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Der israelitische Lehrer · 1863-03-19 · 12 (19.3.1863) · p. Seite 48

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
12 (19.3.1863)
Date
1863-03-19
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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48 ganz unwillkürlich zu einer bedeutungsvollen politischen Feier wurde, hatte man erwartet, die israelitische Geistlichkeit mit der christlichen ror dem Leichenwagen einbergehen zu sehen; aber nur die protestantische und die katbolische hatten den Ehrenplatz eingenommen, den ihnen der Magistrat der Stadt angewiesen. Und docd war die gleiche. Einladung auch an die Israeliten ergangen. Die israel. Geistlichkeit hatte es. trotzdem vorgezogen, von der sür die'Einlatendcn und die Eingelädenen so ehrenvollen Theilnabme abzustehen, denn, ein Regierungsbeschluß', den sie selbst zuvor erholen zu müssen geglaubt hatte, war solchen Inhalts, das aus jeder Zeile hcrvorging, fikr wie bedenklich man ihr Erscheinen unter den übrigen Geistlichen halten würde. Ja, die Regierung hatte cs sogar sür netbwendig gehalten, die Sacke zuvor dem Protest. Consistorium zu. Unterbreiten, und das ermangelte nickt, es rundweg mr ünthunlich zu halten, daß die israel. Geistlichkeit bei der. christlichen Reiche mit der christlichen Geistlichkeit ibrcn Platz' vor dem Trauerwagen einehme. So qescheben im Jabr des Heils 1863! Es wird hier nämlich noch immer ein vor etwa l> > Jadren unter dem Regimente der Herren Hanenpstug und Vilmar ergangener Regierungsbeschluß für maßgebend gehalten, dem'.diese Entscheidung völlig, entsprechen soll. (F. I.) . — Im Gemeinderathe zu Köln, lag die Frage zur Entscheidung vor, ob die Civilgemeinde der südischen einen größeren Beitrag zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelit. Sckule 'bieten wolle, als bisher. Herr Classen- Kappelmann sprach siir vollständige Gleichstellung .der jüdischen Schule in wahrhaft humanen und beredten Berten. Nichtsdestoweniger entschied der Gemeinderatb nach dem Anträge der -Commission blos, Len, Beitrag zur jüdischen Sckule von 8o<> auf i(>x> Thlr. zu erhöhen. — Ter gefangene polnische Jnsurgentenführer Frankowskv soll ein Jude deutscher Abstammung — Frakck — sein. — Ter Entwurf des Budgets für Frankreich für. das Jabr 1864, welcher dem gesetzgebenden Körper vovgelcgt worden, enthält als Totalsumme für jüdische Cultusbepürfnisse die Summe von * > Frcs. — In Niederösterreich sind von. der Advokatenkammer und dem Dberlandesgerickt unter einer Reibe christlicher Advokaturs-coneipienlen aucki, 3 israelitische dorgeschka en worden. Ter Justizminister bat jedoch die 3 jüdische- Ramen gestrichen, die anderen l? sind zu Advokaten crnaimt worden. Irrwege. Ein Ledensbitd üon I. K. — (Fortsetzung.) , . Du kennst das kleine grüne HäuSchen, das ich dir schon so cit als die Geburtsstätte der Geschwister' Wohl zeigte, von welchen bisweilen einer oder der andere Hierher kommt, um der Eltern Grab zu besuchen, ohne jedoch sich länger aufzubalten, als gerade hierzu und um den Schlüssel des Friedhofs bei mir zu holen und mir dankend zu bringen, nöthig ist. Ties kleine Häusckcn war die Stätte fast ungetrübten Glückes, die Heimath einer glücklichen, friedlichen Familie.. Wer wäre nickt glücklich gewesen im Kreise diestr guten stets heiteren Mensch«? Wem, der gerne ein gemüthlich gastfreundliches Haus.aufsuchen wollte von allen Israeliten in weitem Umkreise, wäre jene Familie, jenes stille und doch zuweilen, insbesondere an Fest- und Feiertagen von fröhlicher Geselligkeit erfüllte-Haus unbekannt geblieben? Es waren Leute — der Later und» die Mutter, Gott habe sie selig — so fromm, so glücklich, weil bescheiden in ihren Ansprüchen, wie wir in der Gegenwart nur wenige noch finden. Ich war i etwa ein Jahr im Otte. In der besche denen Säuslichkeit her Familie Wohl verlebte ich die herrlichsten tunden; es war mir wie ein Vaterhaus geworden; Frau Wohl achtete ich wie eine Mutter! Wie gut thut's doch dem Fremden in eiper fremden Gemeinte, der kein Herz ganz das einige nennen kann, und der doch bedürftig ist der Liebe und des Mitgi fühls, Herzen zu baven, die ihm Mitgefühl zu bieten scheinen?! Der Gottesdienst am ersten Eonfirmationsfeste wsar zu Ende. Mit ttekgesühlten Worten hatte ick meine Schüler entlassen. Die religiöse Feier hatte die Herzen entzündel. In kleinen Gemeinden ist dieser heilige Akt noch nickt zu einer Farce geworden. Es ist noch nicht das „Zugstück" der Synagoge, wobei Eltern und Kinder, Eher und Vorbeter, Sv iazoge und Prediger in Paradeuniform erscheinen, ohne daß hiqrdurch dem jüdischen Leben neue Kräfte zu geführt werden. Es waren ein Knabe und drei Mädchen confirmiret worden. Der Prediger hatte mit dem Worte: „Werdet wie die Taiben!" die Herzen der Mütter und Töchter tief, zu rühren verstanden. Werbet wie bie Tauben!" — — — „Werdet wie die Tauben!' In dem Hause der altfrommen, gastlichen Familie gings lustig zst. Die zweitjüngste Tochter war ein« der strmandinnen. Es waren viele Gäste — unter ihnen auch Wohl Conick — zum Mittagessen eingeladen. Reka war das Lieblingskiyd der Mutter; sie war meine liebste Schülerin. Ein schelmisches stetes Blitzen der Augen, ein schmuckes etwas gebräuntes vollwa igigcs Gesicht, eine für ihr Alter fast-stattliche Figur, dabei di: stete Fröhlichkeit, gen üthlicke—Hingabe, in der Schule Fleiß und Aufmerksamkeit, eine herrliche Stimme — w.r konnte den holden Kinde gram werden? Wenn ich Cie Mutter an jenem Tage anlckaute, wie ihre Tbränen nickt verstegten vor inniger Lust, dann kamen auck mir die Thränen in's Auge! Wenn ick aber : Reka mit ihrer Freundin Leah lachen hepte, da mußte auch ich! unwillkürlich mitlachen. Es war der herrlichste unübertreffliche i zweistimmige Gesang, dieses herrliche, unschuldige rolle Lachen; j eine wahre Musik der Seelen! Dje Gäste waren nock versammelt, die Confirmandcn waren erschienen, um ihre Freundin abzubolen. „Willst Du nicht erst zu Nachbars geben?" fragte die Matter! „Du mußt heute hinüber! War ja auch Christian am weißen Sonntage mit seinen neuen Kleidern zu uns berübcrgekdmmen!" — „Ja, ich will," sagte Reka, mit eigentbümlichen Augenblitzen, und aufspringend bat sie ihre Freundinnen einstweilen hinauszugehen in den Garten; sie würde bald folgen. Reka ging — nicht zu ihren Freundinnen, sondern zu Nachbars — Christian. Er war ein schmucker Burscke, dieser Christian; so stark, so gewandt, so wohlgebaut! ganz'anders wie David, der mit Reka consirmirt wurde, und wie Salomon, ihr Vetter! Kein Baum war ibm zu hoch, kein' Graben zu breit, kein Pferd zu wild! Er wußte so schöne Lieder zu singen! Dabei sind jenes arme Handelsjungen; dieser aber — der Sohn des Adjunkten. Christian kam ihr entgegen, sobald er ihrer ansichtig wurde. Er reickte ihr die Hand. Was ging in dem Kinde vor, daß sie gerade heute roth wurde? Etwa vor Vergnügen deshalb, weil Christian ihr sagte, wie schön sie in ihrem weißen Kleide sei? Oder, weil er sie heute ganz anders anschaute, als sonst, so starr, mit seinen schwarzen glühenden Augen? War Reka nicht ganz mehr Kind? — Erst spät am Abend und ganz erhitzt kam sie nach Hause; ihre Gespielinnen waren längst weggegangen. Sie hatte — mit Christian im Garten des Nachbars geplaudert — sie hatte selbst dem Nachmittagsgottesdienst an ihrem Confirmationsfeste vergessen.- (Fortsetzung folgt.) Verantwortlicher Redakteur: I. Kltngenstetu in Odernheim in Rhetnheffen; Selbstverlag der Redaktion. Für den Buchhandel: in Lommisiion bpi S. L. Frttzsche in Leipzig» — Druck von I. Sottsleben in Mainz.

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