Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 3 (1863)
- Issue
- 5 (29.1.1863)
- Date
- 1863-01-29
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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19 fönlichkeiten handelt, sondern daß ich mich streng an die Sache gehalten und. eine Objektivität gewahrt habe, die dem wach» samstcn Argwohn, unzugänglich ist. ES sollte eine Aygclezenheit zur Sprache gebracht werden, die von wichtigem und allgemeinem Interesse ist. Hält man dazu eine Erwiderung in Nr. 2, — mit D am Ende — und erblickt, wie sich da Jemand wehrt und Ausfälle macht, ohne, daß er angegriffen ist, wie er um sich schlägt, und nur die Luft verwundet, weil ein Gegner fehlt, so fragt man sich! wohl, versteht D nicht, was er lieft oder will cs nicht verstehen und sucht nur Anlaß, einem drückenden Grolle Luft ^u machen? Zwischen beiden Annahmen läßt er die Wahl. UcbrigcnS hätte ich mich gerade keiner groben Lüge schuldig gemacht, wenn ich spcciell Speyer berührt hätte, wie mir supponirt wird. Dem wohlbefestigten guten Rufe der Gemeinde soll und kann dadurch in -keiner Weise geschadet werden, wenn es' sich constatirt, daß darin eine Elique von Störenfrieden von sich reden macht. Zn jeder Hec.de sind räudige Schafe! Die Ausnahme bestätigt die Regel! Thatsache ist nun, daß im Laufe des jüngsten Jahres, mündliche Bescheidungen vor dem kgl. Polizei - Commissäv wegen Ordnungöwibrigkciten während des Gottesdienstes vorgckommcn; Thatsache ist, daß in der öffentlichen Sitzung des kgl. Polizeigerichtö Ladungen mit obigen Anschuldigungen ergangen; Thatsache ist, daß der Vorstand in Laufe des Jahres eine Ansprache in der Synagoge hielt, worin auf die Agitation gewisser Personen hingewiesen wurde, welche der Ordnung und den, Institut des Chorgesangcs zu schaden suchen. — j Ich enthalte mich nun des UrtheileS und überlaffe cS dem Leser, ob solche Maßregeln nöthig sind und Vorkommen, wo lauter ruhige und ordnungsliebende Männer find, - oder ob sich nicht aus obigen Thatfachen der Schluß auf das Vorhandensein ruhefeindlichcr und mißvergnügter Mitglieder von selbst ergibt! (Wir wünschen diese für unsere Leser unerquicklichen Persönlichkeiten hiermit beendigt zu sehen.) Umschau. Württemberg. Das Ministerium bat dem ständischen Ausschüsse folgenden Gescizesentwurs, die bürgerlichen Verhältnisse der israel. Glaubensgenossen betreffend, überwiesen: Art. 1. Die im Königreich einheimischen Israeliten sind in allen bürgerlichen Verbältnissen den gleichen Gesetzen unterworfen. welche für die übrigen Staatsangehörigen maßgebend sind; sie genießen di; gleichen Rechte und haben die gleichen Pflichten und Leistungen zu erfüllen. Art. 2. In Absicht aus das Ehewesen und die kirchlichen Verhältniffe derselben bleiben Art. 37, zweiter Absatz. Art. 3*, HO. 40", 48 bis 61 des Gesetzes vom 2.'>. April 1*2*. betr. die öffentlchen Verhältnisse der israel. Glaubensgenossen, in Kraft. Art. 3 Die übrigen Bestimmungen des Gesetzes vom 2.">. April 182T> sind, soweit sie bisher noch in Wirksamkeit gestanden, aufgehoben, und es treten an deren Stelle die entsprechenden Vorschriften der allgemeinen Gesetze. Schweiz. Nachdem die französische Regierung im Handelsverträge mit der Schweiz freie Niederlassung der Israeliten in allen Eantonen der Eidgenossenschaft stipulirtc, und nur 2 Cautone und 2 Halbcantone sich gegen freie Niederlasiung <mS« gesprochen haben, glaubt „Le Nord»- daß eine solche Bestimmung zu Gunsten ausländischer Juden nothwendig auch ein freisinnigere Gesetzgebung für die iSrael. Schweizer herbeiführen muß. Wien, 1l. Jan. FZM. v. Benedek gab, wie der „Presse" aus Verona berichtet wird, am.'Neujahrstage ein Diner, zu welchem auch der dortige Rabbiner geladen war und wobei der General einen Toast auf „die Gleichberechtigung aller Confeffionen «nd auf das brüderliche Zusammenhalten aller Nationalitäten-! ausbrachte. — Einem Frankfurter Blatte entnehmen wir folgenden Artikel, welchergewiß auck unsere Leser, sowohl wegen der Wissenschaft an sich, als auch in Betreff des jungen, hoffnungsvollen israel. Vertreters derselben, womit jener Artikel uns bekannt macht, schr intcreffiren wird. 1 Man schreibt: „Am vorigen Sonntagewohnte eine zahlreiche Versammlung von Aerzten und Nichtärztey einer, sowohl in wissenschaftlicher al8' sanitätspolizeilicher Hinsicht sehr interessanten Vorlesung des Eandidaten der Mediein, Herrn Sigm. Tbeod. Stein (Sohn des Herrn Dr. Leop! Stein dahier) im freien deutschen Hochstifte bei. Dieselbe petraf die von Prof. Dr. Zenker neu.'Ntdecktc Trichinen- Krankheit, welche darin besteht-, daß ein äußerst kleiner', mit unbewaffnetem Auge nicht sichtbarer Parasit in Form eines Spiralwürmchens in den Eingcweiten des Menschen und warm-- blütiger Thiere überhaupt in millionenfacher Anzahl sich entwickelt, dann vermittelst des Blutstromes oder Durchbohrung - der Darmwände bis zu den Muskeln seine Wanderungen durch die Gewebe fortseht, dort durch Verzehrung der Muskelfleischfasern die gefährlichsten, oft tödtlichen Verheerungen anstellt, sich dann einkapsclt und so im Madenzustan'e verharrt, bis die betreffenden Tyeile wieder von einem warmblütigen Thiere verzehrt werden und so Anlaß zur Erzeugung einer neuen Trichinengeneration gegeben wird. Die betreffende höchst gefährliche Krankheit entsteht.durch den Genuß des rohen Fleisches mit Trichinen behaft.tcrThiere, insbesondere der Schweine. Herr Stein wußte durch lebhaften, logisch geordneten, belehrenden Vortrag, sowie insbesondere durch von ihm gefertigte genaue, fein ausgeführte Zeichnungen und ausgestellte Microscope, für welche er vermittelst mit Trichineirfleisch gefütterten Thieren die bezüglichen, sehr gelungenen Präparate angefertigt und durch Färbung höchst anschaulich gemacht hatte, die Theilnabme seiner Zuhörer im hohen Grade zu fesseln und in Spannung zu erhalten. Wir dürfen uns der Hoffnung bingcben, daß dieser mit fleißigem Forschungsgeist begabte junge Mann, auf dem werten Gebiete microscopischer Untersuchungen manches erfreuliche Resultat für die Wissenschaft erzielen w^rde." £ c i> t r Ij t r i, *) - (Aus den Erinnerungen des Pfarrers vom Berge.)' Wahre Menschenfreundlichkeit zeigt sick dar n, daß wir jedem Mitlebenden, der uns ungekannt une flüchtig begcanet, die gemeinsam gegebenen Augenblicke mit Gutem zu eriüUcn trachten. Die wahre Menschenliebe bctbäiiat sick darin, daß wir den Gedanken der Zusammengehörigkeit sestbalten, auck da, wo wir den Widerspruch und Gegensatz vor Augen haben. 'Nur wenn wir un§ liebevoll gegen Menschen ankern Glaubens, andrer Ueberzeugung bewähren, nur dann baren wir das Reckt, uns Bekenner der Religion der Liebe zu nennen. Menschenfreundlichkeit,! die sich nur aus Bekannte. Menschenliebe, die sich nur auf Glaubensgenossen beschränkt, verdienen diesen Namin nickt. Gewiß hat sich bierin Jeder Unterlassungssünden vorzuwersen.' 'Auch ich. Aber ich erinnere, »nick gern, daß es mir *) Aus Auerbachs Dolkskalenbcr 1563.