Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1863-02-12 · 7 (12.2.1863) · p. Seite 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
7 (12.2.1863)
Date
1863-02-12
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4896751-5428748-5431178--0446-4897123
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

27 3) die des tieferen Eindringenin den Inhalt und den Zusammenhang der einzelnen Kapitel. Wie man aber schon bei dem ersten Leseunterrichte den ganzen Zweck desselben, nämlich des richtigen, logischen und ästhetischen Lesens im Auge haben muß und von einem ängstlichen Nacheinander nicht die Rede sein kann, ebensowenig wirv auch bei diesem Unterrichte eine strenge Scheidung crr verschiedenen Stufen beabsichtigt. Der Schüler muß schon den ersten Vers, den er übersetzt, nach seinem Inhalte und Zusammenhang richtig erfassen. Es sollen nur auf den verschiedenen Stufen die verschiedenen Zwecke in den Vordergründ 'treten unv besonders gepflegt werden. (Fortsetzung folgt.) Allgemeine«. Correspondenz Speyex. Einem O. Correspondcnten hat eö in Nr. 2 diese« Blattes gefallen, sich über unseren Synazogenchor unv dessen Leistungen so auezulajsen, daß ich nicht umhin kann, die einzelnen Theile zu berichtigen. Die Anerkennung von Männern vom Fach, wie Albert Mayer in Mainz, Lehrer Stern in Ludwigühafen, so wie noch vieler anderen, die unserem Gottesdienste schon beiwohnten, und sich über -bk Leistungen des Instituts sehr günstig ausgesprochen haben, ist Beweis genug, daß dasselbe seiner Pflicht, der Verherrlichung deS Gottesdienstes, soviel wie möglich nachkommt. Eö wäre also nicht nöthig, weiter auf das Urtheil des 1). Correspondcnten Gewicht zu legen. Wir haben hier zwei in Musik gesetzte Gottesdienste; der eine von unserem weltberühmten Sulz er und der andere von' unserem, in der musikalischen Welt weit bekannten Choroirigenten und Organisten Herrn Professor H. B. Wiß, dessen Gottesdienst bei Schott und Söhne in Mainz erschienen ist; cS kann sich also jeder Sachkenner von der Tüchtigkeit beider Werke überzeugen. Außer diesem hat nun Herr Professor Wiß mehrere deutsche Psalmen für Männerchor componirt, wie Snlz er, Naumburg, Halevy hebräische für geinischten Chor componirt haben, welche abwechselnd an Sabbath- und Festtagen vorgeträgen werden. Von persönlicher Eitelkeit kann dabei durchaus keine Rede fein, da die Solis nur nach der Angabe des Dirigenten vcrtheilt werden. Welcher Mensch, der nur einigermaßen Ansprüche auf Bildung und Mustkkenntniß macht, würde sich so lächerlich machen zu behaupten, die Synagoge ist herabgewürdigt, weil in derselben die Psalmen 103, 113 oder Ez cliajim mit der Fuge von Sulzer, die Psalmen 100, 113 von Halevy, die Psalmen 100, 115 von Naumburg oder Psalm 150 von Alkan gesungen werden? Sind es die deutschen Psalmen, die dem Herrn Correspondenten ein Dorn im Auge?I Unser hochgeehrter Bezirksrabbiner Herr A Merz hat unserm Gottesdienste schon vielmals beigewohnt, und war so exfüllt von besten Schönheit und Erhabenheit, daß er öfter Vcranlastung nahm in seinen Vorträgen dm Synagogm- Chor lobend zu erwähnen; indcmselben Sinne handelte auch unser verehrter Vorstand, indem derselbe den deutschen Theil unserer Gesänge zur Benützung der Gemeindeglieder drucken ließ WaS die aulokratische Direktion betrifft, so ist dies ebenfalls nicht der Wahrheit gemäß. Da einer der Herren Vorstände selbst im Chore nntwirkt, so wird derselbe bei Besprechungen jedcSmal zu Rathe gezogen, und das Be- ' sprochene wird alsdann im Einverständniste mit Herrn Professor Wiß auSgesührt. Nur wenn etwas Neues einftudirt wird oder die Proben für die Feiertage beginnen, macht sich Schreiber dieses zuck Pflicht, die Sänger mit Eifer zusammenzuhalten, und anzuspvrnen. Und dieser Ester wird ihm vom v. Correspondcnten zum Vorwurf gemacht, und zur au akratischen Direktion gestempelt! Und nun Herr Corrcspondent, können Sie ein einziges Wort der Unwahrheit z ihen? Gewiß nicht. Der Chor, der sich mit so vieler Liebe und Aufopferung der hehren Feier des Gottesdienstes hingibt, verdient wahrlich diese leidenschaftliche Begeiferung nicht! ll.. r. Umschau. Aus der Hess. Provinz Starkcnburg meldet man uns eine scyauderoaite Geschickte, die in ihrer nackten Wirklichkeit ein Schmachbild der Verhältnisse ist, in welchem die Religionslchrer des Gr. Hessen gesetzlich noch leben. — In Seebeim, so viel wir wissen einem Dorfe im Kreise Benshcim, war'ein Lehrer Behr erst wenige Tage oder Wochen ausgenommen, der kurz zuvor in Wolsskehlcn, unweit da on war. Schon nach wenigen Tagen wurde Behr krank — er soll ein starker Branntweintrinker gewesen sein, — und die Gemeinde, in Furcht sich mit demselben Last zu machtn — gab ihrem kranken Lehrer eines Abends den Abschied — nach einer andern Version noch das Geleite bis vor den Wald; dort ließ sie ihn lausen. Der Lehrer ging, kam mitten in der Nacht nach Psungstadtz das 1*.,, Stunden von Seeheim ist, und siel vor der Nachtwäcbterstube bin, wo er wohl, Licht erblickend, sich Rettung.gesucht haben mochte. Die Wächter kamen heraus, brachten ihn in ihre Stube, wo er nach kurzer Zeit verschied.--Wir finden kein Wort, das wir diesem Gemälde heute beisügcn könnten. So etwas kann nur noch in einer jüd. Gemeinde Hessens verkommen. — Ein leuchtendes Beispiel dessen, was Einigkeit vermag, (und was auck die jüdischen Lehrer könnten, wenn unsere Bestrebuugen sie zu einigen, von Erfolg begleitet wären) gibt der sächsische Pestalozzivcrein *s Die Einnahme betrug im letzten.Vereinsjahre die Summe von 38>>8Thlr. 17 Ngr. 1 Pf., und mis Zurechnung der Einnahmen für die im Vereine begründeten Stiftungen 4lil4.Thlr. 7 Ngr., 2 Pf.— Unter diesen Einnahmen waren nur 554 Thlr. 10 Ngr. 1 Pf. freiwillige Beiträge der Mitglieder, Zvährend durch außerordentliche Beiträge (Conzerte, Vorlesungen Geschenke) 1503 Thlr. 8 Ngr. 4 Pf., und durch literarische Unternehmungen (Kalender, Neujahrswünsche. Vaterlandsliedcr:c.) 1129 Thlr. 12 Ngr. 6 Pf., der Rest aber durch Zinsen der angesammelten Fonds und an Namen geknüpfte Stiftungen aufgebracht wurden. Die an Namen geknüp'te Stiftungen haben den Zweck, verwaisten würdigen Lehrersöbnen Unterstützungen bei ihren Studien zu gewähren. Dio Kasse des Vereins weist beim letzten Rech- *) (Sin Verein der iächs. Lehrer, zur Unterstützung ihrer hilfsbedürftigen Wimven und Waisen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.