um 4 Uhr begann die Versammlung ihre Be-! rathun'cn wieder mit II. „Die innere Stellung im Verhältnisse zu sich und ihren Bekenner«."' 'Nachdem lange und viel l über Synodal- And Presbyterialgegenüber einer Consistorial- - Verfassung gesprochen war, nachdem von Seiten inehrerer Vor- 1 stände, besonders des Herrn M. von Alzey, Herrn Dr. R. aus! Mainz u. Ä. m. gegen jede Einmischung in das religiöse Leben! des JudenthmnS*) und für eine ganz freie Entwickelung des- ' selben sich ausgesprochen; nachdem dagegen die Herren Rabbinen und besonders Herr Dr. Landsberg, Aub, Rothschild einer Sy«odalversassung ba0 Wort geredet, (Herr Dr. Rosenthal aus W. ' sprach sich unter den Rabbinen allein gegen eine Synodalversassung aus) nachdem ich noch hervorgehoben hatte, daß besonders zur Befferung und zeitgemäßen Belebung des religiösen Lebens aus dem Lande,: in Bezug auf den Gottesdienst u. s. w.j eine : Synode nothwendig sey, welcher die Jude« auf dem Laude . mehr Vertrauenschenken würden, als einem Einzelnen — wenn ] er auch von de« besten Willen beseelt sey — wurde beschlossen: i Diesen Punkt zur Ausarbeitung für eine der nächsten Versammlungen einer zu wählenden Commission zu übergehen. Bis hierher waren die Berathungen durch die warme TheUl nähme, die sich bei allen Fragen kunvgab, höchst anziehend und erfreulich. Sie bewies, daß das Judenthum noch wackere Männer genug besitze, bei denen das materielle Streben der Jetztzeit die Liebe für ihr heiliges Erbe nicht ausgeben lasse.! Anders war es jedoch bei ui. „Sckule und Retigjions- Unterricht." Während sich bei allen sühnen Debatten! ein eifriges Haschen! nach dem Worte kundgab, war auf eHnmal ' eine auffallende Lauheit eingetreten, so daß der Herr Präsident die Frage stelle» mußte: Wer über diesen Puatt da- Wott ergreifen wolle?!! . j *) Sine Systodalverfaffung kann das rellgiöse Leben der Gemeinde ganz frei sich entwickeln laffen. Aber ist das „Gebenlassen" nicht auch > oft ein absichtliches, u« den innere» Zerfall de- Judentbums herbeizuführeu? Eine Bejrtretung per Gisammtheit in solchen gemeinsame» rütgiösen Angelegenheiten, die nicht Sache der einzelnen Gemeindest sei» könne», ist unbedingt erforderlich. (Red )

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