Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 12 (19.3.1863)
- Date
- 1863-03-19
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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46 noch am Allernothwendigsten, an guten Elementarschulen, und auch jetzt noch an einer -Präparanten - Anstalt, die mit dem Seminare zu verbinden auch bis jetzt noch nicht möglich war, da, anderer Hindernisse, nicht zu gedenken, der Kostenpunkt allein schon zu gebieterisch dagegen spricht. Mit Rücksicht auf die Kreise und Lebensverhältnissc der Meisten, die zur Aufnahme in das Seminar sich meldeten, hätten Biele zurückzewiesen werden müssen, die dennoch später tüchtige Lehrer geworden sind; die Anstalt mußte ihr Princip der Gemeinnützigkeit' und Wohlthätigkeit einer theoretisch gerechtfertigten Maßnahme vvrziehen. ES verlangten AufnahmeSolchc, die schon als-Privat-Religionslehrer fungirt, oft das 20. Lebensjahr längst überschritten hatten, dabei oft der Anfangskenntnisse der Elemeutarfächer entbehrten, oder doch > nur, so zu sagen, auf einige Faust hie und da planlos davon ] genascht hatten; dann wiederum Jünglinge) die eine gute Ele- : mentarschule, oder gar eine höher« Bürgerschule besucht hatten rc. Dieser Umstand ließ eS denn auch ungewiß, wie lange die | Ausgenommenen in der Anstalt;if verbleiben hatten Manche; wurden mit Einem Jahrej-Andsre mir zwei, und in seltenen Fällen Einzelne mit drei «Jahren zum Er amen entlassen. Manche schieden, zum Examen noch nicht reis, aus der Anstalt, bezogen eine Privttlehrerstelle, wo sie sich dann - privatim auf das Eramen -vorbereiteten. Letzteres soll aber jetzt, mit Bewilligung ReS Vereins, nicht mehr strttfinden. Daß dieses Verhältnis auf Methode, Bertheilunq des Lehrstoffes rc. nachtbeilig wirkte, dabei aber auch dem Privatfleiße einen scbarfen. Sporn verleihend, ein weites,' zu weites Feld unter der Devise, „ich studiere, für mich selbst,“ verlieh, wird jeder Fachmann cinräumen. Jndcß, es lag nun einmal in der Einrichtung und die Umständen machten sich geltend. - Seit 3 bis 4 Jahren ist jedoch eine'Vorprüfung für die zu Ausnehmenden zur Bedingung gemacht, ein dreijähriger Kursus festzestellt, und wird nur von letzterem bei sehr guten Vorkenntuissen, bei Auszeichnung in Fleiß und Fortschritten eine Ausnahme'gemacht. — Die einzelnen Lehrer prüfen separat in ihren Fächern und. treten dann zu einer Konferenz zur Bestimmung des Resultats zusammen. ES wird verlangt.: Im'Hebräischen Lesen und Ueberseven der fünf Bücher Moses; die Anfangsgründe der hebräischen Sprachlehre; Orthographisch-richtiges Schrecken; das 9totbwendigste aus der-Wort - und Satzlehre der deutschen Sprache; im Rechnen die Lösung Rer Aufgaben (etwa) des ersten Thcilcs des Dicsterweg'schen Rechenbuchs mit Ausnahme der letzten Abschnitte; ' das Allgemeine aus der Geographie und Geschichte. (Fortsetzung folgt.) . Zk e c e trf ton. „Das alte Jerusalem und' feine Bauwerke. Ein Beitrag zur biblischen Alterthstmskunde, von Gustav Unruh. Mit 3 Plänen und 36 Abbildnirgen. Langensalza, Verlags-Comptoir. 4864." Es ist uns noch vom vorigen Jahre her übrig, über das angezeigte, unsrer Kritik unterbreitete Werk unseren Lesern zu berichten. Eine ausführliche Kritik zu geben, läßt weder die Tendenz, noch der Raum dieser Blätter zu. Aber wenn es auch wrchr ist, daß die gelehrten Forschungen diese« BuchS für den Berns eine» Lehrers zu tief gehen, zu weit greifend und zu umfaffend sind; wer wollte behaupten, daß solche Bücher die Kenntniß und das Studium des jüdischen Lehrers durchaus nicht berühren? Im Judenthum ist die Wissenschaft nie kastenmäßig abzefchloffen gehalten worden, und wie so viele Erkenntnisie und Bestrebunzen der Reuzeit im religiösen, polittschen und socialen Leben, so ist auch die erst in unserer Zeit begonnene Popularisirung und Berallgemeinerung der Wisienschaft von jeher ein Vorzug desJudeuthums gewesen. ES ist dcßhalb diesen Blättern Dank zu wissen, wenn sie von der Existenz selbst gelehrter Werke, wie das vorliegenden der Lehrerwelt Kunde geben. Vielleicht, daß sich bei dem Einen oder Andern Muße und Kraft findet, darnach zu greisen, oder jüngere Talente, wenn auch nicht zur tiefen Forschung, doch zur weiteten Ausbildung dadurch sich angeregt fühlen. Denn fremd und unbekannt darf der hehandelte Gegenstand eigentlich keinem jüdischen Lchrer sein und bleiben. Das in Rede stehende Buch behandelt seinen Gegenstand: bas alte Jerusalem und dessen Bauwerke , rein geschichtlich und archäologisch durch alle Perioden der alten Geschuhte hindurch bis zur Zerstörung durch die Römer. Es wird uns eine Beschreibung der Stadt uno ihrer Theile, ihrer Bauwerke und deren Beschaffenheit, durch alle Phasen der Errichtung, Veränderung, Zerstörung,' Wiederherstellung und etwa wiederholter Zerstörung gegeben. Trotz der Absicht, uns ein klares "Bild zu geben, i ist dies doch dem Verfasser nicht hinreichend gelungen, I weil ihn die Forschung über seinen Gegenstand zu sehr i beschäftigt. Ihm selbst ist das Bild vielfach noch kein klares geworden, weil gar Vieles für ihn Voraussetzung und Hypothese bleiben mußte. Ihm sind die Ortöverhältnisse auS eigener Anschauung nicht bekannt. Dadurch l waren Fehlgriffe und Jrrthümcpxmvermcidlich. Eine Hauptauelle, die jüdische, in ihren talmudischen und rabbinischrn Werken war ihm nicht zugänglich, oder ist in einer Uebersetzung nur spärlich^Jbenntzt worden. Dadurch sind einerseits recht fühlbare Lücken» andererseits unvermeidliche Mißverständnisse entstanden. Eine Uebersetzung lesen heißt durch die Brille Anderer sehen Dennoch ist die Ausführlich- . keit des Bucks, die Bibelkunde und CombinationSgabe des Verfassers zu rühmen. , k. ä f f g e m e i n e s. .. Correfpoudenz Vom Oberrhein, 5». Mari,. Im Frankfurter"Rabhiner- Drama bat ein neuer Akt begonnen. Das Stück sah sick erst al« Trauerspiel an,, da der Held zum Falle kam. 9iun aber hat es sich zum Lustspiele gewandt, da die, welche um einander gefreit und gebuhlt, sich kriegen. In der Vorzeit waren die Rabbiner vor einer Behandlung, wie sie Stein erfahren, durch dir allj gemein verbreitete Kenntniß jüdisch-religiöser Lehren und Sitten. > wie durch das vorherrschende Pietätsgefühl geschützt. In unserer Zeit ist Beides abbanden gekommen, und was schlimmer ist: der ' religiöse Indifferentismus beherrscht die Gemeinden. 'Man hätte 1 glauben können: in solchem Benehmen gegen ihren vieljährigen : und erprobten Rabbiner stehe die Gemeinde Frankfurt'- allein.