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Der israelitische Lehrer · 1863-03-19 · 12 (19.3.1863) · p. Seite 47

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
12 (19.3.1863)
Date
1863-03-19
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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4 — 47 —.. aber die anderen Gemeinden schweigen dazu, ober billigen es gar im Stillen. Auffallender aber ist noch das stille Verhalten der Rabbiner, die, wenn sie anck für sich nicht ein Gleiches zu fürchten hätten, — jedoch das Böse findet leichter und schneller Nachahmung, als das Gute, — um ihres Amtes und der Sache willen hätten reden sollen. Sie redeten nicht; vielleicht aus Gründen, aus Rücksichten, oder auch, weil sie es dem Frankfurter Vorstande gegenüber doch für überflüssig hielten, der in acht geld-aristokratischem Stolze solchen Lumpen, die von den Gememden leben und abhängig sind, kein Gehör gegeben haben würde. Sie-redeten deßhalb nickt; man konnte denken: sie würden handeln, der Ark, daß der Geringste unter ihnen sick für z»l hoch hielte, dem Frankfurter Vorstände zu dienen, um durch Ablehnung dieser Stelle nicht blos Stein;, sondern den Rabbinern und Gemeinden, dem Judenthum überhaupt zu dienen. Da kommt Geiger, einer der Heroen unter den Rabbmern, auf den bis jetzt Judenheit und Judenthum stolz sein konnte , und läßt mit Bewußtsein seinen weiten Geist in die engen Fesseln jener berüchtigten Stein'schcn Instruction schlagen. Oder treibt er Trug mit dem Vorstande, indem er durch eine reservatio meutali« sich den Weg ausgesonnen, wie er die Instruction umgehen könne, oder Spott mit der Welt, indem er einen trügerischen Akt mit dem Vorstande geschlossen, der, um den Schein des Sieges zu retten, Geiger die Annahme der Instruktion zu erklären ansgegeben, während in' einer geheimen Elausel er sie fallen zu lassen versprochen? Alles schon da gewesen! Der Fortschritt liegt aber darin, daß Solches in unserer ^eit nicht mehr Vorkommen sollte. Ob Geiger durck Geld btwogen worden ist? Die Tausend Tbaler der Breslauer sind zwar zurückgewiesen, aber vielleicht durch Frankfurter Gulden erseht oder gar überboten wordc.: Wir leugnen nichts laß Geiger Gründe für Frankfurt und gegen Breslau iatl Aber aus diesem Wege durste er nicht nach Frankfurt kommen. Darum auf Franksurt: principiis obsta! Leg den Hemmschuh an, ehe der Wagen von Breslau aus;stch in Bewegung gesetzt hat. Ober/auf Breslau: suche Stein sür dich zu gewinnen -+■ mit gleichen Opfern, wie sie Dir Geiger werth gewesen! Er verdient es. — Aus Ungarn, im Febr. (Die Nationalitätenfrage und die Juden in Ungarn. — For/etzung.) Wenn nun einestheils nicht in Abrede gestellt werden kann, daß es die Aufgabe der israel. Volksschule Ungarns ist, sowohl die deutsche als magy. Sprache in unfern Elementaranstalten zu pflegen, so läßt sich doch andererseits die Wichtigkeit der letzteren gleichsam als diplomatische Sprache nickt verkennen, und dieser Umstand ist es, warum die Israeliten und insbesondere der ungar. israeltt. Verein - (Jzraelita Ma,var Egylct) mit aller Energie dahin strebt, der magyarischen Sprache I in Schule und Synagoge den ersten Platz zu verschaffen. * > I Wir würden unsere Verva.utisse nur oberflächlich skizziren, wollten wir die eine oder andere Gemeinde besonders lobend bervorhebcn, nachdem, die Stramelstädtc ausgenommen, sämmtliche Jsraelitcn Ungarns für den Magyarismns eingenommen sind. Das Gesagte bindert uns nicht die Bestrebungen des ungar. israel. Vereins (Jzraelita Magyar - Egylet) ,n erster Reihe zu stellen, da er es ist, der weder geistige noch materielle Opfer sckent, segensreich in weiten und engen «reisen zu wirken. Insbesondere ist cs die Schule und Synagoge, die der Verein als seine Hauptaufgabe ansieht und wurden in erster Richtung durch Abhaltung der ersten ungjar.,Landeslehrerconferenz, durch Herausgabe von Schulschristen, durch allwöchentlich stattsindende Vorlesungen in der Hauptstadt de!s Landes schon so manches Man wolle uns nicht mißverstehen. — Wir wollen die Synagoge nickt der beiligen Sprache entkleide«, wenn anders auch die magyarische in der Predigt ^illmälig sich Eingang in die Synagogen verschaffen wird und muß. r.. . Gute gewirkt. Ein so leben im Aufruf vom wackeren Rabbi Dr magyarischen Bibelübersetzung Notwendigkeit einer vaterländisch giösen Gesichtspunkte dar, und, materiell gefördert werken muß, mit 5>0 fl. eröffnet. Magyar Jzraelita erschienener Zipser zur Herausgabe einer stellt die Zweckmäßigkeit und jen Bibelübersetzung vom reli- >a vor allem das Unternehmen hat Sr. Hochwürden den Neigen (Fortsetzung folgt.) Umschau. — Schon in "Nr.: st unseres Blattes haben wir unser Bedauern ausgesprochen, daß der von uns in Nr. 7 erzählte Vorgang aus Sceheim in politische: Blätter übergegangen ist. Soeben kommen »ns nun zwei sich vollständigst widersprechende Erwiderungen, im „Israelit" und in der „Hess. Landeszeitung" zu., — Gerade diese sich so sebr widersprechende Darstellungen constatiren den Sachverhalt, wie wir ibn dargcstellt, als im Wesentlichen vollständig der Wabrbeit gemäß. — Wenn daher die Entgegnung in der „hessischen Landeszeitung," die wir, weil vom Vorstande unterzeichnet, als die authentische anerkennen müssen. v^n Schmähung spricht, so glauben wir, daß gerade in dieser „Ern iderung," die rein waschen soll, was nicht Zu wascken ist, die größte Schmähung für den guten Vorstand enthalten ist; und'daß wir uts kein größeres Schmachbild der Stellung israel. Religionslehper Hessens denken können, als die Thatsachen, die derselbe zu seiner mißlungenen Vertheidigung auffüdrt. Oder ist das ein würdiger Vorstand einer Religions gemeinde, der einen Religionslebrer (und wahrscheinlich auch Eultusbeamten) auinimmt, der nur! 2 Stunden weiter ftationirt war, und von dem man schon nach zwei Tagen erfährt, daß er den geringsten sittlichen Anforderungen nickt entspricht,, die man von einem einigermaßen nicht etwa gebildeten, sondern überhaupt nur unter Menschen taugenden Menschen, geschweige von einem Lehrer zu fordern berechtigt ist? War das die Vorsorge bei der Aufnahme eines Lehrers/wie sie einem Religionsrorüande zukommt? Ist es nickt ein Schmachbild unserer Verhältnisse, daß solche Subjette als Lehrer geduldet, und von Gemeinden ohne Bildung und Gewissen, die nur billige Lehrer wollen, gehegt und ausgenommen werden!? Ist cs nicht weiter ein Schmackbild unserer Verhältnisse, daß man, wie die (Erwiderung sagt, dem Lehrer, nachdem man ihn nach 2 Tagen als unverbesserlichen Trunkenbold, als wahrscheinlich mit der Delirium tremens behaftet crf kannte, obne Weiteres kündigte: und ist der Unterschied so groß, ob man ihn am Abend oder Morgen, ob mit oder ohne Belohnung sür zweitägige Dienste fortjagte? Nickt, daß cs geschehen hes einem sich als Lehrer bezeichnenden MenscheK ist das Traurige, das Schmähliche, für daß finden. Der Vorstastd spricht von Lehrern, deren Stellen .Wi bis Ino fl. eintragen. Wir wollen nickt untersuchen, wie viel etwa die Stelle in Seehcim einträgt; au.., nicM, wie viel solcher Stellen überhaupt in Starkenburg sind. 'Nur unsere Besjjrchtung wollen wir schließlich noch aussprechen: Wenn auch einmal die Wünsche erhört würden, welche am Schlüsse der Erwiderung in der „Hess. Landeszcitung" ausgesprochen worden sind, wenn einmal die Verhältnisse der israel. Religionslebrer eine zeitgemäße gesetzliche Regelung gefunden haben werden — wird's da alsbald anders werden? Solche Gemeinden, welche heute in solcher Weise Lehrer ausnebmen und fortjagen, werden forlsabren einen Bachur für ein paar Thaler, mit dem man nach Belieben verfahren kann, einem ordentlichen Lehrer vorzuziehen. Klingcnstein. Kassel, 6. März. Bei der gestrigen Beerdigung des Oberbürgermeisters Hartwig, die im Hinblick am dtc sür Berfaffung überstandenen Leiden und Drangsale des Verewigten ist, rein, daß sol I geschehen konnte, wir keine Worte

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