Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 8 (19.2.1863)
- Date
- 1863-02-19
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1 l 31 Täuschung führen. Wie sehr der Berwaltungsrath keine Mühe scheut, um Kenntniß von den würdigen Lehrern sich zu verschaffen, so könnte dennoch leicht der Name und daS Verhältnis des Einen oder Andern fremd bleiben. ES wird das Ehrgefühl des Braven nicht verletzt, wenn er direkt I oder indirekt für eine Anmeldung sorgt. Denn nicht eine mildthätige Unterstützung, sondern ein verdientes Honorar; reicht diese Stiftung dem herufStreuen Lehrer. j R Aus Baden, im Februar. Mag man auch aus verschiedenen Ursachen wegen Bevormundung der Gemeinden rc. gegen Errichtung kirchlicher Behörden sein, — wir sind der Ueberzeugung, daß ihre Bortheile die Nachtheile weit überwiegen; natürlich vorausgesetzt, daß solche Behörden auS ■ Männern zusammengesetzt sind, die Wiffen und Willen in sich vereinigen, und andrerseits nicht einer einseitigen, o°er gar extremen religiösen Richtung angehören. Die heilsame Wirksamkeit solcher Institute wird an Gemeinde, an Synagoge und Schule erkenntlich; ja wird in gewissem Grade auf die Bilvitng der gcsammten Genossenschaft von Einfluß. Wenn wir in Baden, auch nicht unbedingt Allem Lob zollen/ was Seitens unserer isr. Kirchenbehörde geschieht, ja sogar manchmal tadeln müssen wegen dessen, was nicht geschieht, so wird cS doch allenthalben zugegeben, daß ohne sie nrancheS Gute unterbliebe und voll ihr manche zeitgemäße Verbesserungen ausgehen. Eine solche haben ' wir vor Kurzem durch Errichtung einer Central lasse ( erhalten. Es wurde nämlich bisher von den Israeliten : eine Umlage erhoben, die unter dem Namen „Oberrathsj gelber" zur Unterstützung von Armen und Handwerkslchrltngen hauptsächlich verwendet wurde. Veränderte Zeitverhältnisse haben diese Verwendung als eine unpraktische erkrilnen lassen und eS erschien nun unterm 11. Dezember v. I. auf Veranlassnng Gr. Obcrraths von Seiten Gr. Ministeriums des Innern eine Verordnung, wornach aus dieser, künftig auch in veränderter zweckmäßigerer Weise zu erhebenden Umlage eine Centralkassc gebildet wird, dir Großh. Obcrratb zum Nutzen der Synagoge, Schule und Armenpflege zur Verfügung steht ES werden nun daraus unbemittelte Gemeinden Ausbesserung für die Gehalte ihrer Religionslehrer und diese Personalzulagen, Ruhegehalte rc. und Unterftützilng für ihre Wittwen und Waisen erhalten *). Denn während die Lehrer öffentl. iSr. Schulen, deren unser Land ca. 50 zählt, aus dem allgemeinen Schulfond Gratifikationen, Perfonalzulagen, Ruhegchalte beziehen und eine allgemeine, vom Staate unterstützte Wittwen- und Waisenkasse besitzen, mangelt bisher all dies den Religionsschullehrern Diese haben darum nun auch in Verbiudung mit einer Zahl Hauptlehrcrn eine llnterstützungskasse für Wittwen und Waisen gebildet, jüngst die dcofallsigen Statuten hochpreisl. Ministerium überreicht, welches unter freundlicher Ausnahme derselben seine Zufriedenheit darüber zu erkennen gab. — Wir besitzen in Baden seit 1852 auch einen Verein zur Unterstützung hülfsbcdürftigcr kranker Lehrer. Derselbe führt den Namen: „Epsteinvcrein," zum dankenden Andenken an den sel. Oberrath Epstein, dessen unermüdlichem Streben unsere öffentl. iSchule ihre Stellung zu verdanken hat. In seinen Fußtasfen geht sein würdiger 'Nachfolger, *) Könnten aber auch ,um Weinbeiarer Pseudosewinar verwendet werden l! (Red.) Herr Oberrath A l i m a n n, dessen lehrerfreundliches Wirken und aufrichtige« Streben zum Frommen »er Schule ihm die Verehrung der Lehrer erworben hat und diese zu der Hoffnung ermuthigt, daß in Zukunft ihre Verhältnisse immer besser werden. L Bayern, im Febr. Der Raum Ihre« Blattes gestattet umfassendere Berichterstattungen nicht, -daher ich mich auf einzelne, daS Ganze kennzeichnende Ätotizen beschränke. In den dreißiger Jahren beriefen häufig auswärtige Gemeinden bayr. Rabbiner. Zeuge dessen sind die Herren Aub in Mainz, Stein in Frankfurt, Wechsler in Oldenburg, Klein in Großglogau, Adler in Kassel rc. Jetzt aber sind unsere großen Gemeinden bei der kleinen Zahl tüchtiger, reformfreundlicher Kandidaten des Inlands in der Lage, Ausländer auf ihre Stellen zu berufen. So kam nach München Dr. Engelbert aus Preußen, nach Augsburg Dr. Hirschfeld au« Ungarn, und in Bamberg dürste es auch so kommen. Offenbar sind oie großen Gemeinden unseren Rabbinern voraus. — In der Lehreyw.lt zeigt sich die Erscheinung, daß nicht nur begabte Jünglinge sich diesem Fache nicht mehr widmen wollen; die bereits Angestellten danken, wo es nur thunlich, ab. *) Sv in neuerer Zeit in Baycrsdorf, Schnaittach, Windsbach. In sociücr Beziehung verdient Erwähnung, daß in Augsburg der dortige Cultusvorstand, Herr Konsul Obermeyer, von dem Offizierskorps erwählt, die allerhöchste Bestätigung als Oberster eines Landwehrregiments erhalten hat Vor mehreren Jahren ward in Fürth einem fnnktionirenven Obersten isr. Confession die Ernennung als solcher nicht zu Theil. Trotz all dem scheint man das Prinzip, die Juden vom wirklichen Staatsdienst fern zji halten, aufrecht erhalten zu wollen. Dieser Tage kam uns das von dem Rabbiner Herrn Bamberger in Würzburg ausgegangene Programm zur Errichtung einer „Israelitischen'Lehrerbildungsanstalt" zu Gesicht. „Der Wille verdickst eine Krone," sagt der Dichter; aber Herr Bamberger ist, selbst nach dem strtheile von Männern seiner Geistesrichtung diesem Willen nicht gewachsen, und das schwülstige Programm gibt kein neues besseres Zcngniß ab.. Man muß nur diejenigen Lehrer reden hören, welche in Würzburg unter feiner Leitung sich dem Schulfache gewidmet haben. Sie verurtheilen fein Verfahren und treten nicht selten öffentlich gegen ihn auf. Dann wird auch die Sache „im Gcldpunkt" ziemlich schwierig werden, denn in Fmanzsachen hört auch bei den „Frommen" die Gemüthlichkeit auf. T Aus Westfalen. Bereits haben mehrere Gemeinden den schönen Zweck des Lehrervereins dadurch anerkannt, daß sie einen jährlichen Beitrag auf den Eultus-Etat für die VereinSkasse bewilligt, haben. Die Gemeinde zu Münster hat einen jährlichen Beitrag von 10 ThalerN, Rheda von 5 Thalcrn festgestellt. Möchte dieses schöne Beispiel vielfach Nachahmung finden. — Die Jugend- und Volksschrift "Selbe ' ist nunmehr ansacgeben. Verlag von Eßmann und Comp. Bad Otzenhausen. lieber ihren literarischen Werth sei vorläufig, um •) Da» tünncn 'wohl begabte, aber nicht berufene sein. Wer seinen Beruf liebt, bar« aus — unter allen VerbLltniffen. (Red.)