Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 8 (19.2.1863)
- Date
- 1863-02-19
- Page
- Seite 30 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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30 fachen, und ta wir auf dem daran grenzenden Hauptgebiete / stehen, könnte;u leicht und vorschnell der-Vorwurf, als könnten wir nicht neutral fein, gemacht werden. Wo eS Wahrheit gilt, soll man ohne Furcht über sein kleines Ich hinwegschen — und was gäbs zu fürchten gar? dagegen sollte man billig bedenken, daß-das Werk, ein so sehr in -Anspruch nehmendes Werk Eines ManneS, immerhin ein Menschenwerk ist, also auch zu wünschen übrig lassen muß; daß Manches aus der Ferne gesehen ander» erscheinen muß als in der Nähe', wo Verhältnisse, Hindernisse u. s. w. vor die Augen treten. Halten wir unsern-Blick daher mehr auf das Ganze gerichtet, den edlen Willen, das gemeinnützige Werk und dessen. Wirksamkeit. Ganz werden wir von<dem in das „Berwaltungsfach* Schlagenden nicht schweigen können; es hängt zu.sehr mit dem Ändern zusammen; aber auch nur davon Notizrn geben'um etwaigen laut gewordenen Bemängelungen z» begegnen, oder anzudeuten, ob dies und das zum Erzielen des Besseren an geeignetem Orte der Prüfung zu unterziehen nicht werth sei. Der geneigte Leser möge daher auch dem Laien in „Verwaltungösachcn" die biegsam-bescheidene Conjunctivform nicht übel anrccbnen. - (Fortsetzung folgt.) Der Eonservatismus in der Mffscheli Volksschule. Wenn ich von" dem ConservätiSmus in der jüd. Volksschule^ rede, so verstehe ich darunter nicht den politischen; sondern überhaupt die ruhige Besonnenheit, als Wächterin der guten Sitte, in Lehre und Leben. Unsere Zeit keünzeichnct sich durch das ewige Erperimenkiren auf allen Gebieten des Lebens. Jede neue Schrift, jede gelehrte Versammlung, jeder der sich seine Sporen auf der Arena der Literatur und des Kulturlebens verdienen will, stellt neue Theoreme auf; und die Lehrer, die Handlanger dss Zeitgeistes, suchen diese weltbeglückenden Ideen alsbald praktisch auszuführen. Wir warnen gegen dieses Erperimentiren in der Schule und möchten an das alte Wort erinnern: „Eile mit Weile!" Wie viele neue Methodenhaben seit Pestalozzi sich _ pompös als wunderthätiz angepriesen, und wie gering war der ” Erfolg. Wir wollen nur beispielsweise den Sprachunterricht erwähnen. Die Einen erwarteten das Heil von der Becker- Wnrst'schen Methode; die Anderen trieben analytischen Sprach unterricht nach Riecke, Körner )c.; Curtmann wollte di: Allmacht des SprachUidtcrrichts in der Volksschule brechen; Bornemann und Völter wollen sogar die Gedankenlosigkeit in der Sprachkünstclei. finden. Wenn nun ein strebsamer Lehrer die verschiedenen Methoden sin seiner Schule probiren wollte, wie weit käme er von Per Wahrheit ab und was müßte die Schule darunter leiden? — Auf dem Gebiete des Rechnens war eS nicht anders. Zweisatz, Proportionen, Schlußrechnen und der alte Rehfi'sche Satz machten sich das Feld streitig und jedeMethode kündete sich, als das uon plus , ultra aller Unterrichtsweisen au; obschon mir der berühmte Erfinder einer neuen RHnungs-Methode naiv gestand, wenn er für den eigenen "Hausgebrauch rechne, so wende er den Rehsi'schen Satz an. Wie gefährlich ist eS, Gebrauch von den verschiedenen, hoch angepriesenen Schulbüchern in der Schul« zu Machen; was gestern als prciSwürdiz hingestellt wurde, wird heute als unbrauchbar verurtheilt. Wer. nun feine Schule > zum Versuchsfeld für solche literarische Erscheinungen hergeben wollte, wie würde er Zeit, Mühe und Geld nutzlos verschwenden l Aber gar »och aus oem Gebiete der religiösen -Schulfächer, wie gefährlich und unoerantworllich ist eS hier den Ausgeburten des Zeitgeistes zu huldigen. Die Bibel und vie heilige Geschichte sind von der Kritik als Mythen dargestellt worden und schon redeten auch iSrael. Lehrer vom Sagenstoff der Bibel in der Schule. Gehe» wir au vre Kultusrezorm und die neuen Gebetordnungea in fast allen großen Gemeinden. Die eine «rrft den persönlichen Messias und den Opferkultus hinaus, die andere kennt keine Fürbitte und duldet das Kadisch- Gebet nicht mehr(?); ein Rabbine kastrirt den Pentateuch zu seinem dreijährigen CykluS nnv läßt unliebsame Stücke ganz aus*), el» Anderer laßt die Haphtora nicht mehr vortragen**). Da wird liturgischer Gesang, dort gemischter Chor und hier endlich alt hergebrachte SangcSweise gewünscht, und die Schule soll Vorarbeiten, Mitwirken; alles soll von ihr ausgehen, alles wird lyr in die Schuhe geschüttet; jeden Fehler gibt mau der Schule schuld; ihr Verdienst aber will man nicht anerkennen und das kom:.t viel davon her, -weil die -schule nicht confervativ genug ist und sehr oft zum Versuchsfelde moderner Neuerer wird. Die Schule muß eine» granitenen Boden haben, mcht auf Sand bauen, man kann wohl einem aus einige Minuten Sano in die Augen streuen, aber bauen läßt sich nicht auf Sanv, sonst stürzt das Gebäude. Der Fleiß des Lehrer« in der Schule lst die beste Methode und jede Neuerung inder Schule muß geprüft werden, ob sie nicht der Heilsordnung dessen widerspricht, der ewig der Alte bleibt. Darum sei der jüdifche Lehrer, besonnen confervativ! (aber doch auch mit Emstcht fortschreitend, nicht starr am Alten Neben» I Red.) - Alexander Elsäßer. Allgemeines. Correfpoudenz. ..ß Mainz, 9. Febr. Verehrliche Redaktion! Sie würdigten die Leopold Goldfchmidt'sche Stiftung für die Lehrer Rhrinhessens der vollkommensten Anerkennung. In der Thal ist es die Aufgabe unserer Zeit, Stiftungen ins Leben zu rufen, welche die , geistige Bildung, zumal unter Israel fördern. Den« in der neuen Zeit wendete sich der bewährte Wohlthätigkeitssinn unter Israel leider nur zu viel dem physischen Wohle der Dürftigen zu, die nie in unserer Mitte darben, während das religiöse und geistige Bedürfniß nicht beachtet wurde. Die genannte Stiftung soll nicht allein dem würdigen Lehrer den gebührenden Tribut der Achtung zollen, sondern auch den israelitischen Gemeinden ein Sporn oder eine Mahnung sein, tüchtige d. h. befähigte Lehrer zu wählen, und nicht, wie so häufig, unwissenden, verkommenen Subjekten ihre Kinder zum Unterrichte anznvertrauen. — Wenn Sie aber in Ihrem Blatte die Hoffnung aussprechen, die verdienstvollen Lehrer werden sich nicht zu melden haben, so kann diese Hoffnnng leicht zur •) W» «st diese« .Moafirum?" — (Red.) **) Wo nicht gard (Red.) ,