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Der israelitische Lehrer · 1863-04-09 · 15 (9.4.1863) · p. Seite 59

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
15 (9.4.1863)
Date
1863-04-09
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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59 Lur theilweisen Entschuldiguizg dieses muß jedoch gesagt werden, daß die Zeit schön weit vorgeschritten war, daß viele der Anwesenden zu den sie in ihre Heimath führenden Lahnzügen eilen mußten, und deßhalb den Schluß der Debatten wünschten. Herr Dr. Aub sprach Eiuiges über die schlechte materielle Stellung der Lehrer u. s. f., worauf ich daS Wort ergriff und sagte: daß die materielle Stellung der Lehrer wohl Manches zu wünschen übrig ließe; daß aber die prekäre Stellung derselben «S weit mehr sei, was einer dringenden Abhilfe erheische; daß oft die besten und beruf-treuesten Lehrer ganz von der Laune eines launige« Vorstandes abhingen, uud daß, so lange diesem Uebel keine Abhilfe zu Thbil werde, jedes Streven nach einer inneren Kräftigung des Judenthums nutzlos sei; daß nur die Schule die einzige und wahre Pflanzstätte des religiösen Lebert, und daß nur durch eine Lesserstellung der Lehrer die Schule und somit das Judenthum gekräftigt werde, u. s. w. Herr Dr. R. (Präsident), der mir ein wirklicher Lehrerfreund zu sein scheint, hob dann hervor, daß mau' mit diesem Gegenstände, als dem wichtigsten, eigentlich hätte beginnen muffen, und daß jetzt die Zeit zur Besprechung desselben viel zu kurz sei, weßhalb er vorschlage, diesen Gegenstand ebenfalls einer Commission zur Ausarbeitung für die nächste Versammlung zu überweisen, welcher Vorschlag auch einstimmig angenommen wurde. Der vierte Punkt kam alzu dem ersten gehörig nicht zur weiteren Debatte. f Man schritt nun zur. Wahl der Commissionen,! und wurde beschlossen, daß für beide Gegenstände nur eine Commission ernannt. worin jedoch jede« Stand seinen Vertreter haben solle. 'Nachdem nun Herr Dr. Aub den Herrn Dr. Landsberg, Herr Dr. Landsberg den Herrn Dr Aub vorgeschlagen'hatten wurden für unseren Stand von Herrn Dr. Rothschild und Dr. LandSdcrg, Klingenstein und Nathan vorgrschlagen und im Allgemeinen zugestimmt. Alsbald Vorschläge sich gewiffe Köpf : zusammen streckten, und eine geheime Berathung um den Als die zur Commission vor den fand sich kein Ram Der Geist des hochgebornen bemerkte ich aber, wie! nach diesem Präsidentenstuhl herum stattfand, geschlagenen Namen verlesen wureineS Lehrers darunter.*) — Vorstandes zu B. hatte sich wahrscheinlich dock noch geltend gemacht. Wohl hätte ich im Interesse der Sache meine Empörung über diese Zurücksetzung unseres Standes ausgesprochen; allein es war hierzu keine Zeit mehr vorhanden. Mit einer neuen traurigen Erfahrung über das Undankbare unseres Berufes **) im Herzen, verließ auch ich den Saal. Hieraus ist zu entnehmen, was wir, die Lehrer, von dieser Versammlung zu erwarten haben. X. *) Das klingt ja fast unglaublich! Wie konnte man es wagen, in solcker Weise einen Beschluß der Versammlung wieder rückgängig zu machen, oder — zu umgehen? Wie durften Männer her Jetztzeit in solcher Weise ihre Mißachtung des iLehreiftandes bethätigea, dea - fit nicht kennen; wie konnten sie in solcher Weise die schon bei der Einladung io einseitiger Weise umgangenen Lehrer unv Landgemeinden — denn diese werden nur durch die Lehrer repräsentirt — aus der Commission hinaus «scamotirm? pst dies die Erkenntniß der Zeit, in welcher die Achtung und Hebung > des Lebrerstandes «in bewegendes Princip ist? Ich habe, als klementarlehrer, Gottlob »on diesen Herrn' weder etwas zu erwarten noch zu fürchten. Um so tiefer fühle ich das Schmachvolle dieser Behandlung. Doch, Geduld! Hoffentlich sind das die Männer nicht, die dem rollenden Rade der Zeit i» die Speichen greifen können. Doch — wir baien über dies« Versammlung, ihre Beschlüsse und über die Aufgabe der Cdmmisfion «och weitere Belichte zu «rwarten, und bis dabin. wollen wir! mit unserem Urtheiile »urückhalten. Dir Red. des israel. Lehrer. ••) Aber, mein Freund, der Beruf muß uns doch zu hoch steben, als daß in solcher Weis« ein Angriff aus denselben! gemache «erden könnte. (Red.) , u «r s eh a u. In Smyrna hat eine furchtbare Bewegung gegen hie Juden stattgesunden, welche man fälschlicher Weise des Raube» eine- Kinbü beschuldigte; Männer und Frauen mißhandelten ohne Unterschied alle Juden; die Behörden schrillen endltch ein und ließen dreißig der Rubestörer zur Hast bringen. — Der rühmlichst bekannte Prosessor Dr. W. Weffely in Prag ist von der bohen Regierung mit der Ausarbeitung eine- Cultusgemcinde-Statuts für Böhmen betraut worden. Die iSr. Lehrer Böhmens sehen besonders mit vertrauensvollem Blicke einem Elaborat entgegen. welches wiener svürdigc Mann liefert, der den Lehrern srüher nahe stand, und deren Stellung demselben gewiß nicht fremd ist. — Abs Philadelphia meldet Jew. Rec: In der Schlücht bei Marfr^esboro fiel der Major von der Cavallerie Rosengarten näch vielbewährtcr Tapferkeit und Hingebung für die Sache der Union. Er war Israelit und wurde nach jüdischem Ritus in Philadelphia begraben. Brüssel, März. Die Repräientantenkammer bat heute den Handelsvertrag mit der^Schweiz votirt. Dem Votum ging eine höchstinteressante Debatte über die Frage voraus: ot Belgien einen derartigen Vertrag mit einem Lande abschließen könne, wo ein Theil seiner Bürger. die Israeliten, in mehreren Cantonen nicht dieselben Rechte und Freiheiten betreffenden! Falls genössen, als die übrigen Belgier. In ihrem Bericht hatte bekanntlich die Centralsection den Wunsck ausgesprochen , die belgische Regierung möchte bei der Schweizer Bundesregierung Schritte thuns - um letztere zur politische» und socialen Emancipation der Israeliten zu bewegen. Mehrere Redner sprachen heute in demselben Sinne. Dagegen machten der Minister des Auswärtigen, Herr Rogier, und nach ihm mit noch muhr Energie der» Finanzminister Frere Drban geltend, wie gefährlich der Präcedenzsall sei. wollte die belgische Kammer auswärtige Staaten und ihre Institutionen vor ihr Forum.ziehen und beide einer Kritik unterwerfen. Wollte man die im Beruht der Centralsection ausgestellte Thesis als maßgegebend annehmen, so wäre jeder Vertrag, mit gleich viel welchem auswärtigen Staate, eine Unmöglichkeit. In Betreff der belgischen Israeliten, meinte der Minister, hätten sie ja das Recht, sollten, sie in der Schiveiz irgendwie ob ihrer Eigenschaft als Jsraelitey intcrpellirt werden, ganz einfach zu antworten: sie seien Belgier; und als solche keineswegs genöthigt, sich zu irgend einer Rcligionsgesellschaft zu bekennen oder derselben anzugehören.' Damit wurde die Debatte geschlossen.! 4-—---r f Irrwege. Ei» Lebensbild von I. K. j (Fortsetzung.) In derselben Nackt wurde Frau Wohl krank..- An ihrem Bette war Röka die treueste Tochter, die liebevolle Kranken- Wärterin. Es! war eine traurige Verstimmung der Geschwister unter einander leingetreten, da alle Reka als die Veranlassung zu dieser Krankheit anklagten. AlS diese einmal allein an dem Bette der kranken Mutter saß, erhob sich Frau Wohl, und fragte plötzlick: „Du liebst Christian?" > Reka fiel vor dem Bette der Mutter aus ihre Knice niedeic, i und bedeckte die Hände derselben mit brennenden Küssen. „O Mufsie.mit Lust groß gezogen habe, und Du sie ja selbst anfänglich - i I

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