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Der israelitische Lehrer · 1863-02-26 · 9 (26.2.1863) · p. Seite 35

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
9 (26.2.1863)
Date
1863-02-26
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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I 35 Aus Mutterstatt.*) Wer sich im Lehrrrlebeu genau umgesehen, wer innigen Antheil an den Freuden und Leiden unsere« Lchrerstandes genommen, wet die Schatten und Lichtseiten unser« Lehrerberufes kennt, der wird sicher erfahren haben, daß oft — zwischen Lehrern und Vorständen das schöne Verhaltniß fehlt, wodurch Schule und Synagoge erst da« werden können, wozu sie geschaffen und berufen sind. Was mag die Ursache dieser so betrübenden Erscheinung sein? E« mag freilich manchmal an den Lehrern selbst liegen, wenn sie mit Mißtrauen und damit zusammenhängender Verfolgung von ihren Vorständen behandelt werden! — Ein Lehrer, der nicht die ihm obliegenden Pflichten ge wissenhaft erfüllt, ein Lehrer, der nicht mit Liebe und Eifer an seinem Berufe hängt, ein Lehrer, der nicht mit Begeisterung in seiner Gemeinde und Schule wirkt, verdient, ich sage es offen, kein bessere« Loo«. — Wir können zwar Liebe, Eifer und Begeisterung der rechten Art Niemanden geben, Niemanden einreden. Bei vielen Lehrern kann von einer inneren BerufSfreudigkeit niemals dir Nede sein. Ihr Stand wird ihnen immer al« eine drückende Last, selbst unter den besten Berhältniffen, erscheinen;!e« ist ihr natürlicher Beruf nicht, und sie mögen getrost, fovald ihre äußeren Verhältnisse anderseits gesichert sind, der Schule den Rücken kehren. Sie verdienen die Achtung ihrer College», wie die der Vorstände nicht. — Bei ihnen ist keine Collegialität, und sie werden auch für ihren Stand niemals ein Opfer bringen können. — Aber, Gottlyb! Diese Lehrer gehören in unserer Pfalz doch zu den Seltenheiten Wie viel unverdientes Mißtrauen, wie vieleMißliebigkeit hat unser jüdischer Lehrerstand schon von den Vorständen erfahren! Ist es ja heute noch SÄte und Gebrauch, daß ebenso gebildete als bescheidene und zartfühlende Lehrer mit der rohesten Willkühr von ihren Vorständen behandelt werben! Es gab und gibt unter den Vorständen billig denkende, humane Männer, wahre Lehrerfreunde; aber cS gab und gibt auch, andere, die jeden Lehr:r, der nicht nach ihrer Pfeife tanzt, mit dem maßlosesten Nebermuthe begegnen. Wer nicht schmeicheln, nicht kriegm, nicht hündische Unterwürfigkeit zeigen, nicht Fußtritte erdulocn; nicht die Augen verdrehen und fromm gen Himmel schlagen kann, wer sogar ein eigenes Urtheil in Anspruch nimmt, wer der PZahrheit die Ehre gibt und jedes Ding beim rechten Namen nennt, der findet keine Gnade vor den Augen seines Tyrannen, der wird mißhandelt, gehetzt b s er mürbe wird und das Weite sucht — Mit welcher Verachtung, mit welcher Geringschätzung oft die edelsten Bestrebungen behandelt werden, weiß wohl Jeder, der bi schon mit einem solchen Tyrannen zu thnn hatte. — Wir lüden, wie Diesterweg sagt, für die Sünden unserer Vater — „den historisch Fluch," und das muß un« manchmal trösten. Unwissende Menschen, verdorbene Schneider find Schuster, alte Bettler, die in der Schule, Cheder wollt! ich sagen, theilweise schliefen, theilweise lernten — und Sott weiß, wie — und außerhalb derselben die Leichenbitter und bei Hochzeiten dick *) Di« Farben scheinen uns hier «in wenig ist'« hoffentlich nicht mehr — in der Pfalz insbe! könnte doch Aehnliches vorkomme»; wir lasse» d ' durchfübren. Red. den HanSwurft >) spielten^ waren unsere Vorgänger vor noch nichtgar langer Zeit; Mantelhänger und Bachurim sind leider Gottes heute ne ch manchmal unsere Kollegen.— Ueber diese manchmal den Herrscherstab zu schwingen, schadet nichts. — Aber Männern gegenüber, welchen ihr Berus eine heilige Sache, welchen Pflichterfüllung ihre höchste Aufgabe ist, zu handeln,! wie die« noch garest geschieht, ist eine fluchwürdige Handlung. — Jene schöne Zeiten, wo der Parneß seinen Bachur ans kurze Zeit miethete, ist vorüber-); wir aber haben sie Folgen zu tragen. '121 IXDn UTYOK' (Forl setzung folgt.) 11 nt f d> o «♦ Polen. Während di; Insurgenten im Lande die Juden als russenfreunblich mißhandelten, wurden sie in Warschau von den Russen ins Gefängniß gebracht. Wir erfahren jedoch, daß mehrere der gefänglich einx ezogenen Familien wieder in Freiheit gesetzt wurden. Die orthodoxe» 3 labbiner beabsichtigen demnächst, wie wir aus sicherer Quelle ers »hren, ein: Rabbinerversammlunz abzuhalten. Zeit und Ott sind noch nicht bestimmt. — Der Nürnberger (lourir und nach ihm das F I. brachten unlängst eine unvollsti ndige Liste der deutschen Professoren jüdischen Konfession So rach find angestellt und dociren in Wien: Zeisl, als Erlraor! inariu« in der medicinischen Facultät; in Prag: Wessely, als Lrdinarius in der Juristenfacultät; in Berlin: Traube, Ordinär us in der medicinischen Facultät und Abtheilungsvorstand an I er KharitL; Remak, Extraordinarius Jaffs, Ertraordinarius der Geschichte soeben der ausgezeichnete Sprachsorgckommen, welcher — unter dem feudale» Ministerium — zun außerordentlichen Professor in der philosophischen Facultät er lannt worden ist); in BreSlau: Kohn, Ertraordinarius in der Botanik; in Tübingen: Pfeiffer, Ertraord narius in der Juriste ifacultät; in Göttingen: Stern, Ordinarius der Mathematik; in Heidelberg: Weil, Ordinarius i» der philosophischem Facultät. Wie Sie sehen, sind in diesem^ Verzeichnisse sämmtliche g:ößere deutschen Staaten vertreten, mit Ausnahme Sachsens, wo bekanntlich sehr wenige Juden leben, und Bayerns, des jungf äulichen Krystallisationskcrns. —(Es kommen hierzu noch, so »r* ” ' - - Literatur bekannten und Dre Kämpf in Prag und ordentliche sind u. A. der Traube, der vom Kaiser ,orden erhielt. Red.) der medicinischen Facultät (als vierter ist in Berlin icherDr. Steinthal hinzu l unS bekannt, die auch in der jüdischen als Lehrer der Oricntalia anzestellten Dr. Saalschutz in Königsberg. Außerberühmte Direktor der Berliner Klinik von Rußland neulich de» St. Annen- (Ein Seitenstück gesammte Presse des cu t Jagd, welche der franzöf s stattet-, eine anßergewöhi 11 Jyurnale wußten nicht g welche Rothschild bei dies: Leutseligkeit, mit welche^ aufgetraqen. So sondere; aber — es eShalb auch dies Thema 1) Leider nötbigen die lieben Brodes willen auch machen bei solchen Äelegenh die besten Kralle manckmal bljeibts am Qfioe doch Han stand drücken wollen, werden 2) Leider nicht überall. 3) Aus der Gartenlanli zu Rothschilds Jagd.;) Fast die uvirten Europa's schenkte der großen che Börsenkönig seinem Kaiser veraniche Aufmerksamkeit. Die französischen :nug Worte zu sinden für die Pracht, r Gelegenheit entfaltete, und für die ihm der Kaiser begegnete. Die engi Zerhältnisse manche unser,r beiten Lehrer d«S heute noch zu dergleicken — zum T131£: ’O iten. Man beschönige es nicht; Sind auch dazu verdammt und zu entschuldigen, so ssvurllerei, Bettelei.. Die, die den Lehrer» es unterstützen. sRcd.i (Red.)

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