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Der israelitische Lehrer · 1863-01-29 · 5 (29.1.1863) · p. Seite 20

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
3 (1863)
Issue
5 (29.1.1863)
Date
1863-01-29
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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20 rimnal beschicken war, mit' freiem Gemüthe und in ganzer Liebe, einem Andersgläubigen hülfteick zu sein. Die Haufirer und Trödler sterben in unfern Tagen auS. Seitdem wir Eijenbabnen haben, holt sich Jeder, was er bedarf, ' auS den stehenden großen.Magazinen. Ehedemaber war solch eia Haufirer, bei. dem Alles zu haben und Alles anzubringen war, eine eigenthümliche Figur im Dorfe. Jedermann kannte ihn und er blieb doch immer ein Fremder. Als ich in Wolthausen Pfarrer war, 'hatten wir solch einen Haufirer, jter fünf,Tage m der Woche im Dorfe daheim war, ohne sich fe -ansässig zu machen.- Sein Heimathsort war acht Stunden von uns' entfernt, und in der Regel war er schon Sonntag in der Frühe bef uns; er. wunderte die Nacht hindurch mit seinem schweren Quersack den weilen Weg. Er hatte nichts Zudringliches, und ich errinnerte mich bei ihm gern eines Wortes, das einst bei unfern Landständeu ausgesprochen wurde. Es war da viel davon die Rede, wie gefährlich die Haufirer seien, wie sie den Menschen zum Apkauf von Dingen verleiten, deren ' sie n ckt bedürfen, und tä tagte ein alter trocken witziger Professor: .Ja wohl, ich-kenne die Gefährlichkeit dieser Wegelagerer auch. Ich gebe einmat vom Eolhegium nach Hause, und da hält mich am hellen Tag auf offener Straße solch ein Wegelagerer von Haufirer an und fragt mich: ..Nichts zu handeln?-^ Ich sage Nein-und... . da war die Gefahr vorbei." Unser Haufirer war ein Jude mit Namen Herz oder Hirz, waS eigentlich Hirsch beißt;- Jedermann aber kannte ihn unter dem Namen Lederherz. In meinem Torfe war es nämlich der Brauch, daß die Bauern sich große Spangen Sohlleder kauften, und bcnötbigten Falls beim Schuster zur frischen Besohlung Stücke aus der Spange ausschneiten zu lassen. Der Ledcrher; lieferte den Vorraty, und dazu-trug er noch sein Schild mit sich herum; denn die Ellenbogen. seines Reckes waren mit Lederstücken besetzt, in Herzform ausgeschnitten. Ich war bald ein Jahr im Torfe, der Lederhcr; hatte nie versucht irgend ein Geschäft mit mir zu, machen. Meiner Frau kaufte er indessen die Federn von lunsern Gänsen ab, und sie machte auch zuweilen'einen Tauschhandel mit ihm, wobei sie mir oftmals seine Redlichkeft und Klugheit rühmte und mir auch von seinen Lebensverhältnissen, erzählte. Er war der älteste ron vier Geschwistern und halte, wir er sagte, .das Heirathcn versäumt;" denn er mußte für die Andern sorgen, denen er aus seinem Erwerbe zur Begründung eines.Hausstandes verhalf. Jetzt, sagte er, habe er's leicht, denn er habe nur noch seine alte bald achtzigjährige Mutter zu ernähren. Erst im zweiten Winter würde ick selbst mit ibm bekannt. Er war auf die Bedürfnisse aller Menschen bedacht, und so brachte er mir hohe Pelzstiefet/ die ick jetzt noch habx. Er erklärte mir mit klugem und gutherzigem Lächeln, daß ick die Stiesel haben müsse, wenn ick im strengen Winter nach meistem Filial oder nack den entfernten Bauernhöfen zu Krankenbesuchen fahre. Er trank bei unS eine Taffe Kaffee — eine andere Sp isc nahm er nicht — und ich gewährte es ihm gern; daß er dabei sein schwarzes Sammelkäppchen aufsevte. Ich bezahlte ihm den Kaufpreis für die Etieiel >ogleich baar; er sägte, das habe ja nicht solche Eile, aber ein eigener Glan; trat in sein. großes, dunkles Auge, als ich ihm das Geld darreichte und dabei in hebräischer Sprache dett Bers 14 und 1'» aus 5*. Buch Moses Eapitel 24 sprach: »Du sollst dem Dürftigen und Armen seinen Lohn nicht Vorbehalten; er sei icn deinen Brüdern oder von den Fremdlingen, die in deinen Tdören sind. An demselben Tage sollst du ihm seinen kobn geben, ,und es soll die Sonne nicht darüber untcrgehen." (Fortsetzung folgt.) Lehrervaeavzenliste. %&fT" Einmalige Aufnahme 18 kr. — 5 Sgr. Erledigt ist: Die israel. Religionslehrer- und Vorbeterstelle zu Lorsch, Kreis Heppenheim a. d. Bergstraße. Gehalt 250 fl. freie Wohnung und Heizung. l Bei dem Unterzeichneten ist der fünfte Band der Gr ä h'schen j Geschickte, neu, zu 1 Rthlr. 15» Sgr. zu haben. Briefe franco. Bocholt (Westfalen.) _ A. Moos, Lehrer. Aufruf. Herr Leopold Goldschmidt in Mainz gondele zu Gunsten verdienstvoller Lehrer der (hessischen) Rhcinprovinz eine Stiftung, deren Zweck laut §. 7 der Statuten dahin geht: »den Ertrag der jährlich eingehenden Zinsen an Lehrer gleichviel welcher Eonfession, zu verthrilcn, welche in anerkant wirksamer Weise auf Geist und Gemüth der Schüler wirken und sich durch Eifer und Berufstreue auözcichnen." / Demzufolge werden hiermit diejenigen, welche Ansprüche an gedachte Stiftung zu machen wünschen, aufgesordert, ihr dcsfallsiges Gesuch mit den nöthigen Belegen begleitet „bis spätestens den 1. Mär; d. I." bei dem Unterzeichneten einzuscndcn. i Mainz, den 18. Januar 1863. ' Der UerpjaftungsraUj der Leoji. Hosdschmidtscheil >_Siftung_ Die LavfMännische Lehr- und Lrftchungsanstalt von I. Lehmann in Neustadt a. d. Haardt (Pfalz) ist jetzt die. besuchteste ihrer Art in der Pfalz und in weitem Umkreist, vereinigt aber auch in ihrem Innern und Aeußern Alles was man von einer guten Erziehungsanstalt der Neuzeit fordern darf: freundliche Schuljäle, geräumigen Speisaal, gesunden Schlafsaal, Bäder, Turn- und Sprelplatz, Gartest; I I tüchtige Lehrer wirken an der Anstalt, wovon b int Hause selbst wohnen, so daß die Knaben nie (auch Nachts nicht) sich selbst überlassen bleiben; die Frau des Hauses selbst sorgt für die Ordnung und Reinlichkeit, für Sitte und Anstand, für die reichlichste Nahrung und das körperliche Gedeihen der Zöglinge (die übrigens allen Confcssionen angehören) in einer Weise, welche ihr den Dank und die Anerkennung aller Mütter zu Th.il werden ließ. Wir glauben denjenigen Eltern, die ihren Knaben eine auf gesunden pädagogischen Grundsätzen basirte Erziehung, einen tüchtigen, praktischen Unterricht in den allgemeinen urd kaufmännischen Lehrgegcnständen, nstd dabei eine wahrhaft väterliche und mütterliche Sorgfalt sichern wollen, einen Dienst zu erweisen, tvenn wir auch in iveitcren Kreisen auf diese in ihren Leistungen bewährte Anstalt aufmerksam machen.; Prospcktuö — deutsch, französisch oder englisch — durch die Redaktion dieses Blattes oder bei dem Direktor der Anstalt. thum; es werden auch vierteljährlge Bestellungen angenommsti. Stehe Praspektus. i. «erantwortlicher Redakteurc I. Klingenstet» in Odcrnhrtm i» «heinheffen; Selbstverlag der Redaktion. Für den Buchhandel: in Lomunsfiow bei <5. L. Fritzsche i» Leipzig. — Druck von I. vottsleben in Mainz. j

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