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Der israelitische Lehrer · 1863-02-26 · 9 (26.2.1863) · p. Seite 36

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
9 (26.2.1863)
Date
1863-02-26
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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36 lischen Blätter ergossen sich in beißendem Witz, und die deutschen belächelten und bespöttelten den gastfrnen Juten. Gerade der deutschen Presse, den reactionärcn Blättern der vrcußischen Mctreopole fehlt alles Recht, solch? zur Ehre der Regenten gegebenen Feste für ihre Zwecke zu benutze«; gerade sie sollten aus die Geschichte ihres Königshauses zurückblicken, dann würden sie finden, daß die preußischen Körnge, die alten Stammhalter des Sreußischen Regenten Hauses, es nicht verschmähten, sich vcn ihren luden fetiren zu lassen Freilich ist »och ein himmelweiter Unterschied zwischen der Rothschild'sche« Jagd und den Feten der Berliner Juden. Rothschild lud Napoleon freiwillig zum Jagen ein; die preußischen Könige meldeten, sich ungebeten bei ihren Juden und» nöthtgten dieselben zu einem Aufwand, den sie sonst wohl fügttck hätten blechen lassen. Das Fest, welches wir als Seitenstück zur'Rothschild'schen „Jagd" unseren Lesern vorsühren wollen, versetzt uns in die preußische Hauptstadt und in das letzte Lebensjahr d>s zweiten Königs, Friekria? Wilhelm I. Er war bekanntlich nicht nur ei» ausgemachter Gegner. alles Aufwandes, sondern sogar von einer Sparsamkeit beseflen, die'-oft' an's Unglaubliche grenzte, wie sich das namentlich aus.feinet Eörrespondenz mit seinem „ungerathenen" Sobne, dem großen Friedrich, deutlich ergibt. Freigebig war er nur, sobald es fein-Heer betraf.— um dieses so glänzend wie möglich aufmaifchieren zu lassen, scheute er die größten Summen mckt und war ihm keinerlei Steuer zu hoch — wenn es darauf ankam, gekrönten Häuptern zu imponiren. Um sich und seinem Hofei eine Kurzweil zu verschaffe«, wurde die Berliner Juder.schaft in Eontribution gesetzt: aus besonderen Befehl mußte in dem in der Spandauer Straß^ belegenen Hause des bekannten Juweliers und Dtünzitieisters Beitel Ephraim am 7. Januar 1740 ein großes Fest stättfinden. Kommt der bei dieser Gelegenheit „aus höchste» Befehl" entfaltete LuruS dem der Rothschild'schen Jagd auch.nicht gleich, so müssen die Verhältnisse und Persönlichkeiten, der hohe.Gast and der einäugige Gastgeber in Betracht gezogen werden, Sovirt-ist gewiß, Ephraim hatte alles prächtig arrangirt. Das Haus war zu beiten Seiten mit kostbaren Teppichen behängen, und das Innere desselben gleichsam in einen türkische« Bazar' verwandelt. In dem einen Zimmer batten versckiedene jüdische Kausteute allerhand Brabanter Spitzen seil, in einem andern. wäre« Galanteriewaaren ausgelegt; dem gegenüber befand sich' ein Saal mit reichen französischen Stoffen. In einem -vierten Zimmer hatte der Juwelier selbst seinen Stand. Von da trat man in zwei Säle, von denen der eine mit reichgestickten Kleidern, der andere mit feinen und seltenen Echildereien aus Italien und Holland ausgesetzt war. Vom Eingang des Hauses bjs zum Ende des großen HofeS waren die Fußböden mit prächtigen.Brabantcr Tapeten belegt, die Wände mit Orangerien bekleidet und mit chreien hundert Lampen und Lichtern illuminitt. Auf dem^HSse zur'rechten Hand waren die Zimmer zur-„unterthänigsten" Aufwattung für die königlichen Herrschaften kostbar meublirt. Nachmittags gegen 3«/2 Uhr gelangte die königl. Familie in Begleitung der Braunschweig-Wolfenbüttel'schen Herrschaften und vieler Standrspersonen vor Ephraim'- Haus, an dessen Eingänge sie von dem „rieseni haften" Juden und seinen galanten Eöbnen empfangen wurden. Nachdem sie einige Erfrischungen angenommen, hatten. schritten sie zur Besichtigung der für sie auSgelegten Kostbarkeiten und geruhten einige als Geschenk huldvoll Entgegen zu nehmen, ani oere durch Kauf an sich zu bringen., Sodann wohnten die hoben Herrschaften einer Festlichkeit der, welche von Ephraim „auf bewndern Befehl" seiner Gäste mit dem - königlichen Besuch« in Verbindung gebracht worden. ES war die eheliche Verbindung eines von dem reichen Ephraim exogenen jüdischen WaisenpaareS. Die Trauung fand nach damaligem Gebrauch auf freiem Hofe unter eine« mit Silber und Gold gewirtten Trauhimmel statt. Nach beendeter Feier begann der Tanz der jungen Leute, dem die „höchste Gesellschaft" uoch einige Zeit zuschauten und sich dann nach Hose zurück begaben. Dieses Fest wurde von der köngl. Familie gewiß schneller vergessen, als die Jagdlust des Königs von den Juden. Friedrich Wilhelm war ein besonderer Freund der Saubehe. Im Jabre 1720 wurden allein in der Mark und in Pommern 3002 wilde Schweine erlebt. Bei seinem Geize wollte er seine Beute auch versilbern und kam daher auf den originellen Einfall, der Judenschaft eine große Menge wilder Schweine zuzutheilen. Da er wußte, daß die Juden ihrem Religionsgesetze zusolge sich des Genusses des Schweinefleisches enthielten, so verordnete er zugleich , nach erfolgter Zahlung das Wild in die Armenhäuser und das große Hospftal zu schicken. M. K. (Unseres Erachtens haben die jüdischen Blätter sehr Unrecht, aus dieser Jagd ein jüdisches Ereigniß zu machen. Wir erblicken hierin kaum für Juden und Judentbum ein Heil — eher Unh»ill — Noch sonderbarer dünkt uns / daß die jüorsch orthodore Presie Schloß Ferierres und die Fasanenjagd so ausführlich bejchreibl. Ist diese — die Fasanenjagd — ein so orthotor jüdisches Vergnügen? Red.) Eine In einer bek. jüd. orth. Zeitschrift, die in unserer Nähe erscheint, und die wir aber nicht nennen, heißt es: „die gelehrten Männer der ,/Neuzeit" *) paßkenen in der That in allen Fällen mehr »ach Göthe und Schiller, als nach Talmud und Schulchan Aruch.! Ein sonderer Einfall das!" Schiller und Göthe als Poßkim auszuführen! Soll man's «ms ihr Sandbild schreiben? Da es nun aber einmal'so ist, wollen wir den Herren, welche aus Schüler und Göthe paßkenen eine sehr ernste vorlegen; befürchten jedoch im j Voraus, selbst von dieser Seite ein schauerliches HD« oder ne’*K3 zu vernehmen. Der Rabbi einer für uns anonymen Aktien-Rel.-Gcsellsckaft (nicht der Homburger Spielbank) usurpirt — wie er -überhaupt Usurpator auch im mui ist — seit Kurzem die alleinige Berechtigung z m paßkenen in unserer Gegend, und hat beispielweise die.Mazzemehlmühlen, welche nicht von ihm eingesehen werben, als non erklärt. — Wir erfahren sogar, daß derselbe Herr alle tarn zusammentrasen, und da er zufällig auch Redakteur ist. unter dem sklitel „Redaktion" herausgeben will. Abgesehen davon,-daß dieser Titel schon für ein solches -isd anstößig und sicherlich nicht traditionell gebräuchlich ist, haben wir ferner die nhrev : wenn diese „Redaktion" in Schwcinsleder oder anderen „tumenen" Stoff gebunden ist, ist sie dann nicht .NL'iv und darf man daraus paßkenen? K. .*) (im anderes, ta Wie» erscheinendes, und von Herrn Dr. Ezanto rediglrtesBlatt^^^^^^ ~~ Lehrervacauzenlifte. DM- Einmütige Aufnahme 8 kr.—2^ Sgr. "WM ' Die Religionslehrer- und Vorbeterstelle zu Nieder-Olm im Kreise Mainz. Gehalt 250 fl., fteie schön- Wohnung und Heizung. Nebenverdienste. Echechita 70 fl. 2) Heldebergen, Kreis Vilbel in Oberhessen. Gehalt 350 fl.; Accidenzren — aus der Echechita 300 fl. Zur Förderung aucy der materiellen Interessen der Lehrer und zur Hebung unserer Lehrervacanzenliste wollen wir bis auf Weiteres die Aufnahmegebühren in dieselbe auf die Hälfte (9 kr.—21/2 Sgr.) herabsetzen. und bitten umsomehr unsere gesch. Eollegen hiefür thättg sein zu wollen. Die Redaktion. Verantwortlicher Redakteur: J.-Itlii Lommission. bei »eusteiu in Oder»heim in Rheinhessen; Selbstverlag der Redaktion. Für de« Buchhandel: in "8. Frltzsche in Leipzig. — Druck von I. SottSleben in Mainz.

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